Rund 150 Neonazis, überwiegend aus Sachsen-Anhalt, haben am Sonnabendnachmittag in Salzwedel demonstriert. Etwa 500 Gegendemonstranten, darunter etwa 250 aus dem bürgerlichen Lager, spuckten ihnen kräftig in die Suppe und erzwangen mit Sitzblockaden eine andere und um die Hälfte verkürzte Marschroute. Mehrere Hundertschaften der Polizei waren im Einsatz. Eine Beamtin verletzte sich an der Hand, ein Einsatzfahrzeug wurde beschädigt.

Salzwedel. Nein, mit ihren Demonstrationen in Salzwedel haben die rechtsextremen "Freien Nationalisten Altmark West" und der sogenannte NPD-Kreisverband kein Glück. Lediglich 150 rechte Aktivisten kamen, die erhoffte niedersächsische Verstärkung von rund 100 Mann stieg am Salzwedeler Bahnhof lediglich in Richtung Berlin zur dortigen NPD-Demo um.

Zudem stießen die Neonazis wie bereits im Jahr 2008 in Salzwedel auf erheblichen Widerstand. Sitzblockaden auf der Goethestraße zwangen zur Änderung der Marschroute. Aus der geplanten Kundgebung am Kulturhaus wurde nichts. Daran änderte auch der zeitweise ruppige Einsatz der Polizei nichts, die zunächst versuchte, eine erste Sitzblockade in Höhe der IKK-Geschäftsstelle an der Goethestraße zu räumen. Nach Angaben der Polizei wurden die Beamten von teilweise vermummten Autonomen "massiv angegriffen".

Stattdessen zogen die Rechtsextremen, begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot, über die Karl-Marx-Straße, Süd- und Nordbockhorn zum Schäferstegel, um dann am dortigen Kreisel ihre Kundgebung abzuhalten. Auf dem Weg dorthin gab es immer wieder Sitzblockaden. So wurden in Höhe Schwimmhalle unter anderem die Stadträte Susann Meinecke, Arne Beckmann und Karl-Heinz Reck ebenso von der Straße getragen wie die Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert.

"8. Mai - Wir feiern nicht" lautete das Motto des Neonazi-Aufmarsches. In seiner Rede machte der Tangerhütter Stadtrat Heiko Krause (NPD) deutlich, warum nicht. Minutenlang verfälschte er die Geschichte, blendete Gräueltaten der Nazis ebenso aus wie die Ursachen für den Zweiten Weltkrieg. Nass wie die Pudel hörten seine "Kameraden" zu. "Petrus hat Einsehen mit der Stadt", freute sich der ehemalige Pfarrer Günter Haß über den kräftigen Regenschauer, der zuvor über die rechte Truppe niedergegangen war. Punkt 16.11 Uhr war der braune Spuk zu Ende, der um 13.07 Uhr mit dem Marsch begonnen hatte.

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