Schönebeck/Staßfurt l "Ich bin sehr zufrieden, dass die Bürger ihr Vertrauen in mich legen und dass die Bodenständigkeit gewonnen hat", sagt Markus Bauer, der gestern mit 52,6 Prozent der Stimmen in der Stichwahl zum neuen Landrat im Salzlandkreis gewählt wurde. Ihm ist die Erleichterung anzuhören, die er ab 20 Uhr, als das Ergebnis feststand, verspürt. Vor allem die Anspannung, "die von da an herrschte, als ich mich als Kandidat aufstellen lassen habe", sei von ihm abgefallen. "Mit Bekanntwerden des Ergebnisses habe ich als erstes meine Frau und meine Kinder gedrückt", sagt der Familienvater. "Denn die haben auch die ganze Zeit mitgefiebert." Anschließend feierte er mit Parteikollegen, Freunden und Familie in einem Nienburger Lokal den Sieg.

So fröhlich Bauer die gestrige Stichwahl stimmt, so kann er ein weinendes Auge nicht ganz verbergen. "Dass ich künftig nicht mehr Bürgermeister von Nienburg sein werde, stimmt mich schon traurig", gibt er zu. Nichtsdestotrotz überwiegt bei ihm die Freude, seinen Konkurrenten Gunnar Schellenberger (CDU) im Rennen um den Landratsposten im Salzlandkreis geschlagen zu haben. "Das ist ein eindeutiges Ergebnis" sagt Bauer zu den Zahlen. Er kann 52,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, bei Schellenberger sind es 47,4 Prozent. Insgesamt gingen 33697 Salzländer von 174333 Wahlberechtigten gestern an die Wahlurne. Das ist eine Wahlbeteiligung von 19,33 Prozent.

Partystimmung bei der SPD, dagegen große Enttäuschung bei den Christdemokraten. "Ich habe mir ein anderes Ergebnis vorgestellt", sagt ein sichtlich enttäuschter Gunnar Schellenberger. Nur wenige Parteifreunde sind im großen Saal des Bernburger Metropols an diesem Wahlabend geblieben. Der CDU-Kandidat hat sich zuvor in einer Rede beim Kreisvorstand bedankt. "Wir haben einen Wahlkampf geführt, den es hier so noch nicht gegeben hat." In den Augen Schellenbergers sei das CDU-Konzept für das Salzland das bessere gewesen. Trotz der Niederlage habe man erreicht, dass die CDU-Ortsverbände enger zusammengerückt seien. "Das ist das Positive, das man aus dem Ergebnis mitnehmen kann." Als Landtagsabgeordneter und als Chef der CDU im Salzland wolle sich Schellenberger auch weiterhin dafür einsetzen, "die Marke Salzland zu entwickeln."

Enttäuscht über den Ausgang der Wahl zeigt sich Schellenbergers Parteifreund, der Schönebecker Oberbürgermeister Bert Knoblauch. Er war Gast der Wahlparty der Christdemokraten im Bernburger Metropol und beschreibt die Stimmung nach der Stimmauszählung als "verhalten und gedämpft". Knoblauch hätte sich gewünscht, dass ein Kandidat mit einer "Schönebecker Verwurzelung" das Landratsamt übernimmt. In seinen Augen wäre das wichtig für die Stadt gewesen. Erklärungen für das Abschneiden Schellenbergers hatte am Abend noch niemand, berichtet der Stadtchef. "Aber ich bin enttäuscht, dass wir es gerade in Schönebeck nicht geschafft haben, ein deutlicheres Votum für Gunnar Schellenberger zu erreichen." Kritik übt der Oberbürgermeister am Stichwahlverfahren: "Das verfälscht den ersten Wahlgang." Gerade auch, weil die Wahlbeteiligung so gering gewesen sei. Denn im ersten Wahlgang am 25. Mai hätten beide Kandidaten noch je über 20 000 erhalten, jetzt seien es bei beiden nur über 15 000.

Zum Sieg von Markus Bauer sagt Knoblauch: "Mit ihm müssen und werden wir zusammenarbeiten." Der Schönebecker Stadtchef erinnert dabei auch an ein ganz konkretes, die Elbestadt betreffendes Wahlversprechen. "Markus Bauer hat im Wahlkampf angekündigt, dass der Radweg zwischen Plötzky und Pretzien kommt. Ich bin gespannt, wann das umgesetzt wird."

Auch in Staßfurt hat man ganz eigene Erwartungen an den neuen Landrat Markus Bauer. Oberbürgermeister René Zok (parteilos) beglückwünscht im Volksstimme-Gespräch zuerst den Sieger der Stichwahl. Einen klaren Favoriten gab es aus der Sicht des Stadtchefs für die Bodestadt nicht. "Staßfurt und ich persönlich hätte mit beiden Kandidaten leben können." Konkreter wird der Oberbürgermeister, geht es um Wünsche in Richtung Bernburg. Zok hofft auf ein "verbessertes Gesprächsklima, gute und kollegiale Zusammenarbeit mit dem neuen Landrat".

Nach den Turbulenzen beim Klinikenverkauf im Salzland und der Schließung des Staßfurter Krankenhauses mit dem offenen Protest in der Bodestadt auch gegen das Agieren von Landrat Ulrich Gerstner (SPD), herrschte Eiszeitstimmung zwischen Bernbug und Staßfurt. Zumindest bei den Repräsentanten von Kreis und Stadt. "Mit der Verwaltung hat die Zusammenarbeit immer gut geklappt, sie ist unabhängig vom politischen Gebaren", so Zok. Der Oberbürgermeister hofft, dass nun auch auf der menschlichen Ebene ein neues Niveau erreicht werden könne. "Die Wähler haben entscheiden, dass die SPD-Politik im Kreis fortgesetzt werden soll. Ich hoffe, dass Markus Bauer neue Akzente setzt, die den Landkreis insgesamt voran bringen können."