Rudolf Kriehn aus Arendsee versteht die Welt nicht mehr. Vor einem Jahr musste er seine ehrenamtliche Arbeit für die Kirchengemeinde beenden. Er akzeptiert die Entscheidung bis heute nicht. Und kritisiert das Demokrativerständnis der Verantwortlichen.

Arendsee l "Ich bin weder rassistisch, noch habe ich Vertrauen missbraucht oder den Hausfrieden gebrochen", erklärte Rudolf Kriehn mit Nachdruck im Gespräch mit der Volksstimme. Das sind die Vorwürfe, die den 66-Jährigen seit seiner zwangsweise durch den Gemeindekirchenrat Arendsee beendeten ehrenamtlichen Arbeit umtreiben. Pastorin Sandra Trottner habe ihm diese Dinge unterstellt, so Kriehm. Mehrere Aussprachen hätten zu keinem Ergebnis geführt.

Angefangen 2009 hatte er bis zum Frühjahr 2013 im Eine-Welt-Laden gearbeitet und sich um den Telefondienst im Gemeindezentrum Unterm Regenbogen gekümmert.

Von der Pflicht, über Beschlüsse zu informieren

Vor allem mit der Arbeit der Pastorin sei er unzufrieden gewesen. Das habe er zum Ausdruck gebracht. Er habe Briefe geschrieben an den Superintendenten Michael Kleemann vom Kirchenkreis Stendal, an Bischöfin Ilse Junkermann, sogar bis zum Propst drang sein Problem vor. Aber er sei nicht wirklich auf offene Ohren gestoßen, schätzt er ein. Das Problem habe weiter im Raum und zwischen ihm und der Kirchengemeinde gestanden.

"In einer außerderordentlichen Sitzung des Gemeindekirchenrates Arendsee-Neulingen mit dem Superintendenten wurde aber dann doch festgelegt, dass die Pastorin in absehbarer Zeit ihre Tätigkeit in Arendsee beenden wird", schrieb Kriehn in einem Brief, der der Redaktion vorliegt. Darüber sei allerdings Stillschweigen vereinbart worden.

"Das ist für mich falsches Verständnis von Demokratie", so Kriehn. Der Gemeindekirchenrat sei demokratisch gewählt und habe die Mitglieder zu vertreten. "Dazu gehört für mich auch die Pflicht, über seine Beschlüsse zu informieren."

Chance, dass Ruhe in Gemeindearbeit einzieht

Jetzt die aufgetretenen Schwierigkeiten damit zu beheben, der Pastorin "den schwarzen Peter zuzuschieben", halte er für fragwürdig. Der Superintendent habe über ein Jahr Bescheid gewusst, dass es in Arendsee nicht gut laufe. "Aber Kritik an Leuten der Kirche ist unerwünscht."

Auf Nachfrage bei Pastorin Sandra Trottner betonte diese gestern, dass Personalprobleme nach Auffassung des Gemeindekirchenrates nicht in die Presse gehören.

Das sahen auch Gemeindepädagogin Ruth Pielgrzymowski und Gemeindekirchenratsvorsitzende Yvonne Hänsel so. Es habe mehrfach gemeinsame Gespräche gegeben, an deren Ende jedoch die Entscheidung gestanden habe, sich von der Zusammenarbeit mit Rudolf Kriehn zu verabschieden.

In diese demokratisch getroffene Entscheidung des gewählten Gremiums wolle er auch nicht eingreifen, so Superintendent Michael Kleemann. Nach einem abgewandelten Bibelwort heiße es, wenn es miteinander nicht mehr funktioniere, gebe es die Möglichkeit, getrennte Wege zu gehen. "So besteht jetzt die Chance, dass wieder Ruhe in die Gemeinde einzieht", betonte er.