Wahrenberg l Ist das die neue Demokratie, wenn eine noch nicht genehmigte Biogasanlage fertig ist und dann erst mit den betroffenen Anwohnern gesprochen wird? Das war nur eine von vielen Fragen, die am Donnerstagabend in Wahrenberg gestellt wurden. Bürgermeister Hans Hildebrandt, der erst vor wenigen Tagen aus dem Urlaub kam, und der Gemeinderat hatten kurzfristig zu der Einwohnerversammlung eingeladen. Die Resonanz war sehr stark, laufend musste für zusätzliche Sitzmöglichkeiten im Vereinsheim am Sportplatz gesorgt werden.

Neben dem Betreiber der Wahrenberger Biogasanlage, Biolandwirt Tobias Westermann aus Werben, der zu seiner Landwirtschaft auch in der Nähe von Havelberg eine Biogasanlage betreibt, konnte der Bürgermeister auch den Seehäuser Bauamtsleiter Guido Mertens und viele Ratsmitglieder begrüßen. "Wir wollen diese Versammlung dazu nutzen, um Infos aus erster Hand zu bekommen und dann unsere Fragen in sachlicher Form zu stellen", so Hildebrandt.

Vom Betreiber gab es eine Übersicht, bei der er gleich eingangs bestätigte, dass er mit Sanktionen für die noch nicht genehmigte Anlage seitens des Landkreises rechne. In der Energieerzeugungsanlage, die auf dem sehr verwahrlost erscheinenden Gelände der Jungrinderaufzucht Wahrenberg steht (ehemals LPG-Rinderanlage) sollen Rindergülle, -stalldung und nachwachsende Rohstoffe als Mais-, Getreide-Ganzpflanzensilage und Grassilage zum Einsatz kommen.

Abwärme zum Heizen

Das Biogas kommt in einem Blockheizkraftwerk zur Verbrennung und produziert eine elektrische Leistung von maximal 360 Kilowatt plus der anfallenden Restwärme, die in der Jungrinderanlage selbst und bei Interesse über ein Nahwärmenetzwerk kostengünstig den Anwohnern zur Verfügung gestellt werden kann. Positive Erfahrungen mit dieser Nutzung hat der Betreiber in seiner Anlage bei Havelberg gesammelt.

Die Kapazität für die genehmigte Stallanlage mit maximal 1000 Jungrindern wird nicht ausgereizt. Die anfallende Menge von rund 5820 Tonnen Gülle und Stalldung sowie die nachwachsenden Rohstoffe von etwa 4200 Tonnen pro Jahr reichen aus, um die Biogasanlage zu betreiben. Ein Zukauf von Flüssigmist ist nicht erforderlich. Der Anbau der Rohstoffe erfolgt in der Region Wahrenberg. Die in der Anlage anfallenden Gärreste werden vom Rinderzuchtbetrieb zurückgenommen und auf den eigenen landwirtschaftlichen Nutzflächen verwertet.

Kaum Ablehnung

Nach diesen umfangreichen Informationen ergab sich ein Fragenkatalog, der teils schon durch den Vortrag beantwortet war. Fragen nach Belastung der Umwelt durch Geruch und Schall, Probleme mit Monokulturen, Sicherheit auf der Straße durch verstärkte Transporte durch den Ort und die Nutzungsmöglichkeiten der anfallenden Abwärme in Höhe von rund 400 Kilowatt standen im Vordergrund. Generell ablehnende Meinungen zu dem Projekt gab es kaum. Als positiv wurde empfunden, dass der Betreiber die Stallanlagen direkt an der Straße nicht mehr nutzen will und geplante Aufräumungsarbeiten auf dem Areal dem Ort gut zu Gesichte stünden. Auch die geplante Fernwärmeversorgung mit einem kalkulierten Preis von vier Cent pro Kilowattstunde dürfte das Interesse von nicht zu weit entfernten Nutzern finden.

Rat muss noch Ja sagen

Die Bedenken, dass sich durch vermehrte Transporte auf den Straßen die Sicherheit für die Anwohner verschlechtere, wurden entkräftet. Denn was auf den Feldern wächst, muss mit oder ohne Biogasanlage transportiert werden. Wenn die Baugenehmigung positiv entschieden wird, dann soll ein zweiter Behälter aufgebaut werden. Wenn nicht, dann kann die jetzige Anlage als Güllebehälter genutzt werden, so der Betreiber. Insgesamt verlief die Diskussion in recht geordneten Bahnen. Wann die Stellungnahme des Rates vorliegt, steht im Moment aber noch nicht fest, stellte der Bürgermeister klar.

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