Kalbe l "Wir kommen wieder, wenn wir dürfen." So begeistert, wie das Publikum von Sebastian (36) und Tobias Hengstmann (33) war, so angetan zeigten sich die Brüder auch von den Kalbensern. Zum allerersten Mal überhaupt standen sie am Sonntagabend in der Milde-Stadt auf der Bühne. "Ratsstuben"-Wirtin Sandra Kunze hatte das Kabarettduo eingeladen - und damit voll ins Schwarze getroffen. Denn die Veranstaltung war schon mehrere Wochen vor dem eigentlichen Termin restlos ausverkauft.

Von Deutschlands "Mutti" bis zu deren "Flintenuschi"

"Mit anderen Worten" hieß das Programm, das dort aufgeführt wurde. Und diese drei Worte, sie stünden, wie die Brüder sagten, oft am Ende irgendwelcher Erklärungsversuche, die letztlich doch zum Scheitern verurteilt seien. Dieses Scheitern kenne aber nicht nur der kleine Mann von nebenan, sondern auch die große Politikerin. Ob Deutschlands "Mutti" Angela Merkel oder ihre "Flin- tenuschi" Ursula von der Leyen, kurz UvdL, auf die sich die Hengstmann-Brüder besonders eingeschossen hatten: Sie mache den ganzen Laden ja immer pazifistischer, nicht nur mit der Teilzeitregelung für Soldaten, sondern auch mit der Ausstattung. "Bevor der Feind erschossen werden kann, fällt das Gewehr auseinander." Ohnehin, feixten die Brüder, habe die deutsche Armee im Bündnisfall die Aufgabe, "den Feind an der Grenze aufzuhalten, bis das richtige Militär kommt."

Beim Rundumschlag der Kabarettisten, für die "Mit anderen Worten" bereits das elfte gemeinsame Programm ist, bekamen allerdings nicht nur Christdemokrat(inn)en ihr Fett weg, sondern auch alle anderen Parteien. Selbst die Neuen erhielten keinen Welpenschutz. Beispiel Piraten, die ja immer den transparenten Staat gefordert hätten. Mittlerweile sei die Klarsicht so ausgeprägt, "dass sie keiner mehr sieht", so die Hengstmann-Brüder.

Am allerbesten sind sie aber immer dann, wenn sie ihr ausgeprägtes Talent zur Satire - es wurde ihnen von Großvater und Vater in die Wiege gelegt - und ihre große schauspielerische Begabung ineinander fließen lassen. Das wurde im letzten Stück des Abends "Der Deutschtest" besonders deutlich. Darin treffen der dauerstudierende Klugscheißer Malte (Sebastian Hengstmann) und der grenzdebile Proll Matze (Tobias Hengstmann), der morgens schon sein Blechbrötchen, also die Dose Bier, im Imbiss konsumiert, aufeinander. Besagter Imbiss gehört einem Vietnamesen. Und Matze will ihm helfen, seinen Deutschtest zu bestehen, damit er Bleiberecht erhält. Blöd nur, dass auch er selbst mit seiner Muttersprache "ein Problem haben tut". Als er dann auch noch verrät, dass die Frau des Vietnamesen einen deutschen Namen trägt und dieser (ein Zufall) genauso lautet wie der einer früheren Pädagogin aus Kalbe, da gibt es im Publikum kein Halten mehr. Die Hengstmann-Brüder waren noch nicht einmal von der Bühne, da wurde von ihnen schon eine Zugabe verlangt.

Im nächsten Jahr soll es ein Wiedersehen geben

Und eine Zugabe, die soll es auch geben, wenn im November das neue Programm des Kabarettduos herauskommt. Wie Wirtin Sandra Kunze verriet, habe sie sich mit den beiden Künstlern darauf verständigt, dass diese im April 2016 wiederkommen.

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