Für den Heimatverein ist in diesem Jahr ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: Das Denkmal zur Erinnerung an die Befreiung von der napoleonischen Fremdherrschaft (1813 bis 1815), durch Havelberger Heimatfreunde gefunden und an gleicher Stelle wiedererrichtet, wurde im November auf dem Stadtfriedhof neu eingeweiht. Ein Blick in die Geschichte (Teil II)

Von Helmut K. J. Knopf

Das Denkmal war eingefasst in eine noch bis heute in Teilen erhaltene Gesamtgestaltung, die auf eine beabsichtigte starke Symbolkraft hinweist. So umschließt das Denkmal eine weiträumige, durch acht niedrige Kettenpfosten auf Spannung montierte formschöne Kettenanlage. In der Retounde waren in gleichen Abständen 12 Kastanienbäume gepflanzt, deren räumliche Struktur noch heute an den vorhandenen Baumstubben erkennbar ist. Drei Bäume davon stehen noch. Innerhalb der Einfassung befanden sich drei Eichenbäume, von denen nur noch eine mächtige Eiche steht.

In der Betrachtung der Gesamtgestaltung der Denkmalanlage wird man das Gefühl nicht los, dass die nicht zu übersehende Symbolik nicht wahl- und gedankenlos gestaltet, sondern einen Sinn erfüllen sollte. Die drei Eichen dienten der christlichen Symbolik in der Darstellung von "Vater-Sohn-und-Heiliger-Geist". Mit der Anzahl von 12 Bäumen um die vorhandene Umzäunung sollte ebenfalls eine starke Symbolkraft ausgedrückt werden. So finden wir an vielen bedeutenden Denkmalen, die aus gleichem Anlass errichtet wurden, die Zahl 12 in den verschiedensten Formen dargestellt. Das bekannteste Beispiel hierfür ist wohl das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Dort befinden sich am oberen Teil des Denkmals 12 Kriegergestalten, die mit einer Höhe von 12 Metern als "Hüter der Freiheit" auch die Wehrhaftigkeit darstellen sollen.

Ein Beitrag in einer alten Havelberger Zeitung, einige Tage nach dem 18. Juni 1865 veröffentlicht, enthält das Programm der feierlichen Enthüllung des Denkmals. Dort steht: "Die Feier der Enthüllung des Denkmals fand am 18. Juni 1865 nachmittags um 5 Uhr unter großer Beteiligung der Havelberger Bevölkerung und aller sonstigen staatlichen Behörden, Verbände und Vereine statt. Insbesondere waren zugegen das Militär mit dem Offizier-Corps Infanterie-Regiment Nr. 24, der Magistrat, die Stadtverordneten, die Geistlichen, städtische Behörden, die Gilden und Gewerke, Veteranen, sowie Lehrer und Schüler. Die Lehrer und Schüler waren hauptsächlich aus der Stadtschule und hier waren ausgesucht die 1. und 2. Knabenklasse. Unter Marschmusik begann der Festzug auf dem Marktplatz und endete auf dem Stadtfriedhof. Nach erfolgter vorgeschriebener Aufstellung um das Denkmal gab es ein Signal durch einen Kanonenschuß. Nach Gesang des ersten Chorals mit Instrumentalbegleitung hielt der Superintendent Ungnad die Festrede. Die Enthüllung des Denkmals geschah wieder unter Kanonenschüssen. Nach dem Einlegen der Urkunden ins Denkmal erfolgte wieder ein Gesang, diesmal des zweiten Chorals mit Instrumentalbegleitung. Alle Anwesenden stimmten in die Choräle mit ein und nach einem Vorbeimarsch in abgestimmter Reihenfolge bewegte sich der Festzug wieder über die Haupt-Promenade zurück zum Marktplatz. Hier gab es noch ein zünftiges Konzert mit Militärmusik, während sich die Festteilnehmer auseinander begaben."

Innerhalb der Denkmalsumzäunung befindet sich die Grabstätte von Johann Christian Friedrich Marwitz. Dieser ehemalige Havelberger Kaufmann, der in der Langen Str. 33, (ehemals Laden Minitextil), sein Geschäft hatte, war der letzte Freiheitskämpfer, der selbst noch bei der Einweihung des Denkmals zugegen war. Er ist auch namentlich unter den zehn Vorstandsmitgliedern auf dem Denkmal verewigt. Marwitz war als 18-jähriger freiwillig zu der legendären Jägerabteilungen des "1. Garderegiments zu Fuß" in Berlin eingetreten und ist Mitte April 1815 dem Aufruf des preußischen König Friedrich Wilhelm III. vom 17.3.1813 "An mein Volk" gefolgt, um gegen die unerträgliche napoleonische Fremdherrschaft und für nationale Freiheit und Unabhängigkeit zu kämpfen. Marwitz bewarb sich aber schon viel früher bei den "Lützower Jägern", die ein Werbebüro in der Stadt hatten. Sie nahmen ihn aber nicht an, weil er noch zu jung und zu schwach war. Später gehörte er dem Schweizer Schützen-Bataillon "de Meuron" an und ist mit diesem in Paris einmarschiert.

