Ihre Eltern rechneten garantiert nicht damit, dass sie ausgerechnet am Heiligen Abend das Licht der Welt erblicken würden. Jenny Weinmann (44), Harald Levin (59) und Christian Tombrink (33) sind die "Christkinder" ihrer Familien.

Genthin l Sie sind nur drei der schätzungsweise 30 Geburtstagskinder in der Region Genthin, die ihre Geburtstagsfeierlichkeiten irgendwie mit der Bescherung am Abend unter einen Hut bekommen müssen.

Und das klappt mittlerweile ganz gut, da sind sich zumindest Jenny Weinmann und Christian Tombrink einig. Denn nicht immer waren sie, anders als Harald Levin, mit ihrem Geburtsdatum glücklich.

Benachteiligt haben sie sich als Heranwachsende gefühlt. "Als Kind habe ich immer gedacht, ich komme zu kurz. Später hat sich das relativiert", gesteht Jenny Weinmann. Auch Christian Tombrink kann sich an kindliche Wünsche erinnern, einmal im Sommer wie alle Freunde Geburtstag feiern zu können. "Mit einer richtigen Party mit Grillen unter freiem Himmel und so weiter. Aber ich musste immer in die Röhre gucken ...", bedauert Christian Tombrink.

So blieb es vorerst für beide bei dem festgefügten Festtagsritual, dass es am Morgen die Geburtstags- und am Abend die Weihnachtsgeschenke gab.

Für Harald Levin, der in Kleinwusterwitz aufwuchs, musste sich daran hingegen bis auf den heutigen Tag nichts ändern. "Das geht schon in Ordnung", sagt er kurz und knapp. Nur den traditionellen Geburtstags-Schoppen hat die Familie verlegt: Jetzt wird in den Geburtstag hineingefeiert, weil in den zurückliegenden Jahren etliche Gäste, bedingt durch das Weihnachtsfest, der Einladung nicht folgen konnten.

Jenny Weinmann und Christian Tombrink haben jedoch längst ihren Frieden mit ihrem vermeintlich "undankbaren" Geburtsdatum gefunden.

Geschenke-technisch wird im Hause Tombrink mittlerweile eine praktische Lösung gepflegt. "Jetzt gibt es am 24. Dezember nur noch ein größeres Geschenk, meist Technik oder Musik. Es wird überlegt geschenkt, so dass alles zusammenpasst."

Auch die familiären Feierlichkeiten um den Geburtstag und zu Weihnachten haben sich für den Junggesellen verändert. Nach 22 Uhr zieht es den Mann in die Gesellschaft Gleichaltriger, die in ihrem Stammlokal sicherlich auch heute auf das Wohl des Geburtstagskindes anstößt.

Einer herzlichen Gratulationsrunde unterzieht sich Jenny Weinmann aus Genthin schon in den frühen Vormittagsstunden. Ehemann René und die beiden Kinder Paul und Marie haben dann schon Sorge dafür getragen, dass an einer großen Geburtstagstafel neben der Familie auch Arbeitskollegen und Bekannte Platz genommen haben. Weil es bei der Caritas, dem Arbeitgeber Jenny Weinmanns, üblich ist, einem Geburtstagskind am Geburtstag frei zu geben, ist dieser Frühschoppen immer "gesetzt". "Das ist einfach schön", sagt die Genthinerin mit einem herzlichen Lachen. Die ganze Familie helfe mit, das Buffet zu organisieren. "Alles geht stressfrei zu", lobt das Geburtstagskind ihre Familie. Dieser Frühschoppen ziehe sich bis in die späten Mittagsstunden hin. Dann geht die ganze Familie in die Weihnachtsmärchen-Aufführung des Genthiner Amateurtheaters. "Das ist dann für uns der Schnitt, an dem das Weihnachtsfest anfängt", berichtet Jenny Weinmann.

Still, ganz für sich allein, wird sich Harald Levin heute sicherlich an einen besonderen Geburtstag erinnen. Am 24. Dezember 2004, genau vor zehn Jahren, wurde ihm erfolgreich eine Niere transplantiert.

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