Bei Musik im Dom denken die meisten an klassische Klänge. Dass es auch Jazz sein kann, der von der Dom-Orgel tönt, beweist eine neue CD. Die ist seit gestern auf dem Markt. Darauf zu hören Trompeten und Posaunen zum Orgelklang im Dom.

Halberstadt l Eine Halberstädter Produktion ist es geworden, mit Mitwirkenden, die international unterwegs sind. Domkantor Claus-Erhard Heinrich, der Weimarer Solotrompeter Zsolt Nagy-Major oder der Nestor des Jazzposaunenspiels in Deutschland, der Amerikaner Richard Roblee - sie kommen nicht nur in Europa herum. Auch Bernd Scheide, Patrick Maul und Josef Hatos sind als Musiker mit Orchestern, Ensembles und solistisch unterwegs. Zu hören sind alle auf der neuen Dommusik-CD. "Brass Organ - Spirituals Choräle aus dem Dom zu Halberstadt" ist sie betitelt.

Es sei ein "grandioses Klangerlebnis geworden", sagt Bruno Uetz. Der ist vielen Halberstädtern als Tuba-Spieler bekannt, betreibt aber auch einen eigenen Musikverlag, in dem nun die neue CD erschienen ist. "Die Orgel im Dom hat einen sensationellen Klang", schwärmt Uetz, "und Martin Linde ist es gelungen, die Feinheiten der Akustik hervorragend einzufangen." Das verleihe dieser der Jazzmusik verpflichteten CD einen besonderen Reiz, so der 55-Jährige. "Sonst kennt man Jazz-Aufnahmen eher aus kleinen Bars und Konzertsälen, in einer Kirche klingt das gleich nochmal ganz anders", sagt Linde. Der 45-Jährige ist Diplom-Tonmeister, wirkt in Leipzig und Halberstadt und hat 17 der 19 Stücke für die CD im Dom aufgenommen. Die anderen beiden verantwortet Kay Lautenbach.

Die Idee zu dieser CD sei in den vergangenen Jahren gewachsen, berichtete gestern Domkantor Heinrich (54). Er selbst improvisiert gerne über Choräle und Spirituals und manche der Aufnahmen seien aus dem Zusammenspiel mit den Solisten entstanden. Für Claus-Erhard Heinrich sind Spirituals "die geistliche Form des Jazz", und alle Arrangements der Stücke orientierten sich an dieser Stilrichtung.

"Es ist uns ein Anliegen, die klassische Kirchenmusik und Jazz zu verbinden", ergänzt Ruth Hurek, Vorsitzende des Fördervereins Musik am Dom. Der hat die Herstellung der CD finanziell unterstützt und hofft, mit der neuen CD nicht nur mehr Werbung für den schönen Dom zu machen, sondern Jazz-Liebhaber für die Kirchenmusik zu interessieren.