Folgt man seinen Lebenserinnerungen, so hatte er in Paris ein Erlebnis der besonderen Art. Als er mit seinem Bataillon über eine Brücke marschierte, erkannte ihn ein Franzose wieder, der ihn auch ansprach. Es stellte sich heraus, dass dieser als französischer Besatzungssoldat in Havelberg bei seinen Eltern einquartiert war. Das erinnert mich daran, dass man, egal wo man hinkommt, immer irgendwo einen Havelberger trifft.

Schon bei der Errichtung des Denkmals 1865 wurde in Aussicht genommen, dass der letzte Veteran aus den Befreiungskriegen unter dem Denkmal die letzte Ruhestätte finden sollte. Dieses wurde schon so auf der vorderen Haupttafel des Denkmals formuliert. Da steht:

Zur Erinnerung an die Befreiungskriege

von 1813-1815

Errichtet von dem Havelberger Veteranencorps.

Ruhestätte des letzten Kampfgenossen aus Jener Heldenzeit des preussischen Volks.

I. Könige 8.v.57.

Der Herr unser Gott sei mit uns, wie er gewesen mit unseren Vätern. Er verlasse uns nicht und ziehe die Hand nicht ab von uns.

Marwitz‘ letzte Ruhestätte wurde dann auch bestimmungsgemäß direkt vor dem Denkmal eingerichtet. Seine Beisetzung fand im Jahre 1889 statt. Alfred Zoellner formulierte in seiner Chronik der Stadt Havelberg von 1893: "Sein Begräbnis fand statt mit allen militärischen Ehren des hiesigen Krieger-, Landwehr-und Reserve-Vereins, unter Beteiligung des hiesigen Offizier-Corps und der Garnision. Die Bürgerschaft ehrte das Andenken an jene große Zeit und an den würdigen letzten Veteranen durch die zahlreiche Beteiligung aller Stände an dem Trauer-Gefolge."

Dank der bereitwilligen Unterstützung durch den geschichtsinteressierten Betriebsinhaber der Havelberger Firma "LATI", Gerhard Schulenburg, und mit Hilfe von ABM-Kräften konnte der 1,6 Tonnen schwere Sandsteinquader vermittels eines Radladers aus der Erde geborgen werden.

Die Restaurierung des Denkmals erforderte große finanzielle Mittel, die trotz einer durchgeführten Sammelaktion nicht zusammenkamen. Bei Fördermittelbeantragungen fiel dieses Denkmal durch alle Raster. Mit Hilfe des Heimatvereins Havelberg und vor allem der unermüdlichen und nicht nachlassenden Tätigkeit des Hauptinitiators der Wiedererrichtung, Holger Schulz aus Wöplitz, und seiner fleißigen Helfer wie der Steinmetzmeister Reinhold Rogge, der Lehrer Ulrich Gruber, Oberstleutnant Eberhard Zimmer und die Unternehmer Dietmar Gyger und Dieter Kruse sowie der Holzkünstler Hans Dieter Haßkerl wurde das Denkmal in seinen jetzigen Zustand versetzt.

Sicher ist das Denkmal noch nicht ganz fertig und bedarf noch einiger Anstrengungen. So ist noch die Haupttafel mit Inschrift zu erneuern oder zu restaurieren, da ein Schuss die Marmorplatte zerstörte.

Das einzig unklare am Denkmal ist der obere Abschluss. Da bis heute kein Foto vom oberen Teil aufgetaucht ist, stellt der jetzige Holzadler nur ein Provisorium dar. Es könnte auch sein, dass den Abschluss des Denkmals ein eisernes Kreuz zierte. Pfarrer Fincke meinte dazu: "Wenn oben auf dem Denkmal ein Adler gewesen wäre, hätte ich als Kind bestimmt mit einem Schneeball danach geworfen und mich folglich daran erinnert."

Da wir nicht genau wissen, wie der Abschluss wirklich war, das Denkmal aber authentisch gestalten wollen, bitten die Heimatfreunde die Volksstimme-Leser darum, hierbei zu helfen. Vielleicht hat jemand ein Foto oder kann sich erinnern, wie das Denkmal einst aussah, dann sollte er sich unter der Telefonnummer (03 93 87) 8 88 70 melden.

Bilder