Für die Pläne zur Reaktivierung der Oschersleber Burg sind die Stadtverwaltung und die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Bewos von der Stiftung "Lebendige Stadt" geehrt worden. Im Fokus des Wettbewerbes stand der Umgang mit der eigenen Stadtgeschichte.

Oschersleben l Wie Bewos-Geschäftsführer Thomas Harborth berichtet, hätten Stadtverwaltung und die Bewos gemeinsam am diesjährigen Wettbewerb der Stiftung "Lebendige Stadt" teilgenommen. Das Thema der Ausschreibung lautete: "Die lebendigste Erinnerungsstadt: Gedenken - Bewusstmachen - Identität stiften". "Wir haben allerdings keinen mit Geld dotierten Preis erhalten, da nur Konzepte gewürdigt wurden, die bereits realisiert sind. Unser Konzept wurde dafür mit einer Urkunde gewürdigt. Aber was derzeit noch nicht ist, kann ja noch werden", sagt Harborth weiter. Damit schloss er eine weitere Teilnahme an diesem jährlich neu aufgelegten Wettbewerb zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.

Die Stiftung "Lebendige Stadt" hatte Anfang des Jahres alle Städte und Gemeinden aufgerufen, sich für den Stiftungspreis 2014 zu bewerben. Gesucht wurde "die lebendigste Erinnerungsstadt" mit Projekten, die mit Erinnerung Identität stiften und der Stadtentwicklung Impulse geben. Im Fokus stand dabei der Umgang mit der eigenen Stadtgeschichte. Laut dem Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung "Lebendige Stadt", Alexander Otto, sollen erinnerungsträchtige Projekte den Bewohnerinnen und Bewohnern, Gästen und Besuchern der Stadt ermöglichen, Stadtgeschichte mit ihren vielen Facetten bewusst wahrnehmen zu können.

"Wir haben mit dem Ziel teilgenommen, den Bereich der Burg und der Vorburg in den Mittelpunkt der Bewerbung zu stellen. Die Burganlage und der Vorburgbereich sind historisch wertvolle Areale, die den historischen Ausgangspunkt der Stadt darstellen", sagt der Bewos-Chef. Die Burg sei der Ort in Oschersleben, bei dem Geschichte erlebbar werde. Mit der Umgestaltung des Areals zu einem neuen städtischen Quartier und einer damit verbundenen wirtschaftlichen Verwertung würden die Bürger wieder hier verankert. Diese Verankerung sei durch die Bindung von Familien, die in dem Bereich Grundstücke erwerben und Einfamilienhäuser errichten, besonders gut sichtbar. Diese Situation stifte Identität.

Im Jahr 2001 hatte der Stadtrat ein Stadtentwicklungskonzept zur Reduzierung des Leerstandes und zur Aufwertung der Stadt beschlossen. Ziel des Konzeptes ist die Revitalisierung der Innenstadt, Bauflächen sollen von den Rändern zur Stadtmitte ziehen. "Stadt und Bewos setzen die Entwicklung des neuen, bisher brachliegenden Stadtgebietes in der Altstadt fort", betont Harborth.

Die Burganlage, deren Ersterwähnung in das Jahr 1205 zurückgeht, steht seit Jahrzehnten leer und ist stark sanierungsbedürftig. Das gesamte Areal ist der älteste bauliche Standort in der Stadt, die erhaltenen Kreuzgewölbe in den Kellern der Burganlage sind aus dem 13. Jahrhundert.

Durch die Übernahme und weitere Entwicklung der Grundstücke im Vorburgbereich seit dem Jahr 2010 will die Bewos das Areal wieder in den Fokus der Oschersleber rücken. In den Jahren 2011 bis 2013 ist das Gelände erschlossen und der Bebauungsplan umgesetzt worden. In die Burg selbst sollen unter anderem das Kreis- sowie das Stadtarchiv einziehen. Nach Fertigstellung der Arbeiten in zwei Jahren stehen voraussichtliche Kosten von 5,2 Millionen Euro zu Buche, von denen 2,4 Millionen Euro aus Fördermitteln stammen.