Der Boden bebt. Die Umleitung des Verkehrs auf der B188 von Stendal in Richtung Rathenow/Berlin über Wust, Melkow und Sydow sorgt bei den Anliegern für Ärger und Sorgen um ihre Häuser.

Wust l Die Karawane wälzt sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend durch Wust und die Ortsteile. "Spätestens um 5 Uhr ist die Nacht vorbei", stöhnt Hans-Werner Friesicke. Dann rollen die ersten Laster durchs Dorf, an die Geschwindigkeit hält sich zu dem Zeitpunkt keiner. Da wackelt das ganze Haus. Rita Peters bestätigt das. "Wir hatten neulich Besuch und der konnte durch den Lärm und die Erschütterungen gar nicht schlafen." Xenia Nieter, die Sommerschuldozenten Unterkunft geboten hatte, erzählt, dass auch ihre Gäste genervt waren von dem für Wust ungewöhnlichen Verkehr und die Folgen. Sie muss aufgrund ihres frühen Arbeitsbeginns auch zeitig ins Bett, "aber man kommt ja gar nicht zur Ruhe, weil das Gepoltere nicht aufhört". Die abgesenkten Gullideckel in der Breiten Straße sorgen für diese Erschütterungen. Aber auch die immer mehr werdenden Unebenheiten, "und wenn sich zwei Laster begegnen, müssen sie die volle Straßenbreite samt der Regengosse nutzen - dann poltert`s richtig", ergänzt Hans-Werner Friesicke.

Risse in Häusern, die noch auf weichem Boden stehen

In seinem Zimmereibetrieb am Melkower Ortseingang ist es nicht besser, obwohl das Gebäude ein paar Meter weiter weg von der Fahrbahn steht als die eng an die Straße gebauten Wohnhäuser. Wenn die Laster vorbeirollen, vibriert das ganze Haus, auch den Menschen geht es durch Mark und Bein. Hans-Werner Friesicke zeigt Risse, die sich über den Fenstern gebildet haben, "es werden immer mehr". Risse haben auch Nieters an den beiden Häusern am Wuster Ortsausgang Richtung Melkow entdeckt. "Hier bei uns geben die Kraftfahrer ordentlich Gas beziehungsweise bremsen ab. Die Gläser in den Schränken wackeln ständig, sogar die Blätter der Blumentöpfe zittern", schildert Xenia Nieter. Ihre Sorge um den Zustand des Hauses ist nicht unbegründet. Denn die Wuster Gebäude stehen seit der Flut im Sommer 2013 nicht auf festem Untergrund. Schon seit der Flut gibt es Risse, die nun immer stärker werden. Vor allem auch an den Häusern im nördlichen Teil der Breiten Straße, die komplett im Wasser gestanden hatten. Sie sind gerade wieder saniert und nun das!

"Hat denn bei der Entscheidung, den Verkehr für den Straßenbau im brandenburgischen Bereich hier bei uns entlangzuführen, auch mal jemand an die Anlieger und die Situation nach der Flut gedacht?" fragen die Anlieger.

Genau wie den Wustern ergeht es den Melkowern und Sydowern, deren Häuser ebenfalls dicht an der Straße liegen.

Und auch für die Kraftfahrer ist die Umleitung durch die Dörfer und über die engen Straßen vor allem zwischen Melkow und Briest eine Zumutung. "Warum kann denn der Verkehr nicht mit einer Ampel an der Baustelle vorbeigeleitet werden?", verstehen die Anlieger die Entscheidung nicht. "Und wenn man schon eine Umleitung einrichtet, dann muss man doch wenigstens die entsprechenden Vorkehrungen treffen." Hans-Werner Friesicke meint damit die schon vorher vorhandenen Schlaglöcher. Unverständlich ist für ihn, dass die Geschwindigkeit in den Dörfern nicht komplett auf 30 km/h heruntergesetzt wird, lediglich vor dem Kindergarten muss tagsüber 30 gefahren werden. "Aber daran hält sich keiner, nur dann, wenn geblitzt wird", sagt die Wichtelhaus-Leiterin Christine Kurth.

Ärgerlich sei auch, dass immer mehr Kraftfahrer die Abkürzung von Melkow nach Sydow über den Wirtschaftsweg nutzen, was verboten ist. Die Steine in der Kurve, wo Marika Zarbock wohnt, sind schon komplett ausgefahren, "das knallt richtig, wenn die großen Fahrzeuge durch die Löcher fahren. Den Verantwortlichen ist das egal. Unser Eigentum nimmt Schaden und wir müssen hilflos zusehen", ist nicht nur Marika Zarbock verärgert über die Situation. "Wenn es eine kurze begrenzte Zeit von zwei, drei Wochen gewesen wäre, hätten wir ja gar nichts gesagt. Aber das soll ja noch bis November gehen..."

Hoffen, dass Eingabe schnell Abhilfe schafft

Deshalb hoffen die Wuster und die anderen Anlieger der Umleitungsstrecke, dass sie mit ihrer Eingabe beim Landesstraßenbauamt auf Gehör stoßen und umgehend etwas getan wird zur Entlastung und zum Schutz der Häuser. Das hat Hans-Werner Friesicke geschrieben: "Der Grund meines Schreibens ist der durch den Straßenausbau der B188 hinter der Landesgrenze in Richtung Rathenow umgeleitete Verkehr durch Wust, Melkow und Sydow. Es haben mich in den letzten Wochen betroffene Bürger angesprochen und ihren Unmut über die Auswirkungen durch die Umleitungen kundgetan. Das größte Problem ist der Schwerlastverkehr. Die Straße ist an vielen Stellen durch die große Frequenz der Lkw mit Schwerlasten beschädigt und diese Beschädigungen nehmen rasant zu. Die betroffenen Bürger fürchten durch die permanenten Erschütterungen Schäden an ihren Häusern bzw. fühlen sich nachts belästigt. In Wust hatte zu großen Teilen nach dem Deichbruch in Fischbeck tagelang das Wasser gestanden - das wirkt sich noch heute auf Straße und Häuser aus. Meine Bitte an Sie: Helfen Sie uns, diesen Umstand zu lindern! Für den Ort Wust muss die Durchfahrgeschwindigkeit vom Dorfanfang 30 km/h ohne Zeiteinschränkung gelten, denn zurzeit besteht die Begrenzung nur von der Dorfmitte an von 7 bis 17 Uhr. Außerhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung und besonders nachts sind die Erschütterungen durch überhöhte Geschwindigkeit unerträglich. Desweiteren müssen unbedingt die schadhaften Stellen der Straße ausgebessert werden, um die Erschütterungen zu minimieren.

Ich hoffe Sie leiten unsere Bitte an die entsprechenden Fachbereiche zur schnellstmöglichen Lösung und Abhilfe der Probleme weiter."

 

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