Kinder und Jugendliche, die morgens zur Schule nach Kalbe fahren, müssen einiges aushalten. Sie müssen nicht nur bei Wind und Wetter auf den Bus warten, sondern die ganze Fahrt über stehen. Ganz normal, sagen die Busbetriebe.

Kalbe l Es ist kalt und dunkel, als die Schüler gegen 6.50 Uhr die Brunauer Grundschule erreichen. Aus Jeggeleben, Badel, Jeetze, Fleetmark und den umliegenden Dörfern sind sie mit dem Bus abgeholt und nach Brunau gefahren worden. Hier warten sie dicht gedrängt an der Straße auf den Anschlussbus Nummer 510 zur Sekundarschule nach Kalbe. Bei Wind und Wetter. Denn ein Wartehäuschen gibt es an der Kleinen Dorfstraße nicht. Nur ein Schild an der Haltebucht. Auf die Witterung sind die Schüler mittlerweile eingestellt. Einige haben einen Schirm dabei.

Der Brunauer Ortschaftsrat hatte bereits angeregt, ein Wartehäuschen vor der Grundschule zu errichten. Doch dafür reiche der Platz in der schmalen Straße nicht aus, sagt Rainer Kölsch, Leiter des Bauamts in Kalbe. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Schüler am Wartehäuschen an der Parallelstraße (Große Dorfstraße) abzusetzen, doch die Vorrichtung sei für so eine Menschenmenge viel zu klein. Etwa 33 Jugendliche sind es jeden Morgen, die in Brunau umsteigen müssen. Für sie gebe es die Möglichkeit, sich bei schlechtem Wetter unter das Vordach auf dem Grundschulhof zu stellen, informiert Rainer Kölsch. Genutzt wird dieses Angebot jedoch nie. Denn nur wer schnell genug ist, bekommt im Anschlussbus einen Sitzplatz.

56 Schüler kommen auf 43 Sitzplätze

Als dieser Brunau erreicht, sitzen bereits 23 Schüler im Bus. Sie wurden aus den Orten rund um Vienau und Packebusch abgeholt. Als sich die Bustüren um 6.55 Uhr in Brunau öffnen, geht das Gedränge los. Jeder der Jugendlichen weiß, es sind nicht genug Plätze da. Der Linienbus verfügt über 43 Sitzplätze. Für 56 Schüler viel zu wenig. Manchmal sind nicht alle Plätze besetzt. Ältere Schüler halten welche für ihre Freunde frei oder blockieren sie mit der Schultasche, erzählen die Schüler. Da kann nur noch der Busfahrer für Ordnung sorgen.

Die restlichen Schüler stehen die ganze Fahrt lang. Einige wenige sitzen auf Klappsitzen oder den Stufen. Etwa 20 Minuten dauert es, bis sie über Dolchau, Kahrstedt und Altmersleben die Schule erreichen. Unzumutbare Zustände, beschweren sich einige Eltern. Ihre Sorge ist berechtigt. Denn während der Fahrt zeigt sich: Fährt der Bus an oder muss bremsen, gibt es einen Ruck. Wer steht und sich gerade nicht irgendwo festhalten kann, stolpert durch den Bus.

Ganz normaler Alltag, findet Roland Lehnecke, Geschäftsführer der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel mbH (PVGS). In einem Linienbus wie dem von Brunau nach Kalbe gebe es ausreichend Stehplätze. Und die seien längst nicht ausgelastet. "Dass Schüler im Bus stehen müssen, kommt überall vor", so Lehnecke. Die Fahrer würden aber nicht nur darauf achten, dass möglichst alle Sitzplätze besetzt sind, sondern dass sie den Bus gefühlvoll steuern, damit sich niemand verletzt. Eine unvorhergesehene Vollbremsung sei die Ausnahme.

Extrabus für Kahrstedt und Altmersleben

Die Stehsituation im Bus könnte schlimmer sein - wenn zum Beispiel die 19 Schüler aus Kahrstedt und Altmersleben zusteigen würden. Doch die werden mit einem separaten Bus abgeholt, um den Brunauer Bus nicht zu überlasten, so Ronald Lehnecke. Welche und wie viele Busse im Schulgebiet eingesetzt werden, hängt von der Schülerzahl ab, die die PVGS zu jedem neuen Halbjahr bekommt. "Da achten wir schon darauf, dass die Busse nicht übervoll sind", so der Geschäftsführer.

Auch der Kalbenser Omnibusbetreiber Günther Pachali kennt das Problem mit den stehenden Schülern am Morgen. Zwar käme das auf den sieben Strecken, die sein Betrieb im Auftrag der PVGS im Gebiet Kalbe bedient, seltener vor, sei aber durchaus üblich. "Die Eltern können sich beschweren, wie sie wollen. Sie werden aber keinen Erfolg haben", meint Pachali und verweist auf die Beförderungsbedingungen der PVGS. Aus denen geht eindeutig hervor, dass Fahrgäste ohne Handicap keinen Anspruch auf einen Sitzplatz haben. Um zu überprüfen, wie voll die Busse tatsächlich sind, finden regelmäßige Kontrollen statt, räumen die Busbetreiber ein.

Die Schüler selbst scheinen sich mit der Sitzplatzsituation arrangiert zu haben. Wer zuerst kommt, darf sitzen. Meistens sind das die größeren und älteren Schüler.

Überdachung für alle Umsteigepunkte

Im Fall des fehlenden Buswartehäuschens in Brunau gibt es zumindest einen Lichtblick. Die Problematik wurde in der Arbeitsgruppe besprochen, informierte Erhard Prehm, Betriebsleiter des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ), welches mit der PVGS zusammenarbeitet, auf Volksstimme-Nachfrage. In der Regel seien an allen Umsteigepunkten im Altmarkkreis Überdachungen vorgesehen. Für die Aufstellung ließe sich immer eine Lösung finden, egal wie schmal die Straße ist, sagte er. Doch es liege letztendlich in der Hand der Kommune, darüber zu entscheiden. Denn die muss die Kosten des Wartehäuschens zur Hälfte tragen. Die andere Hälfte übernimmt der Landkreis.

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