Salzwedel l Wegen 24-fachen Handel mit Drogen und einfachem Drogenbesitz verurteilte das Amtsgericht Salzwedel den 46-jährigen Thomas R. (alle Namen geändert) gestern zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Ihm warf die Staatsanwaltschaft vor, zwischen Januar und September 2011 mit den Betäubungsmitteln in Salzwedel und im Raum Gardelegen gehandelt zu haben.

Bei Prozessbeginn schwieg der Angeklagte beharrlich. Auch seine damalige Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin, mit der er das Restaurant unterhielt, sagte nichts. "Weiß ich nicht", und "Ich kann mich nicht erinnern", waren ihre Standardantworten. Allerdings hat die Frau im Juni 2011, nach dem sie der Verurteilte krankenhausreif geschlagen hatte, bei der Polizei ausgesagt, dass er das gemeinsame Restaurant als Drogenumschlagplatz genutzt hat. Doch davon wollte die Zeugin, die vom Balkan stammt, nichts mehr wissen. Sie wirkte bei der Verhandlung ohnehin unsicher und sprach nur leise mit ihrem Dolmetscher.

LKA-Beamter bringt Licht ins Dunkel


Erst als ein Beamter des Landeskriminalamtes, der in die Ermittlungen gegen Thomas R. und seinen Kompagnon Karl M. involviert war, aussagte, kam Licht ins Dunkel. Die Kriminalisten überwachten die Handys der beiden und observierten sie. Beispielsweise konnte der LKA-Beamte einen Fall nennen, bei dem bei M. Drogen bestellt wurden. Er rief daraufhin den Angeklagten an und betrat kurze Zeit später die damalige Gaststätte. Karl M. verließ das Lokal mit einer Pizza-Schachtel, in der sich die Betäubungsmittel befanden. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung im Juni 2011 erklärte die schweigsame Zeugin, dass in genau diesen Verpackungen Drogen transportiert wurden.

Auf die Beschattung durch das Landeskriminalamtes, folgte laut des Ermittlers im September 2011 eine Razzia bei R. in dessen Wohnungen in einem Dorf bei Salzwedel und bei Dessau-Roßlau sowie eines Schranks in einem Gardeleger Fitnessstudio. Die Beamten fanden bei dem Angeklagten Cannabis, Kokain und Amphetamine.

Mit dieser Aussage hatte sich das Blatt für Thomas R. komplett gewendet. Amtsgerichtsdirektor Klaus Hüttermann schlug daraufhin vor, die Verhandlung für ein Rechtsgespräch zu unterbrechen. Dieses nutzten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung dafür, um einen "Deal" auszuhandeln. Zusammengefasst: Sagt der Angeklagt aus, muss er mit einer Bewährungsstrafe zwischen 18 bis maximal 22 Monaten rechnen. Diese Chance nutzte der 46-Jährige und räumte die Taten ein. Er rechtfertigte sein Handeln damit, dass das Restaurant nach dem erfolgreichen Start immer schlechter lief und er mit dem Rauschgifthandel die Firma retten wollte.

Angeklagter saß bereits im Gefängnis

Neben dem Geständnis wirkte sich für Thomas R. positiv aus, dass der in der Anklage genannte Vorwurf des gewerbsmäßigen Drogenhandels auf einfachen Drogenhandel abgeschwächt wurde. Klaus Hüttermann begründete dies damit, dass der Angeklagte lediglich Mengen im niedrigen Grammbereich verkauft habe. Außerdem wurde eine der zunächst 26 angeklagten Straftaten ausgeklammert. Auch die fünf Vorstrafen des 46-Jährigen - der Mann verbüßte bereits eine Gefängnisstrafe - hatten keine Auswirkungen auf das Urteil, da diese bereits einige Jahre zurückliegen und das Gericht Thomas R. als "gefestigt" einschätzt. Deshalb lautete der Richterspruch: Ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung.