In Märchen ist er immer der Böse, frisst das Rotkäppchen oder die Geißlein. Wie sich der Wolf wirklich verhält und was es mit der Wiederansiedlung in Sachsen-Anhalt auf sich hat, berichtete Andreas Berbig vor zahlreichen Zuhörern im Forsthaus im Mühlenholz.

Havelberg l Volles Haus am Sonnabend beim Förderverein "Naturschutz im Elbe-Havel-Winkel": Vorsitzender Klaus Heidrich begrüßte die vielen Gäste, die wissenshungrig auf Aktuelles zum Thema Wolf waren. Mit Andreas Berbig stand ihnen ein fachkompetenter Referent zur Seite. Der Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe und der Referenzstelle Wolfsschutz berichtete über "Fünf Jahre Wiederbesiedlung Sachsen-Anhalts durch Wölfe".

Nachdem der Wolf in Deutschland 150 Jahre lang ausgerottet war, begann vor gut zehn Jahren die Wiederbesiedlung. In Europa geht man derzeit von rund 20000 Wölfen in zehn Populationen aus. Die sich hier wieder ansiedelnden Tiere gehören zur Deutsch-Polnischen Tieflandpopulation, berichtete Andreas Berbig. Man geht von 30 Rudeln aus. Ausgangspunkt war die Lausitz. Der zweite Schwerpunkt scheint sich zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg zu entwickeln. Große Truppenübungsplätze und der Fläming bieten gute Bedingungen für "Meister Isegrim", sich wieder anzusiedeln. Der Fachmann betonte, dass keine Wölfe ausgesetzt werden, auch wenn es solche Meldungen immer mal wieder gebe. Das sei nicht die Strategie. Vielmehr siedelt sich der Wolf von alleine wieder an. Dabei allerdings wird unterstützt - er ist streng geschützt.

Im Augenblick sind die Wölfe vorrangig im Norden Sachsen-Anhalts heimisch, wo sie eine Fläche von 200 bis 300 Quadratkilometern beanspruchen. Aus dem Harz etwa sind noch keine Vorkommen bekannt. Andreas Berbig berichtete über Wolfstelemetrieprojekte und Wolfsmonitoring. Fachleute untersuchen das Verhalten der Tiere, etwa, wenn sie ihre Elternbereiche verlassen. Ein 2011 mit Sendern ausgestattetes Geschwisterpaar vom Truppenübungsplatz Altengrabow zeigte, dass das Weibchen weit in Richtung Norden Deutschlands gezogen ist - die Elbe überquerte es des nachts kurz vor Havelberg -, während der Bruder im familiären Revier blieb.

Durch Filmaufnahmen ist auch zu erkennen, dass sich die anderen Wildtiere im Wald nicht wegen des Wolfes vertreiben lassen. An einer Tränke etwa kamen zunächst Wölfe vorbei, dann Wild. "Räuber und Beute gibt es schon seit Jahrtausenden."

Ein Schwerpunkt bei der natürlichen Wiederansiedlung des Wolfes ist der Schutz der Nutztiere. Tierhalter werden von der Landesreferenzstelle Wolfsschutz bei der Schadens-prävention unterstützt und beraten. Es gibt Fördergelder. Im Schadensfall steht ihnen finanzieller Ausgleich zu. "Es ist nicht der Regelfall, dass sich Wölfe an Nutztiere halten, die Wildbestände sind ausreichend vorhanden", sagte der Biologe. Dennoch gibt es Schadensfälle. Schafe sind am stärksten betroffen. Ausreichend hohe Elektrozäune sind deshalb wichtig.

Wie sie sich verhalten soll, wenn sie einem Wolf in freier Natur begegnet, wollte eine Zuhörerin wissen. "Bislang sind keine Fälle bekannt, wo ein Mensch durch einen Wolf in Gefahr geraten ist", sagte Andreas Berbig. Man könnte in die Hände klatschen, wegrennen sei nicht erforderlich. "Wir können als Mensch gut mit dem Wolf leben."