Die Feuerwehren brauchen in den kommenden Jahren unter anderem mehr als 700000 Euro für neue Fahrzeuge und Ausrüstung. Dies geht aus der Fortschreibung der Bedarfsplanung und der Risikoanalyse hervor, die den Stadträten nun vorliegt.

Gardelegen l Ein Unfall an der B71 bei Wiepke kann die Feuerwehren an die Belastungsgrenze bringen. Um mögliche Schreckensszenarien zu bewältigen, fehle die nötige Ausrüstung. Das ist eines der Ergebnisse der Bedarfsplanung der Brandbekämpfer, die den Gardeleger Stadträten samt Fortschreibung der Risikoanalyse nun vorliegt.

Der vorhandene Rettungssatz in Wiepke sei zu klein und veraltet. "Da es bei Einsätzen schon mehrfach zu Problemen kam, ist hier dringend eine Änderung anzustreben", heißt es in dem Bericht. Eine Arbeitsgruppe um Stadtwehrleiter Sven Rasch hat diesen erarbeitet.

Als Lösung schlagen die Mitglieder vor, ein Löschfahrzeug der aus Gardelegen nach Wiepke umzusetzen. Im Gegenzug bräuchten die Gardeleger ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug. Die Kosten dafür würden bei 340000 Euro liegen. Weiteren Investitionsbedarf sieht die Gruppe bei der Jävenitzer Wehr. Hier müsste 2018 ein neues Löschfahrzeug für 320000 Euro angeschafft werden.

Zudem benötigten die Brandbekämpfer für die Atemschutzgeräteträger neue Ausrüstung. Eine preisgünstige Alternative zu einem neuen Gerätewagen sei ein Rollcontainer mit Pressluftatmern und - flaschen. Der Container könnte dann in ein vorhandenes Transportfahrzeug integriert werden. Weiteren Investitionsbedarf sehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe bei den Gerätehäusern in Mieste, Berge und Estedt. "Die Zustände sind dermaßen negativ, dass hier eine Ersatzlösung mit höchster Priorität gefragt ist", heißt es in dem Bericht.

Gerätehaus in Ackendorf soll geschlossen werden

Als Einsparpotential schlägt die Arbeitsgruppe vor, das Gerätehaus in Ackendorf zu schließen. Die Ausgaben stünden nicht im Verhältnis zur Tageseinsatzbereitschaft. Stattdessen solle in Berge ein Umkleideraum für alle Einsatzkräfte geschaffen werden. Der Schuppen am Gerätehaus könnte umgebaut werden.

Abschließend stellten die Mitglieder fest: "Konzeptionen, Absichtserklärungen und Dankesworte wirken besonders dort nicht, wo sich heute freiwillig Engagierte mit 40 Jahren alten Fahrzeugen, abrisswürdigen Objekten, fehlenden sanitären Einrichtungen und mangelhafter Ausrüstung abfinden sollen, dies trifft insbesondere für den Standort Mieste zu." Hier sieht die Gruppe keine Alternative zum schon seit langem angestrebten Neubau.

Während die Bedarfsplanung Probleme der Brandbekämpfer bei der Ausrüstung auflistet, betrachtet die Risikoanalyse Gefahrenpotenziale und die Einsatzbereitschaft. Und hier gibt es vor allem während der normalen Arbeitszeiten Probleme. Daher werden neben den betroffenen Ortswehren fast im gesamten Gebiet der Einheitsgemeinde auch die Nachbarwehren alarmiert. Dies nennt sich Rendezvoussystem. So sei gewährleistet, dass eine Staffel (sechs Feuerwehrleute) einsatzbereit sei.

Ausnahme sind die Orte Jeggau, Breitenfeld, Sichau und Schenkenhorst. Dort ist die Einheitsgemeinde auf sogenannte Nachbarschaftshilfe aus Klötze beziehungsweise Kalbe angewiesen. "Verbessert hat sich die Situation in Lindstedt", sagte Stadtwehrleiter Rasch. Die Feuerwehr konnte in den vergangenen Jahren neue Mitglieder gewinnen.

Atemschutzgeräteträger und Maschinisten fehlen

Kommt es tagsüber in der Woche etwa zu einem Wohnungsbrand, fehlen trotz des Rendezvoussystems vielerorts nötige Maschinisten und Atemschutzgeräteträger. In diesen Fällen müssen die größeren Wehren aus Mieste und Gardelegen unterstützend helfen.

Die Brandbekämpfer fordern von der Stadt, dass sie mehr Einfluss auf die Ausbildung dieser Sonderfunktionsträger nimmt. "Hierzu ist es notwendig, dass die Hansestadt Gardelegen sich an den Kosten für die Führerscheine und deren Verlängerung beteiligt", schreiben die Verfasser.

Bei der Löschwasserversorgung sehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe - Sven Rasch, Kreisbrandmeister Torsten Schoof, Rüdiger Wolf von der Ortsfeuerwehr Gardelegen und Rüdiger Lehmann von der Landgesellschaft - weiteren Handlungsbedarf.

Die notwendige Versorgung mit Löschwasser sei in Gardelegen am Kämmereiforst, in Schenkenhorst Höhe Bushaltestelle, in Mieste an der Schule und dem neuen Kindergarten sowie bei der Lindstedter Firma AHS nicht ausreichend. Zudem müsse der Brunnen in Potzehne am Abzweig Jeseritz repariert werden.

Die Gardeleger Stadträte müssen nun in den kommenden Wochen die Risikoanalyse und die Bedarfsplanung beraten. Das erste Gremium, das darüber berät, ist der Finanzausschuss am Mittwoch, 19. November. Es folgt der Hauptausschuss am Dienstag, 25. November. Endgültig entscheiden kann der Stadtrat am Montag, 1. Dezember.