Viele Landwirtschaftsbetriebe im Norden des Landkreises Stendal hatten in den vergangenen Jahren mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen - vor allem auf Grund überdurchschnittlich hoher Niederschläge und damit verbunden vernässter Felder. Auch der Start in die neue Vegetationsperiode verlief nicht gerade optimal. Landwirte gehen bereits jetzt von Verlusten für die kommende Ernte aus.

Lückstedt. "Vor allem sind es Probleme des vergangenen Jahres, die bis jetzt noch nachwirken. Starke Niederschläge ab dem Sommer bis in der Herbst hinein führten zu erheblichen Verzögerungen bei der Ernte und dadurch wiederum dazu, dass viele Flächen erst sehr spät wiederbestellt werden konnten. Vor allem dem Winterraps hat das geschadet", erklärt Frank Wiese, Geschäftsführer der Argrargenossenschaft Lückstedt, die rund 3500 Landwirtschaftsfläche von der Altmärkischen Höhe bis in die Wische hinein bewirtschaftet. Natürlich seien - je nach Lage - die Auswirkungen dieser Witterung sehr unterschiedlich gewesen, so Wiese "In der Wische waren die Probleme mit vernässten Feldern massiv. Das liegt an den dortigen schweren Böden und der schwierigen Wasserabführung. Auf der Höhe haben sich die Niederschläge weniger negativ ausgewirkt."

August Becker, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Qualitätsgetreide Altmark, ergänzt: "In den meisten Fällen hat es aber mit der Wiederbestellung dann doch noch geklappt, wenn auch verspätet. Die Kulturen sind auch sehr gut durch den Winter gekommen. Die lang anhaltende Kälte war kein Problem. Über die meiste Zeit hinweg gab es ja sogar eine geschlossene Schneedecke. Aber die von der Herbstnässe gesättigten Böden waren dann im beginnenden Frühjahr nicht in der Lage, das Schmelzwasser aufzunehmen. Es sammelte sich an den tiefen Stellen und blieb dort zum Teil über Wochen stehen. In diesen Bereich mussten Umbrüche vorgenommen und dort, wo es wirtschaftlich erschien, die Flächen neu bestellt werden. Je nach Lage betraf das in unserer Region bis zu 15 Prozent der im Herbst bestellten Flächen."

Wie Becker weiter ausführt, folgte dann noch ein weiteres Problem: "Bis auf die staunassen Flächen kamen Getreide und Raps relativ gut aus dem Winter. Dann stellte sich aber Wechselfrostwitterung ein. Tagsüber Plusgrade und in der Nacht Temperaturen von minus acht Grad und kälter. Und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Das hat den Kulturen geschadet. Wer mit offenen Augen durch die Landschaft fuhr, dem dürften die braunen Felder aufgefallen sein. Aber zum Glück blieb es im März weitgehend trocken. Das verhinderte weitere Schäden durch Faulung."

Frank Wiese: "Wir haben in diesem Frühjahr erstmals seit Jahren Wintergetreide gewalzt. Das regt die Pflanzen zur Bestockung an. Jetzt stehen die Kulturen wieder vergleichsweise gut. Nichtsdestotrotz werden die witterungsbedingten Probleme der zurückliegenden Monate zu Verlusten führen - und zwar landesweit. In Sachsen-Anhalt ist bislang bei Raps von Ernteverlusten von 15 Prozent die Rede."

Die geschilderten Probleme, so Frank Wiese weiter, seien jedoch noch gering gegenüber denen jener Landwirten, die im Februar vom Hochwasser betroffen waren. Vor allem im Zehrengrabengebiet hätten Betriebe extreme Verluste erlitten. Als sehr positiv sei es jedoch zu bewerten, dass laut Aussage des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) im kommenden Jahr mit dem Bau des Absperrbauwerks bei Bömenzien und voraussichtlich auch mit dem Aland-Überleitungsbauwerk bei Aulosen begonnen werden soll. Das lasse zumindest hoffen, dass Auswirkungen derartiger Hochwassersituationen wie im Januar und Februar dieses Jahres künftig begrenzt werden können. "Beim zurückliegenden Hochwasser ist jedoch von allen beteiligten Entscheidungsträgern eine hervorragende Arbeit geleistet worden. Es war sehr brenzlig, und es hätte viel schlimmer ausgehen können", unterstreicht Wiese.

Er habe den Eindruck, dass sich die Politik der Problematik der Vernässung angenommen habe. "Die Ankündigung von Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Aeikens, sich für ein intelligentes Hochwassermanagement stark zu machen, klinge vielversprechend. "Wir brauchen ein System, das eine wirksame Entwässerung in nieder- schlagsreichen Zeiten sicherstellt. Aber ebenso müsse es möglich sein, in Trockenzeiten Wasser in der Landschaft zu halten. Dazu muss aus meiner Sicht auch dringend geklärt werden, wie die vielen Stauwerke erhalten und modernisiert werden können", sagt Wiese, der für die Fraktion "Landwirte für die Region" im Stendaler Kreistag sitzt.

Frank Wiese, August Becker und Carsten Pengel (Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft Lückstedt) fordern mit Blick auf die seit Jahren vernässten Felder in der Altmärkischen Wische, dass die begonnene Beräumung des Hauptvorfluters Aland weiter geht. Dazu müssten dem LWH die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden.