Der Produktionsstandort Fricopan in Immekath ist gesichert und erfährt mit der Verlagerung der Produktion aus dem Berliner Unternehmen in das Altmarkdorf sogar eine Aufwertung, ist sich Betriebsratsvorsitzender Andreas Höppner sicher. Bis zum Jahresende sollen die neuen Umstrukturierungspläne der Geschäftsführung abgeschlossen sein.

Immekath. Der Markt ist eng und auf Grund der gestiegenen Rohstoffpreise kritisch. Da zählt allein die Effektivität eines Unternehmens. Und so kann der Immekather Fricopan-Betriebsratsvorsitzende Andreas Höppner durchaus nachvollziehen, dass sich die Unternehmensleitung zu einer Verlagerung der Berliner Produktion nach Immekath entschlossen hat. "Berlin als Standort wird ja nicht geschlossen, sondern die Produktion verlagert. Eine Investition, die Produktion auf den neuesten Stand zu bringen, hätte Millionen gekostet", glaubt er. Nachvollziehen kann er dennoch, dass auch diese Verlagerung durchaus bei etlichen Mitarbeitern in Berlin für Unmut sorgen könnte. Ein Sozialplan solle aber helfen, die Entscheidung in Berlin so arbeitnehmerfreundlich wie möglich zu gestalten.

Dass jedoch die Entscheidung pro Immekath damit zusammenhänge, dass hier in Immekath die Mitarbeiter viel zu niedrig bezahlt würden, kann Andreas Höppner nicht bestätigen. Lohndumping ist seit 2008 kein Thema mehr. Seit dieser Zeit habe sich der Betriebsrat für Tarifgehälter stark gemacht und dabei gute Erfolge erzielt. Wurden vor 2008 noch 5,40 Euro Stundenlohn gezahlt, so geht heute kein Mitarbeiter mehr mit weniger als 8,40 Euro Stundenlohn vom Betriebsgelände. Daneben gibt es noch Zuschläge, wie unter anderem die für Schicht- und Wochenendarbeiten. Und die bisher als Betriebsrat verhandelten Konditionen für die Bezahlung sollen nicht das Ende der Fahnenstange sein, kündigt Andreas Höppner an, der übrigens 80 Prozent der Immekather Belegschaft gewerkschaftlich organisiert weiß.

Zu den Errungenschaften, auf die Andreas Höppner und sein Betriebsrat stolz sind, zählt die Tatsache, dass auch die derzeit 28 Lehrlinge im Unternehmen eine durchaus gute Bezahlung bekommen. "Mit 540 Euro im 1. Lehrjahr, 680 Euro im 2. Lehrjahr, 707 Euro im 3. Lehrjahr und 810 Euro im 4. Lehrjahr können wir durchaus dem Vergleich zu großen Industrieunternehmen standhalten", weiß er. In Immekath wird übrigens in verschiedenen Berufen ausgebildet: Mechatroniker, Industriemechaniker, Fachkraft für Lebensmitteltechnologie, Maschinen- und Anlagenfahrern und Bürokauffrau und -mann.

Heute Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Mit diesen Zahlen Werbung in der Öffentlichkeit zu machen, hält der Betriebsrat für wichtig, um jungen Leuten hier aus der Region die Chance aufzuzeigen, in der Heimat einen Beruf zu lernen und später als gut ausgebildete Fachkräfte für das Unternehmen weiter zur Verfügung zu stehen. Ein Jahr nach der Ausbildung, so der zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung ausgehandelte Kompromiss, arbeiten die jungen Leute weiter im Unternehmen. "Dieser Nachwuchs ist gut für den Fortbestand des Unternehmens, in dem ständig neue Technik Einzug hält und in dem wir derzeit auch schon einen Altersdurchschnitt von etwa 46 Jahren haben."

Da bei Fricopan in Immekath viele Arbeitnehmer immer älter werden, hält es der Betriebsrat für unabdinglich, sich in nächster Zeit mit der Geschäftsführung um diese Angestellten und deren Belange zu kümmern. Altersteilzeit muss dabei ein Thema sein, wie Andreas Höppner findet. Er hofft darauf, bei der Geschäftsführung ein offenes Ohr zu finden, denn in den vergangenen Jahren habe sich die Einstellung des Unternehmensleitung gegenüber dem Betriebsrat gewandelt. Während kurz nach der Bildung des Betriebsrates ein schlechtes Miteinander auf der Tagesordnung stand, ist das heute völlig anders. Heute scheint auch die Betriebsführung zu verstehen, dass ein Betriebsrat mithilft, "den Laden am Laufen zu halten". Heute arbeiten beide Seiten auf Augenhöhe, auch wenn sie nicht immer der gleichen Ansicht sind.

Zur der geplanten Produktionsverlagerung, so Andreas Höppner, hat es in dieser Woche auch ein Gespräch mit Landrat Michael Ziche, Klötzes Bürgermeister Matthias Mann und Immekaths Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Zeitz gegeben. Bei diesem Gespräch seien aber auch die Probleme, wie unter anderem die Lärmbelästigung durch den Lkw-Verkehr durch Immekath, ein Thema gewesen.

Ob sich der in Zukunft vielleicht sogar noch auf derzeit mehr als durchschnittlich 100 Lkw pro Tag erhöht, vermochte die Unternehmensleitung noch nicht zu sagen. Erst zum Jahresende, wenn die geplante Produktionsverlagerung von Berlin nach Immekath abgeschlossen ist, vermag die Geschäftsführung genauer zu sagen, ob weitere Investitionen am Standort Immekath geplant sind und in welchen Zeiträumen diese möglicherweise umgesetzt werden können.