Vor 37 Jahren hielt er seine erste Predigt in Solpke. 36 Jahre war er dort Pfarrer, also ein ganzes Berufsleben lang. Gestern nun wurde Alfred Warweg in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet. Und Unzählige wollten dabei sein.

Solpke l "Wenn heute alle hier wären, die Sie in Ihrem Berufsleben mal besucht haben", sagt Superintendent Matthias Heinrich zum scheidenden Pfarrer Albrecht Warweg, "dann wäre Solpke für einen Tag eine Stadt."

Aber beim Blick in und vor die Kirche sieht es aus, als seien viele von denen erschienen, die Warweg in den vergangenen 36 Arbeitsjahren als Solpker Pfarrer begleitet hat. Kein Platz ist mehr frei. Über Lautsprecher wird der Abschiedsgottesdienst auch ins Freie übertragen, wo die Besucher ebenfalls dicht an dicht auf Bänken sitzen. Kein Zweifel: Der 62-Jährige ist den Menschen nicht egal. Und sie waren es ihm auch nie.

"Pfarrdienst ist Beziehungsarbeit", sagt Propst Christoph Hackbeil in seiner Predigt und macht dabei deutlich, dass Warweg stets eine besondere Beziehung zur Gemeinde besessen habe. Ihm sei es gelungen, die Menschen zu öffnen - sei es im Pfarrbereich oder als Seelsorger im Krankenhaus oder Maßregelvollzug gewesen. Dabei hebt Hackbeil auch die teils unkonventionelle Herangehensweise seines Kollegen und Freundes hervor. "Du bist ein unfrommer Frommer", sagt er über Warweg. Und auch Superintendent Heinrich beschreibt den gebürtigen Magdeburger als "ein Original", das er zu schätzen gelernt habe.

"Ihr habt mir das Leben leicht gemacht."

Albrecht Warweg über seine Gemeinde

Dann erteilt er ihm und Ehefrau Christine - die Gemeindepädagogin (61) befindet sich bereits seit 2012 in der passiven Phase der Altersteilzeit - den Segen und erklärt, dass der Pfarrer nun frei sei und selbst entscheide, ob und wann er predige. Sicher wird Warweg seinen Kollegen Gerd Hinke, der den Pfarrbereich Solpke übernimmt, künftig unterstützen. Doch erst einmal werde er sich eine Auszeit nehmen, wie seine Frau am Rande des Abschiedsgottesdienstes verrät. Vielleicht an der Ostsee, die das Ehepaar so liebt? Von der Gemeinde gibt es jedenfalls einen Reisegutschein. Und die Kirchenratsvorsitzende Kirsten Trittel betont, an Warweg gerichtet: "Es wird uns fehlen, dass Du uns nicht mehr in Deiner humorvollen Art die Dinge erklären kannst."

Der Pfarrer wiederum bedankt sich auf seine Weise, indem er in der vollen Kirche sagt: "Ihr seid ein ganz besonderes Völkchen." Denn es sei bezeichnend, dass in den vergangenen 104 Jahren nur drei verschiedene Pfarrer in Solpke gewirkt hätten. "Ihr habt auch mir das Leben leicht gemacht", so Warweg. Dann überreicht er einen Blumenstrauß an Joachim Mewes, der seit 40 Jahren Mitglied im Kirchenrat ist und viele Bauvorhaben - in allen Gotteshäusern des Pfarrbereichs hat es im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte Sanierungen gegeben - mit umgesetzt hat.

Noch einmal bittet Warweg, der seit 2010 auch das Kirchspiel Breitenfeld-Jeggau betreut hat, hinterher auf jenes Grundstück, das er mit seiner Frau und drei Kindern lange bewohnt hat. In einem Zelt neben dem Pfarrhaus gibt es gebackenes Schwein und angeregte Gespräche. Erst zu späterer Stunde geht es zurück nach Ackendorf. Dort lebt das Ehepaar Warweg inzwischen.Das Solpker Pfarrhaus indes befindet sich jetzt in Privatbesitz.

Warweg predigt am 12. Oktober ab 8.30 Uhr nochmals in Wernitz, ab 9.45 Uhr in Jeggau.

 

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