Haldensleben l Manchmal muss sich Ursula Maria Djaschi in den zurückliegenden Jahren vorgekommen sein, als sei sie zwischen die Fronten geraten. Geboren in Ingolstadt, aufgewachsen in Essen, wo sie auch eine Familie gegründet hatte, sah sie sich nach der politischen Wende damit konfrontiert, eine Wochenende-Ehe zu führen. Denn Ehemann Ralf wurde in die Magdeburger Gegend versetzt. Aus ursprünglich einem Jahr wurden mehr und schließlich sah sie keine Alternative als hinterher zu ziehen, denn "irgendwann stände unsere Ehe auf der Kippe".

Das alles liest Ursula Maria Djaschi in kleiner Runde aus ihrem Buch "Im Osten" im Café "Einhorn". Eingeladen hatte dazu Verena Wicke-Scheil, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen.

"Besser, Du kommst nach Essen..."

Die Autorin hat in ihrem Büchlein sehr persönliche Erinnerungen, philosophierende Gedanken dazu und Minigedichte kombiniert. Unterhaltsam schildert sie, wie sie mit Vorurteilen und Klischees von beiden Seiten konfrontiert wird und wie sie damit fertig wird, aber auch, dass sie fürchtete, zwischen zwei Welten verloren zu gehen. Da sind ihre Freundinnen aus Essen, die ihr klar machen, dass sie sie in "Dunkel-Deutschland" nicht besuchen werden. Keine der Frauen hatte bislang Kontakt in den Osten und war daran auch nicht interessiert, doch sie sagten ihr ganz deutlich: "Besser, du kommst nach Essen..."

In Schermen im Jerichower Land, ihrer neuen "Heimat", muss sie mit Bemerkungen über "Busch-Zulage" oder West-Frauen klarkommen. Muss ihre Sicht der Dinge, ihre Lebenssituation darlegen, und von den Frauen hier, zu denen sie sich eigentlich schon zugehörig fühlt, hören: "Wir wollen die DDR nicht wieder, aber unsere Identität."

Ihr Mann ist inzwischen pensioniert. Sie sind in Schermen geblieben, sagt Ursula Maria Djaschi. Damit hatte sie eigentlich nicht gerechnet, als sie sich für den Umzug in den Osten entschied, zieht sie ein Resümee.