Ob Arbeiten am Kanalnetz oder der Bau einer Anlage zur Klärschlammvererdung: Der Abwasserverband Haldensleben "Untere Ohre" hat 2015 einiges vor. Der Wirtschaftsplan hat ein Gesamtvolumen von rund acht Millionen Euro.

Haldensleben l "Wir planen, in der Bahnhofstraße zwischen Jungfernstieg und Gerikestraße einen neuen Mischwasserkanal zu verlegen", erklärt Verbandsgeschäftsführer Achim Grossmann. Die Kosten dafür werden voraussichtlich bei rund 130 000 Euro liegen. Darüber hinaus sollen Am Kamp für 60 000 Euro der Schmutzwasser- und für 40 000 Euro der Niederschlagswasserkanal erneuert werden.

Beide Vorhaben sind mit Straßenbauplänen der Stadt gekoppelt. "Wir würden in diesen Fällen nichts extra aufreißen", sagt Achim Grossmann. Sollten sich die geplanten Arbeiten um ein Jahr verschieben, sei das aus Sicht des Abwasserverbandes auch kein Problem.

Denn grundsätzlich befinde sich der Haldensleber Untergrund in gutem Zustand. "Den Großteil der Kanäle haben wir seit unserer Gründung im Jahr 1992 erneuert. Der Rest stammt aus der jüngeren DDR-Zeit und ist noch nicht fällig. Die Ortsteile sind komplett fertig." Das gelte sogar für Süplingen. Denn die ehemalige Gemeinde wurde zwar erst zum 1. Januar 2014 nach Haldensleben eingemeindet. Aber auch vorher gehörte sie schon zum Gebiet des Abwasserverbandes.

Aus diesen Gründen umfasst der aktuelle Wirtschaftsplan zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Dabei sei das Ziel wie immer die "schwarze Null". Denn der Abwasserverband darf keinen Gewinn machen. Übersteigen die Einnahmen die Ausgaben, muss Geld an die Kunden zurückgezahlt werden. Ist es andersherum, steigen die Gebühren. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Kalkulationszweitraum des Abwasserverbandes drei Jahre umfasst.

Tatsächlich sind die Gebühren zum 1. Januar 2015 sogar gesunken - zumindest soweit es das Niederschlagswasser betrifft. Die Schmutzwassergebühren blieben konstant.

Doch auch wenn an den Kanälen derzeit wenig zu machen ist: Die Instandhaltung von Kläranlagen und Pumpwerken kostet einiges an Geld. Hinzu kommen weitere Investitionen, die sich der Verband vorgenommen hat. So sollte schon 2014 auf der Kläranlage Hillersleben eine Solaranlage entstehen: "Wir haben sie letztes Jahr nicht realisiert, weil wir erst die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes abwarten wollten. Es war nicht klar, ob sich die Anlage dann noch lohnen würde", erläutert Achim Grossmann. Die Kosten liegen immerhin bei 350 000 Euro.

Doch auf lange Sicht stabilisiere die Photovoltaikanlage die Gebühren des Abwasserverbandes. Schon jetzt gibt es auf der Kläranlage in Hillersleben ein Wasserrad sowie ein Blockheizkraftwerk, das mit vor Ort entstehendem Gas gespeist wird. Zusammen erzeugen sie laut Achim Grossmann etwa 25 bis 30 Prozent der benötigten Energie. Mit der Photovoltaik-Anlage solle der Grad der Selbstversorgung rund 50 Prozent erreichen. Auf diese Weise werde der Verband ein Stück weit unabhängig vom schwankenden oder steigenden Strompreis.

Dabei geht es nicht um kleine Beträge. "Kläranlagen sind große Energiefresser", sagt Achim Grossmann. In Hillersleben liege der Verbrauch zum Beispiel bei 60 000 Kilowattstunden pro Monat. "Das meiste geht für die Belüftung der Belebungsbecken drauf, um dort die Mikroorganismen mit Sauerstoff zu versorgen."

Darüber hinaus will der Verband in Flechtingen eine Klärschlammvererdungsanlage errichten. Bisher wird der Schlamm von der dortigen Kläranlage nach Hillersleben gebracht. Das verursacht nicht nur Kosten, es bindet auch Personal und Fahrzeuge.

"Der Vorteil einer Vererdungsanlage ist, dass sie zwar viel Fläche benötigt, aber über sieben oder acht Jahre ohne viel Aufwand beschickt werden kann", sagt Achim Grossmann. "Hinterher bekommt man wunderbaren Humus, der an Landwirte verkauft werden kann." Auch diese Anlage hätte ursprünglich schon 2014 entstehen sollen. "Aber wir mussten erst Land von einer Erbengemeinschaft kaufen. Das hat gedauert", so Achim Grossmann.

Nicht zuletzt gibt der Abwasserverband etwas mehr als eine Million Euro aus, um Kredite zu tilgen. Derzeit liegen die Verbindlichkeiten bei rund 13,4 Millionen Euro. Sie stammen laut Grossmann vor allem aus den ersten Jahren des Abwasserverbandes, als viele Investitionen auf einmal anstanden. "Es gibt wenige Verbände, die einen solchen Betrag pro Jahr zurückzahlen können. Wenn wir weiterhin so tilgen, sind wir in zwölf Jahren schuldenfrei", so Achim Grossmann.