Havelberg l Vor 300 Jahren wurde die Kantate "Himmelskönig sei willkommen" von Johann Sebastian Bach am Sonntag Palmarum uraufgeführt. An diesem Sonntag Palmarum (13. April) wird sie im Havelberger Dom aufgeführt, berichtet Domkantor Matthias Bensch. Das neu gegründete Vokalensemble, das zu Weihnachten mit zwei kleineren Stücken seine Premiere feierte, wird dabei ebenso zu erleben sein wie drei Solisten vom Rias Kammerchor aus Berlin und Brandenburg. Begleitet werden sie auf historischen Instrumenten. Unter anderem ist der in Havelberg gut bekannte Flötist Hannes Immelmann mit dabei.

Zum Einsatz kommen eine barocke Flöte, eine Geige, zwei Bratschen, ein Cello, ein Kontrabass und eine Continuo-Orgel. "Dazu passt nur eine kleine Chorbesetzung, es ist ein sehr kammermusikalisch komponiertes Werk", erklärt Matthias Bensch und blickt in die Entstehungsgeschichte der Kantate.

Mit der Ernennung Bachs zum Konzertmeister am Hof von Weimar war er verpflichtet, pro Monat eine neue Kantate zu komponieren. Die Kantate "Himmelskönig sei willkommen" ist mit großer Wahrscheinlichkeit der erste dieser Weimarer Kompositionsaufträge.

Solisten und historische Instrumente

Als Textdichter wird aufgrund des Stils Salomon Franck angenommen, der zu dieser Zeit hauptsächlich für den Weimarer Hof tätig war. Allerdings gibt es dafür keinen eindeutigen Beleg. Am Palmsonntag, der 1714 auf den 25. März fiel, wurde das Werk in der Weimarer Schlosskapelle uraufgeführt.

Der Einzug Jesus in Jerusalem ist das Thema. Mit großem Jubel wurde er vom Volk empfangen - das ihn nur wenige Tage später kreuzigte.

Das Werk geht auf die Gespaltenheit der Menschen und ihre Hoffnungen ein. Der gläubige Christ wird aufgefordert, als Dank für das von Jesus gebrachte Opfer dem Gottessohn sein Herz zu widmen und auch im Leiden zu Jesus zu stehen.

Das Vokalensemble Havelberg, es gehört neben dem Kantatenchor und der Kantorei zu den drei Kirchenchören, ist sehr gut auf seinen ersten größeren Auftritt vorbereitet, schätzt der Domkantor ein und verspricht ein musikalisches Erlebnis. Der Chor ist mit sehr sicheren und jung klingenden Stimmen besetzt. Seit Februar gab es fünf Proben.

Nach der Bachkantate wird als zweites Stück die Motette "Herr, auf dich traue ich" von Schütz aufgeführt. Die Werke erklingen im Rahmen des Kantatengottesdienstes, der um 17 Uhr im Dom beginnt. Die Predigt hält Pfarrer Frank Städler. Der Eintritt ist frei. Es wird aber um Spenden für die Kirchenmusik gebeten.

Diese Art des Gottesdienstes mit anspruchsvoller Musik ist ein Versuch. Die Kosten belaufen sich auf 1650 Euro, weshalb der Kantor schon im Vorfeld um Spenden gebeten hat. Um so etwas auch künftig bieten zu können, hofft er auf finanzielle Unterstützung.

Wer spenden möchte: Kirchengemeinde Havelberg, Verwendungszweck Bachkanate Kirchenmusik, Kreissparkasse Stendal, Kontonummer 3080003151, Bankleitzahl 81050555.