Die Osterwiecker Altstadtsanierung ist auch 2010 wieder ein gutes Stück vorangekommen. Vor allem aber wurden Weichen für die nächsten Jahre gestellt.

Osterwieck. "Es gibt ein zentrales Thema, den Bunten Hof", sagte Matthias Gunnemann. Er sitzt im Osterwiecker Sanierungsbüro der BauBeCon Sanierungsträgergesellschaft, die die Altstadtsanierung seit 1991 und damit von Anfang an begleitet.

Gunnemann blickte zurück. Gleich Anfang vergangenes Jahres, kurz nach dem Amtsantritt von Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ, wurden Ideen zur Nutzung des zuvor notgesicherten Fachwerkbaus zusammengetragen. Es habe viele Gespräche bis Magdeburg gegeben – mit dem Höhepunkt im November, als Bauminister Dr. Karl-Heinz Daehre (CDU) vor Ort den Fördermittelbescheid überreichte. Die Stadt muss damit nur noch knapp 200 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen. Das Konzept sieht Wohnungen für körperbehinderte Schüler aus dem benachbarten Fallstein-Gymnasium, Bibliothek, Stadtarchiv und einen Veranstaltungssaal vor.

Zur Umsetzung des Konzeptes wird noch ein Architekt benötigt. Derzeit läuft ein Auswahlverfahren.

"Der Bunte Hof ist finanziell abgesichert", betonte Gunnemann. Doch hat diese Auskunft auch eine Kehrseite. Alles Geld, das die Stadt in ihrem Sanierungstopf aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz hat, ist damit gebunden. Bis auf vielleicht sechs, sieben Teilmodernisierungen von Gebäuden, die weiter möglich gemacht werden. "Es ist das erste Mal, dass wir nichts mehr haben", so Gunnemann.

<6>Für weitere größere Bauvorhaben muss somit erst wieder frisches Geld in den Topf kommen. Im Januar wurde ein Förderantrag – wie jedes Jahr – über 1,2 Millionen Euro von Bund und Land gestellt. Mit den üblichen 20 Prozent Eigenmitteln der Stadt stünden dann wieder 1,5 Millionen Euro für neue Vorhaben zur Verfügung. Als konkrete Baumaßnahmen an Gebäuden wurden in den Förderantrag die Rosmarinstraße 7-10 (Tanne), Sonnenklee 8, Schreiberhof 6/7 und Schützenstraße 13 (Deutsches Haus) benannt.

<7>Im Auge behalten wird weiterhin die Lückenbebauung auf den Grundstücken Neukirchenstraße 6-8. Das wäre etwas ganz Neues, denn ein Lückenbau ist in Osterwieck bisher noch nicht gefördert worden. Iris Buchholz vom Sanierungsträger berichtete, dass es bereits seit 2009 Architektenentwürfe für drei Varianten von Stadthäusern gebe. Auf Investorensuche sei man aber noch nicht gegangen.

<8>Im Straßenbau geht es dieses Jahr in der Schulzenstraße los, berichtete Katrin Löhr, die in der Stadtverwaltung für die Altstadtsanierung zuständig ist. Beantragt wurden bereits Fördermittel für die nächstfolgende Maßnahme. Das soll der Wietholz sein – ein erster Bauabschnitt ohne Wietholzgasse.

Bei der Verlängerung des Fritz-Gille-Weges von der Mauerstraße zum Teichdamm habe es zuletzt keine Aktivitäten gegeben, um das dafür notwendige Grundstück erwerben zu können, sagte Katrin Löhr weiter. Die Verlängerung des Weges werde aber weiter für sinnvoll gehalten.

"Es ist noch viel zu tun."

Mehrere große Vorhaben wurden im vergangenen Jahr begonnen beziehungsweise fertiggestellt. Dazu gehört das Wohn- und Geschäftshaus Am Markt 14. Ebenso die Schützenstraße 11, in der sich nun eine Seniorentagespflegeeinrichtung befindet. Weiterhin die Gartenstraße 24, früher also Fotostudio Delvos bekannt. Sonnenklee 36, in seiner Geschichte ein Hospiz, hatte kurz vor Jahresende Richtfest. Die Kapellenstraße 26, das ehemalige Medizinische Zentrum, wird als Ärzte- und Wohnhaus im Frühjahr fertig. Das Modernisierungsvorhaben Schreiberhof 2 wird sich dagegen wohl noch länger hinziehen.

Zu den teilmodernisierten Wohnhäusern des vergangenen Jahres gehören Voigteiplatz 7, wo unter dem Wandbehang alte Schnitzereien entdeckt wurden, die Thälmannstraße 35, Wietholz 13, Wallstraße 34a. Gefördert werden aber auch Details wie ein Hoftor für die Schulzenstraße 1c, was noch eingebaut wird.

Hervorgehoben wurde von den Stadtsanierern, dass der zweite Abschnitt der Turmsanierung an der Stephani-Kirche auch über das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gefördert wurde. Ebenfalls für die Neugestaltung des Schlings wurde ein Beitrag geleistet.

Fast 47 Millionen Euro wurden in die Osterwiecker Altstadt seit 1991 investiert. Insgesamt ist die Altstadtsanierung damit in den 20 Jahren weit vorangekommen, aber noch längst nicht am Ziel. Matthias Gunnemann erinnert an die vielen großen Fachwerkgebäude, die noch auf eine Sanierung warten. Beispielsweise die Kapellenstraße 11, 12 und 17. Auch der Schäfers Hof ist noch nicht fertig. Als neues Problemhaus machte sich Hagen 25 bemerkbar, von dem Steine eines Schornsteins auf den Parkplatz stürzten. Das Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg untersucht derzeit innerhalb des Modellprojekts "Entdecken – Bewahren – Erleben" mehrere noch auf die Sanierung wartende Häuser. Die Ufermauern der Mühlenilse sind nach wie vor ein ungelöstes Problem. Und beim Straßenbau stehen noch die lange Wallstraße und zu guter Letzt der Marktplatz aus. Gunnemann: "Es ist noch viel zu tun."