Von einer dramatischen Situation ist die Stadt Schönebeck derzeit noch entfernt. Wenngleich der Schnee taut, die Fluss-Pegel steigen trotzdem noch nicht deutlich an. Dennoch hebt sich der Grundwasserspiegel weiter und damit auch wieder das Wasser in den Häusern und Kellern.

Schönebeck. Die Grundstückseigentümer in den vom Wasser betroffenen Stadtteilen können derzeit nur zwei Dinge tun: die Gosse freischippen und hoffen. Ersteres ist in den vergangenen Tagen und Wochen nicht überall passiert, obwohl dies nicht nur als Eigenschutz eine Vorsorgemaßnahme ist, sondern auch in einer städtischen Satzung geregelt ist: "Die Einläufe am Straßenrand/im Gossenbereich sind schnee- und eisfrei zu halten, um bei eintretendem Tauwetter den Abfluss des Schmelzwassers zu gewährleisten", schreibt die Satzung nicht ohne Grund vor. Doch bei einer Fahrt durch die Stadt ist derzeit genau das Gegenteil zu beobachten.

Dass die Felgeleber und Sachsenländer für den Fall der Fälle, die Schneeschmelze, Vorbereitungen treffen sollten, wird auch an den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes deutlich. "Das milde Wetter bleibt noch bis Anfang kommender Woche erhalten", sagt eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes in Magdeburg. Im Moment würde sich ein Tiefdruckgebiet mit dem nächsten abwechseln und dafür sorgen, dass kalte Luft gar nicht erst bis ins Salzaland durchdringt. Eine sichere Vorhersage macht die Behörde für die nächsten drei Tage.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bleibt es noch heute tagsüber für den Winter recht warm mit Temperaturen im Plus-Bereich. Bis auf sieben Grad Celsius könne das Thermometer noch bis Sonntag ansteigen, so die Sprecherin. Das ändere sich aber mit dem Wochenstart. Dann liegen die Temperaturen tagsüber bei drei bis fünf Grad Celsius. Dazu kann es immer wieder Schauer geben. Auch nachts bleibt es meistens frostfrei. "Nur bei einer Aufklärung des Himmels fallen die Temperaturen in den Negativbereich", erklärt die Wetterdienst-Sprecherin. Weil es so "mild" ist, bleibt auch der Schnee nicht liegen. "Die Tendenz der Hochwassergefahr ist gegeben", heißt es vom Wetterdienst. Abhängig seien die entstehenden Wassermengen von liegengebliebenem Schnee und davon, wann die Temperaturen wieder den Minusbereich erreichen. Zunächst aber, so die Wetterexperten in der Landeshauptstadt, halte das Tauwetter an.

Alarm also für die Hochwasserzentrale in Sachsen-Anhalt? Zumindest (noch) nicht für den Salzlandkreis. "Wir sind insgesamt gelassen", sagt Antje Rensch von der Hochwasserzentrale. Die Hydrologin erklärt, dass man in der Behörde, die zum Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) gehört, mit höheren Wasserständen rechne, aber nach jetzigen Erkenntnissen und Berechungen sowie lediglich an einigen Flüssen im Höchstfall die Alarmstufe 2 erreicht werde. An der Saale in Calbe rechnet die Hochwasserstelle am Wochenende mit einer Alarmierungsstufe. Für die Warme Bode bei Tanne ist die Meldegrenze gestern überschritten worden. "Zeitverzögert kommt dieses Hochwasser auch im Salzlandkreis an. Am Bode-Pegel in Staßfurt ist davon aber noch nichts zu merken", sagt die Hydrologin. Der Anstieg der Flüsse sei von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von den Niederschlägen, den Wassermengen in zuführenden Flüssen oder den Temperaturen, die den Schnee zum Tauen bringen könnten.

Für die Elbe bei Schönebeck gibt es bisher auch noch keine Alarmierung. Der Pegel fällt hier und zeigte gestern Mittag einen Wert von 3,45 Meter an. Antje Rensch vermutet aber, dass diese Tendenz sich umkehrt und der Fluss viel Wasser aus der Mulde, der Schwarzen Elster, der Saale und der Bode bekommt. "Wir rechnen aber lediglich mit der Alarmstufe 1", sagt die Hydrologin.

Ähnlich entspannt sieht es auch Christian Jung, Flussbereichsleiter Elbe beim LHW. "Die bisherigen Vorhersagen sehen nur einen leichten Anstieg der Elbe in Tschechien und Sachsen voraus" so der Experte gestern am Telefon. Doch das kann sich ändern, wenn aus den Bergen noch mehr Schmelzwasser kommt.

 

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