In dieser Session gibt es in Kakerbeck kein Prinzenpaar. Gefeiert wurde am Sonnabend trotzdem. Und wie! Zur Prunksitzung war die Turnhalle restlos ausverkauft. Hunderte waren dem närrischen Schlachtruf "Immer hinein!" gefolgt.

Kakerbeck l Es war alles ein bisschen improvisiert. Und zuweilen war dies dem Ablauf der Veranstaltung auch anzumerken. Aber krankheitsbedingte Ausfälle machen nun einmal auch vor Karnevalisten nicht Halt. Und die Kakerbecker Narren haben aus der schwierigen Situation, dass es ausnahmsweise einmal keine durchgängige Moderation und auch keine Proklamation eines neuen Prinzenpaares gab, das Beste gemacht - und ihr Publikum am Sonnabendabend dennoch super unterhalten.

Besonders mit ihren Tanzdarbietungen und dazugehörigen, optischen Verwandlungen machten sie mächtig Eindruck. Dabei stach vor allem die Prinzengarde - Sandra Kamith und Silvana Gleichmann sei Dank - hervor. Die verwandelte sich nämlich in Anlehnung an den Film "Braveheart" in eine Horde martialischer Kämpfer und führte als selbst ernannte Highländer-Garde eine Art Kriegstanz auf, an dessen Ende Obergardist Horst Schernikau keinen Skalp in die Höhe reckte, sondern - auf einer von Mitstreitern getragenen Plattform stehend - seinen Schottenrock lüftete. Damit lässt sich der Gegner vielleicht auch erschrecken.

Keinesfalls erschreckend, aber dafür sehr mitreißend war der Auftritt der Kakerbecker Blumen. Wer hinter diesem Namen Plüsch und Tutu vermutete, sah sich allerdings getäuscht. Denn das, was die schwarz gewandeten Jungs mit den blauen Gesichtern da zeigten, hatte ein großes Vorbild: die Blue Man Group. Und nicht nur der fordernde Rhythmus, sondern auch die schweißtreibenden Bewegungen im Schatten des Neonlichtes, die die Nachwuchskarnevalisten da präsentierten, rissen das Publikum von den Sitzbänken.

Das zeigte sich auch von den Auftritten der Funkenmariechen und der etwas älteren Funken begeistert. Monatelang hatten Anne Lüdecke und Susanne Fankhänel mit den Mädchen geprobt. Das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen. Ob dies auch für den Auftritt des Männerballetts galt, lag im Auge des Betrachters. Denn die Herren der Schöpfung, die ebenfalls das Spiel von Licht und Schatten für sich nutzten, zeigten einmal mehr mächtig viel Haut, sodass der eine oder andere verschämt wegschaute, während sich manche vor Vergnügen auf die Schenkel schlugen. Doch was wäre eine Prunksitzung ohne den Dauerbrenner Männerballett?

Ein Dauerbrenner, und zwar in der Kakerbecker Bütt, ist auch Torsten Muck. Diesmal mimte er einen Vorzeige-Ossi namens Schulz, der sich auf der Bühne Gedanken über Folgendes macht: "Was wäre eigentlich passiert, hätte die DDR den Westen kassiert?" Eine erschöpfende Antwort darauf gab es nicht, aber dafür so manchen Lacher. Solche hatte Torsten Muck auch auf seiner Seite, als er am Rande einer anderen Darbietung feststellte, dass Helmut Orlowski mit seiner Konfettikanone "Dicke Berta" diesmal offenbar den"Dekorationszerstörer" spielte. Denn immer, wenn der sein lautes Ungetüm zündete, fielen anschließend irgendwo in der Halle Girlanden von der Decke - zerschossen von bunten Papierschnipseln.

Bunt waren auch die Gastauftritte der Narren aus Bismark und Klötze. Letztere spielten Cowboy und Indianer und zeigten eine witzige und körperlich anstrengende Choreographie. "Atemlos" ging es hinterher mit den Bismarker Funken weiter.

Manch einer hätte sich angesichts von so vielen Tanzdarbietungen vielleicht noch den einen oder anderen Wortbeitrag gewünscht. Doch einig war sich das Publikum darin, dass auch das Programm der diesjährigen Kakerbecker Prunksitzung wieder eine enorme Gemeinschaftsleistung dargestellt hat.

Und schon an diesem Sonnabend, 14. Februar, geht es weiter - mit dem närrischen Umzug. Ab 14 Uhr regnet es dann Kamellen in Kakerbeck.

   

Bilder