20 Jahre lang gab es ihn, nun hat sich der Schiffsmodellbauclub Gardelegen aufgelöst. Der Grund ist so banal, wie nachvollziehbar: Ab dem neuen Jahr haben die Mitglieder kein Fahrgewässer mehr.

Gardelegen l Jedes Jahr am ersten Mai herrschte dort richtig Trubel. Den Beginn der Fahrsaison feierten die Mitglieder des Gardeleger Schiffsmodellbauclubs immer mit einem Tag der offenen Tür in der alten Badeanstalt. Dann wurden in dem einstigen Badebecken zwischen Milde und Goethestraße die hübschesten Schiffe zu Wasser gelassen, konnten die Besucher bestaunen, was die Modellbauer im Winter wieder so alles in liebevoller Kleinarbeit gebaut hatten. Am kommenden ersten Mai sind die Gardeleger Modellbauer nun nicht mehr an der alten Badeanstalt zu finden. Dort nicht und auch nirgends anders mehr. Denn mit dem Jahresende wird sich der Verein auflösen. Am Freitag hoben sich, wenn auch schweren Herzens, alle Hände, als Vereinschef Torsten Holz die Frage stellte. "Aber ohne Wasser geht es nun mal nicht", fasste Vizevereinschef Bernhard Zielke seine Enttäuschung in Worte.

Dass die Modellbauer das alte Bad nicht weiter nutzen dürfen, liegt schlicht an der Tatsache, dass es seit 2013 einen neuen Eigentümer hat. Genauer eigentlich für einen Teil des Areals, denn mitten im Wasser verläuft die Grundstücksgrenze. Während eine Seite der Stadt Gardelegen gehört, gehörte die etwas größere der Kirchenstiftung "Großer Gotteskasten", die die Fläche an den Eigentümer des Hauses verkaufte, an das sie grenzt.

"Zu viel Herzblut ist da reingeflossen"

Bernhard Zielke, Vizevereinschef

"Und der will daraus einen privaten Badeteich machen", informierte Vereinschef Torsten Holz. Im Oktober hatte der Mann Holz auf die neue Eigentumsregelung angesprochen und den Auszug der Modellbauer bis zum Jahresende gefordert. "Wir haben alles schon beräumt", sagt Holz. Etwas anderes blieb auch nicht. Denn es gab in all den Jahren keinen Pachtvertrag. Die Nutzung hatten die Modellbauer mit Arbeitsleistungen "vergütet", indem sie das Gelände in Ordnung hielten, Rasen mähten und auch Reparaturen übernahmen. Schade finden die Hobbymodellbauer nur, dass sie niemand über den Verkauf informiert hat. Die Art und Weise, wie sie es erfuhren, sei nicht schön, bemängeln sie.

Das tue ihr zwar wirklich leid, beteuerte gestern Ines Kurzweg, Vizeamtsleiterin im Kreiskirchenamt, "aber ich höre zum ersten Mal, dass da ein Verein drauf war". Und auch Kämmerer Maik Machalz fühlte mit, "aber wir haben unser Grundstück ja nicht verkauft". Für eine Weiternutzung, so schätzt er jedoch realistisch ein, dürfte der schmale Streifen der noch der Stadt gehört, aber zu klein sein.

Übrigens: Weiterbauen wollen die Kapitäne der schmucken Schiffsmodelle auch ohne Verein. Und vielleicht findet sich ja doch noch ein Gewässer. "Wäre ja wirklich schade, wenn der Schiffsmodellbau in Gardelegen stirbt", sprach Zielke für alle. "Zu viel Geld und Herzblut" seien da im Laufe der Jahre schließlich reingeflossen.