Maria Schütte aus Hohengöhren absolviert während ihres Journalismus-Studiums in Magdeburg derzeit ein dreimonatiges Praktikum bei einem Radiosender in Ghana. Was sie in den ersten Wochen erlebte, schreibt sie in folgendem Bericht.

Von Maria Schütte

"Nach Ghana? Was willst du denn da?" Freunde, Verwandte und Bekannte reagierten verwundert, als ich bekannt gab, dass ich ein dreimonatiges Auslandspraktikum in dem westafrikanischen Staat Ghana absolvieren werde. Es sei doch zu gefährlich, besonders für mich als weiße Frau. Ghanas Hauptstadt Accra bildete den völligen Gegensatz zu meinen langzeitigen Plänen in New York. Ich suchte nach einer Herausforderung und hoffte, diese in Accra zu finden.

Ich bin sehr glücklich, dass ich mich letztendlich für dieses afrikanische Land in den Tropen entschieden habe. Es war die richtige Wahl, auch wenn die ersten Tage nicht ganz einfach waren.

Trotz gründlicher Vorbereitung blieb mir ein leichter "Kulturschock" nicht erspart. Ich fühlte mich in einer ganz anderen Welt, fernab von der Industrialisierung und dem technischen Fortschritt. Zuvor gesehene Bilder hatten mir einen anderen Eindruck vermittelt. Fotos und Filme konnten eben nicht den unangenehmen Geruch in den Straßen, die tropischen Temperaturen und die gesamte Atmosphäre transportieren.

Hier in Accra arbeite ich bis zum 17. Juni bei einem englischsprachigen Radiosender. Die jungen Erwachsenen der Stadt bilden die Zielgruppe. Im Programm stehen verschiedene Shows, die längere Gespräche mit Studiogästen beinhalten, und in denen fast nur populäre amerikanische sowie britische Musik der letzten Jahre gespielt wird. Während meiner Arbeitszeit läuft die Show "Sunshine Café". Sie wendet sich insbesondere an weibliche, im Büro arbeitende Zuhörer und spricht daher Beauty- und Gesundheitsthemen an. Viel Gesprächszeit nutzt die junge Moderatorin Akosua jedoch mit dem Verlesen von SMS und Facebook-Nachrichten. Das weltweite Soziale Netzwerk Facebook findet ebenfalls bei den Ghanaern große Beliebtheit. Schon kurios, da viele Ghanaer überhaupt nicht die erforderliche Technik besitzen. Sogar das technische Equipment in den wenigen Räumlichkeiten des Senders gleicht der eines Amateurs.

Ich arbeite hauptsächlich im Nachrichtenbereich. Die offiziellen Nachrichten werden nur ein einziges Mal um 14 Uhr in einem etwa 20-minütigem Umfang verlesen. Ich schreibe vor allem Nachrichten über die Geschehnisse in der Welt. Bisher habe ich mich besonders intensiv mit den Unruhen an der Elfenbeinküste, Syrien, Nigeria und dem Krieg in Libyen auseinandergesetzt. Mir wird sehr viel Vertrauen geschenkt. Meine Nachrichten werden immer verlesen. Auch von mir produzierte "Storys" über selbstgewählte Themen werden stets gesendet, obwohl ich ein anderes Englisch als die Ghanaer spreche, die jede Wortsilbe betonen. Die Nachrichten werden nicht am Computer verfasst. Schreiben mit einem Stift auf Papier heißt es stattdessen und meistens anschließend nochmal handschriftlich "kopieren".

Wie bereits angesprochen, riecht es in den Straßen Accras unangenehm. Grund dafür sind eine fehlende Kanalisation und eine ungenügende Müllentsorgung. Es gibt kaum Straßen, in denen kein Müll herumliegt. Werden die Müllberge voller Plastik und Schrott zu groß, zünden Einwohner sie einfach an. Dies geschieht gleichermaßen an den Stränden von Accra, die aufgrund des Mülls nicht nutzbar sind. Die verbrannten Stoffe in der Luft fördern nicht gerade die Gesundheit.

Ghana hat natürlich ebenso viele schöne Seiten. Am Wochenende verreise ich meist mit anderen Freiwilligen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt und erkunde das Land. Die atemberaubende Natur mit Urwaldriesen, Bananenpflanzen, Mangobäumen und meterhohen Palmen fasziniert mich stets aufs Neue. Auf einer Hängebrücke in 40 Metern Höhe bin ich über den Regenwald spaziert. Ich besuchte eine mächtige Burg der ehemaligen britischen Kolonialherren, die zu den größten SklavenUmschlagsplätzen der Welt gehörte und von der die Briten über 200 Jahre lang ihre Aktivitäten in Westafrika koordinierten.

In Erinnerung wird auch eine Wanderung zu dem höchsten Wasserfall Ghanas bleiben. Zwei Stunden 700 Meter steil bergauf bei tropischen Temperaturen bereiteten schon große Freude, besonders wenn ständig riesige Wurzeln den schmalen "Weg" durch den Urwald kreuzten. Aber die Anstrengungen hatten sich gelohnt! .

Einen weiteren Höhepunkt bildete eine fast siebenstündige Reise zu dem kleinen "Dorf auf Stelzen" Nzulezo, welches sich nah der Grenze zur Elfenbeinküste befindet. Mit Kanus erreichten wir das 500 Jahre alte Dorf, in dem die 400 Einwohner auf engstem Raum noch nach ihren eigenen Traditionen inmitten von Natur und ohne Strom leben. Der "Chief" des Dorfes hat übrigens zwei Frauen und acht Kinder.

Von den Ghanaern konnte ich einiges lernen. Sie sind ein sehr fröhliches, hilfsbereites und musikalisches Volk. Auch wenn die Menschen oft sehr arm sind, trübt das nicht ihre Stimmung. Als ich mit anderen Freiwilligen innerhalb eines Projektes die Wände einer Schule bunt gestaltete und mit Kindern nebenbei rechnete, haben mich die Mädchen und Jungen beeindruckt. Sie stritten sich darum, wer zuerst Rechenaufgaben bekommt. Die Kinder haben große Freude am Lernen und wollen die ihnen gebotene Chance nutzen. Sie wissen, dass Bildung nötig ist, um ihre Zukunftsträume zu erfüllen.

Über das einfache Leben hier sowie die ghanaische Persönlichkeit und Arbeitsweise werde ich demnächst berichten.

   

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