Salzwedel l Galgenhumor, sich Abfinden mit der Situation, bis hin zu erheblichem Frust-Potenzial herrschten gestern am späteren Vormittag im Wartebereich der Kfz-Zulassungsstelle im Salzwedeler Landratsamt. Die Anzeigetafel zeigte, dass gerade die Vorgänge mit den Nummern 29 bis 31 in Arbeit sind. Insgesamt waren bis zu diesem Zeitpunkt 120 Nummern an die Kunden vergeben. Dann zogen die Mitarbeiter die Reißleine und stellten den Automaten, der die Nummern vergibt, ab. Donnerstags ist nur bis 15.30 Uhr geöffnet.

Einigen schwante, dass sie eventuell nicht mehr dran kommen. "Ich habe gefragt und gesagt bekommen, dass es heute noch was wird", sagte eine Frau, die für ein Autohaus Pkw zulassen wollte. Auch ein junger Mann (beide Kunden wollen nicht genannt werden) hatte noch Hoffnung, ein Fahrzeug zugelassen zu bekommen. Er war kurz nachdem sich die Türen des Landratsamtes für den Publikumsverkehr geöffnet hatten vor Ort. "Ich habe meinem Chef gesagt, dass ich in spätestens zwei Stunden da bin, und nun sitze ich immer noch hier", klagte er. Aus einer anderen Ecke hieß es, besser sei, sich einen Tag Urlaub zu nehmen, wenn man zur Zulassungsstelle will. Der Ärger war ziemlich groß, die Geduld der seit Stunden Wartenden auf dem Tiefpunkt angelangt.

Dabei wollte aber keiner den Mitarbeitern der Zulassungsstelle einen Vorwurf machen. Eher sei was am Gesamtsystem nicht in Ordnung, vermuteten die Kunden. Sie beklagten, dass die Außenstelle in Gardelegen geschlossen wurde. Vorher sei nicht nur die Fahrzeit für alle aus dem Raum Gardelegen kürzer gewesen, es sei auch alles reibungsloser verlaufen.

Er sei für ein Autohaus regelmäßig auch in den Zulassungsstellen Stendal, Haldensleben oder Magdeburg unterwegs. Dort sei es bei Weitem nicht so schlimm mit der Wartezeit, berichtete Jürgen Nikolaus, der gestern ebenfalls in der Kfz-Zulassungsstelle war. Er beklagte, dass nur eine Mitarbeiterin für den gewerblichen Bereich zuständig war.

Dass sich jetzt auch Bürger online einen Termin mit der Zulassungsstelle vereinbaren können, wussten viele nicht. Andere erklärten, es seien erst Termine in drei Wochen frei, oder die entsprechende Internetseite habe sich nicht aufrufen lassen. Beides konnte die Volksstimme gestern nicht feststellen. Der Online-Kalender für die Terminvergabe lässt sich problemlos öffnen, und es sind in der nächsten Woche auch noch freie Kapazitäten angezeigt.

Verständnis für Zorn

Der zuständige Kreis-Dezernent Hans Thiele kann den Zorn der Leute gut verstehen. "Ich wäre auch stocksauer, wenn ich mehrere Stunden warten müsste", sagte er. Allerdings sei es gestern extrem gewesen. Er habe in anderen Landkreisen nachgefragt, dort sei es in den Zulassungsstellen auch voll gewesen, aber nicht so wie in Salzwedel. "Wir suchen nach Lösungen", versicherte er.

Ein Grund für die Wartezeit gestern sei, dass statt acht nur fünf Mitarbeiter vor Ort waren. Zwei haben Urlaub, einer ist krank. Und gerade vor Pfingsten wollten viele Kraftfahrer beispielsweise Motorräder oder Wohnmobile nach dem Winter wieder zulassen, um zu Ausflügen zu starten. Als kurzfristige Abhilfe soll ein Mitarbeiter als Ersatz für einen dauerhaft Erkrankten in die Zulassungsstelle versetzt werden, versprach Thiele.

Was die gewerblichen Kunden anbelange, sei es oft so, dass sie fünf Vorgänge anmelden, dann aber zehn mitbringen, was entsprechend mehr Zeit in Anspruch nimmt. Thiele kündigte an, in diesen Fällen härter durchzugreifen und nur die angemeldeten Dinge abzuarbeiten. Denn nach dem abzuschätzenden Aufwand würden die Mitarbeiter eingeteilt.