Den Treueschwur, den sich Harald und Ingeborg Jährling geborene Kahle auf den Tag genau vor 65 Jahren gaben, der wurde Mittwoch im Kreise der Familie, Verwandten und Freunde angemessen gefeiert: Am 16. Juli 1949 gaben sich die beiden das Eheversprechen.

Klötze l Bei der Jubelfeier im Klötzer Braunschweiger Hof da wurden Freudentränen beim 84-jährigen Jubilar und seiner 83-jährigen Ehefrau fürs Leben weggedrückt. Es gab aber auch Zeiten, da liefen ihnen Tränen voller Angst, aus Not und Enttäuschung über diese auf der Feier vor Freude glühenden Wangen. Das fest zusammenhaltende Ehepaar lebte in der Kindheit nicht weit auseinander. Er wuchs in Frankleben auf. Sie, geboren in Kötzschen, wuchs in Beuna im Saalekreis auf - alle drei Orte nur den besagten Steinwurf weit entfernt.

Trotz dieser Nähe und trotz der gegenseitigen Zuneigung im zarten Jugendalter, wäre das feste Band über 65 Jahre hinweg fast nicht zustande gekommen. Die Mutter von Ingeborg Jährling konnte "den Harald" einfach nicht verknusen. Sie hielt ihn für einen Hallodri. Trotzdem: Heimlich schlich die verliebte Ingeborg sich als 15-Jährige zum Tanzvergnügen und schaute ihrem Freund beim Tanzen zu. Als 15-jähriges Mädchen zum Tanzen gehen, das war zu jener Zeit ein Tabu. Dem Harald war ob dieser Situation auch nicht wohl und er sann immer wieder nach Wegen, um ein Treffen hinzubekommen. So fädelte er so manches Stelldichein über den Bruder seiner Freundin ein. Dass der schwieg wie ein Grab, dafür gab er Hemd und Hose her. Es funktionierte.

An die Zeit des Zweiten Weltkrieges hegen die Jährlings nur üble Gedanken. Nah der Leuna-Werke erlebten sie als Kinder schlimmste Bombardierungen durch alliierte Fliegerkräfte. Nach Kriegsende folgte auch bald das Ende der Schulzeit. Harald Jährling absolvierte nach der Schulzeit eine Lehre als Schlosser an seinem Wohnort, studierte ab 1961 in Berlin am Institut für Wissenschaft und Technik. Seine Ingeborg arbeitete nach der Heirat viele Jahre als Verwaltungsangestellte fürs Gesundheitswesen in Osterburg. Harald Jährling stand zu seinem Staat, vertrat aber auch Standpunkte, die ihm trotz Spitzenpositionen einen steinigen beruflichen Weg bescherten. Das bekam auch die Familie immer wieder zu spüren.

Tochter Veronika Jolitz und Sohn Harald erlebten die Schulzeit in Burg. Veronika schaffte ein glänzendes Abitur, erlernte jedoch gleichzeitig den Beruf des Schuhfacharbeiters im ehemaligen Betrieb "Roter Stern" in Burg. Dann studierte sie Medizin und hat über 31 Jahre als Frauenärztin Patientinnen in Klötze und darüber hinaus geholfen.

Sohn Harald entwickelte sich ab 1976 zum sportlichen Aushängeschild der DDR. Als Leistungssportler im Rudern gewann er 1976 und 1980 olympisches Gold im Zweier mit Steuermann. Im Jahre 1978 saß er mit Gold-Achter der DDR bei der in dieser Art einzigartig veranstalteten Weltmeisterschaft an zwei Austragungsorten. Im Jahre 1990 wanderte der Weltruderer nach Australien aus und arbeitete unter anderem als Trainer für die australische Nationalmannschaft, für Irland und Belgien.

Die Feier in Klötze aus Anlass der eisernen Hochzeit war für die Großfamilie Jährling auch so etwas wie eine Familienzusammenführung im Hafen der Ehe und des Glücks.