Havelberg l Die Havelberger Volksstimme hat dieser Tage einen Gast. Falko Brinner schnuppert Redaktionsluft. Denn der Kapitänleutnant ist neben seiner Arbeit als Chef des Sanitätszentrums in der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg auch Presseoffizier, also für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. "Mein Pressepraktikum hilft mir, meine Aufgaben als nebenamtlicher Presseoffizier meiner Dienststelle besser wahrzunehmen. Für mich ist es wichtig zu erfahren, wie Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und ziviler Presse funktioniert und welche Anforderungen an mich als Presseoffizier gestellt werden. Was für den Redakteur wichtig ist, um Nachrichten aus dem Umfeld der Bundeswehr verständlich für den Leser aufzubereiten", sagt der 52-Jährige.

Sanitätspersonal ist für 1000 Soldaten zuständig

Das Sanitätszentrum ist vergleichbar mit einem medizinischen Versorgungszentrum, das sich um die ambulante Versorgung und Begutachtung von rund 1000 Soldaten am Standort Havelberg und Klietz kümmert. "Darüber hinaus sind wir dafür da, den Übungsbetrieb auf dem Truppenübungsplatz in Klietz medizinisch abzusichern. Das heißt zum Beispiel für Schießübungen, Sprengen und Gewässerüberquerungen stellen wir das notfallmedizinische Personal. Sanitätsoffiziere, also Ärzte, sowie Rettungsassistenten und Einsatzsanitäter hält das SanZentrum vor. Sie sichern den Übungsbetrieb vor Ort oder sind in Bereitschaft. Außerdem sorgen wir dafür, dass für die Taucherausbildungsanlage in der Kaserne und für mobile Tauchergruppen der Panzerpioniere notfallmedizinisches Personal bereitsteht. Dazu verfügt dass SanZentrum über tauchmedizinische Assistenten und Taucherarztgehilfen sowie über einen Taucherarzt."

Falko Brinner ist zuständig für den Einsatz von 55 Soldaten und vier zivilen Mitarbeitern. "Zudem stellen wir Ausbildungsplätze für medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte bereit. Derzeit bilden wir drei junge Leute aus." Verglichen mit dem zivilen Bereich ist er der Verwaltungsdirektor. Für die ärztliche Leitung ist der Oberfeldarzt Juri Schwab zuständig.

Die Arbeit des SanZentrums und damit die der Bundeswehr in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, ist ein Ziel des Presseoffiziers. "Ich möchte die Belange meiner Soldaten und Soldatinnen vorstellen und über aktuelle Entwicklungen im Sanitätsdienst und in der Bundeswehr informieren. Denn in den Gesprächen auch in der Redaktion stellte sich heraus, dass eine breite Öffentlichkeit sich wenig für die Bundeswehr und die Soldaten interessiert und vielfach nur über pauschale Vorstellungen oder gar Vorurteile über Leben, Arbeit und Soldaten beim Bund verfügt, die mit der Realität nicht übereinstimmen. Trotz medialer Bewerbung der Bundeswehr und dem Betreiben von Informationsplattformen im Internet und bei Facebook bleibt die Bundeswehr bisher für viele eine Unbekannte."

Gute Karrierechancen für junge Leute

"Dabei besteht hier eine große Chance nicht nur für junge Menschen aus der Region Havelberg und der Altmark, die auf der Suche sind nach einem gut bezahlten Job oder einem interessanten Ausbildungsplatz in verschiedenen Berufsbereichen mit tariflicher Bezahlung", sagt Falko Brinner. "Vielseitig, fordernd und erlebnisorientiert gibt es Betätigungsfelder und Aufgabenbereiche für Soldaten und ziviles Personal. Positiv finde ich die gleichberechtigten Aufstiegs- und Entwicklungschancen. Insbesondere gilt das auch für Frauen, die in der Bundeswehr, im Vergleich zur freien Wirtschaft, ebenso wie ihre männlichen Kameraden die gleichen Chancen haben, einen hochqualifizierten Arbeitsplatz zu bekommen. So haben wir zum Beispiel Pilotinnen, Schiffsführerinnen, Technikerinnen oder IT-Spezialistinnen. Und natürlich auch Ärztinnen."

Dass die Bundeswehr gute Karrierechancen bietet, hat Falko Brinner in seiner 34-jährigen Dienstzeit selbst erlebt. "Ich war vor der Wende Berufsoffizier im medizinischen Dienst der Volksmarine der NVA und organisatorischer Leiter des Flottillenlazarettes in Dranske. Ich absolvierte eine dreijährige Feldscherausbildung an der Offiziersschule in Zittau, war aber nicht approbiert." Die Bundeswehr hatte Bedarf, medizinisches Personal der NVA zu übernehmen, damit in den neuen Bundesländern ab 1990 der Aufbau eines neuen Sanitätsdienstes erfolgen konnte. "Ich wurde als Soldat auf Zeit für zwei Jahre in die Bundeswehr übernommen und blieb zunächst in Dranske. Ich hatte Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, war hoch motiviert und fachlich gut ausgebildet. Damit konnte ich mich ab 1991 fließend in meine neuen Aufgaben in Rostock einarbeiten und wurde seitens meiner Kameraden immer unterstützt."

Hochmotiviertes Personal ist wichtig

Die ständigen Strukturveränderungen bei der Bundeswehr sieht der Kapitänleutnant eher als Chance für Weiterentwicklungen. "Teamarbeit und eigenverantwortliches Denken und Handeln haben mich stets motiviert und angespornt. Dass meine Arbeit eintönig oder langweilig wurde, habe ich nie festgestellt. Mit meiner heutigen Funktion als Chef des SanZentrums bin ich sehr zufrieden, auch wenn mich diese Tätigkeit bei stets knappen Ressourcen und beständigen Lageveränderungen fordert."

Das Attraktivitätsprogramm der Verteidigungsministerin hält Falko Brinner für sehr wichtig. Denn die bereits vorhandenen attraktiven Bedingungen reichen in der heutigen Zeit nicht aus, um qualifiziertes und motiviertes Personal für die Bundeswehr zu gewinnen. Weitere Maßnahmen sind hier gefordert. Was er sich in diesem Punkt für sein Sanzentrum wünscht, wird Thema eines nächsten Beitrages sein.