Ist das Grundwasser in und um Schönebeck gut? Umweltschützer schlagen vorsichtig Alarm, die Behörden jedoch geben Entwarnung. Auch die Gartenbewässerung ist nicht grundlegend gefährdet.

Schönebeck l In Schönebeck kann man getrost einen kräftigen Schluck aus dem Wasserhahn nehmen. Das Trinkwasser ist eines der besten Deutschlands. Das ist reichlich bekannt. Das Grundwasser jedoch, also jenes im Boden beispielsweise durch Niederschläge gesammelte Wasser, bereitet zumindest dem "Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse e.V." (VSR Gewässerschutz) Sorgen.

Im September haben sie mit ihrem Labormobil in Schönebeck gestoppt. Bürger haben insgesamt 71 Proben aus privaten Brunnen der Region untersuchen lassen. Dabei stellten die Umweltschützer vereinzelt Überschreitungen des Richtwerts für die Nitratbelastung (50 Milligramm pro Liter) fest. Hintergrund der erhöhten Grundwasserbelastung sei die Düngung auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen im Raum Schönebeck.

Auch die historisch bedingte Verbundenheit Schönebecks mit dem Salz spielt da mit rein, so eine Vermutung von Physiker Harald Gülzow, der mit dem Labormobil in Schönebeck war. "Aber das ist hier auch bekannt, und das Wasser kann meist bedenkenlos zum Gießen der Blumen genutzt werden", sagte der Experte noch vor wenigen Wochen der Volksstimme, als ihn die kleinen Untersuchungen auch noch "zufrieden" stimmten.

Nach dem ausführlichen Untersuchen der Proben ist er es nun nicht mehr. Der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter solle nicht überschrittten werden. Doch: 171 Milligramm Nitrat pro Liter fanden sie in einer Probe aus einem Brunnen in Grünwalde. "Weitere übermäßig mit Nitraten belastete Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Gnadau mit 120 Milligramm pro Liter (mg/l), in Großmühlingen mit 154 mg/l und in Rajoch mit 131 mg/l fest", teilte Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz, mit.

Ein alarmierender Umstand? Ganz klar "Nein" sagt der zuständige Fachdienst Natur und Umwelt im Landrats-amt. "Erhöhte Nitratwerte im Grundwasser im Salzlandkreis sind dem Fachdienst bekannt und nicht überraschend", erklärte Kreissprecherin Ingrid Schildhauer nach Rücksprache mit dem zuständigen Amt der Volksstimme.

Privatbrunnen "anfällig für Belastungen"

Die Brunnen werden nach Auffassung der Behörde "wohl ausschließlich" privat zur Gartenbewässerung genutzt. Diese lägen "nicht sehr tief" und "sind daher anfällig für äußere Belastungen". Diese müssen wiederum beim Fachdienst als zuständige Wasserbehörde angemeldet und von diesem genehmigt werden.

Worauf man bei der Gartenbewässerung trotz der erhöhten Nitratwerte achten muss, erklärt Siegfried Kliematz, Fachberater beim Regionalverband der Gartenfreunde, im unten stehenden Interview.

Auch das Landratsamt bringt die "jahrzehntelange intensive landwirtschaftliche Nutzung" der Region als Grund hervor. Konkrete Verursacher für das laut Schildhauer "bundesweit bestehende Problem" könne man aber nicht finden. Angst oder gar Panik müssten die Schönebecker nicht haben, stellte sie klar. "Zu rund 98 Prozent erfolgt die Trinkwasserbereitstellung zentral, also von den Wasserwerken", beruhigt sie. "Dort gelten strenge Vorgaben und für die Wasserfassung weitreichende Schutzzonen."

Außerdem prüfe der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt regelmäßig das Grundwasser. Auch der Behörde ist das Problem Nitratbelastung bekannt und "erfordert im Land eine hohe Aufmerksamkeit".

Im Landesmessnetz prüft die Behörde seit Jahren die Wasserqualität. Jedoch könnten schon minimale Standortabweichungen bei der Probenentnahme zu "großen" Abweichungen führen, teilte das Landesamt auf Volksstimme-Nachfrage mit. Auch Katrin Fräbel, Sprecherin des Landesamtes, beruhigte die Schönebecker und unterstrich, dass "für die Bevölkerung keine akute Gefährdung" bestünde.

Keine Gefährdung des Trinkwassers

Dennoch hat das Land bereits im Rahmen verschiedener Agrarumweltprogramme mehrere Maßnahmen (unter anderem verstärkte Kontrollen) ergriffen. So können bei Verstößen in Betrieben potenzielle Zahlungen aus Töpfen der Europäischen Union zurückgehalten werden. Auch seien von der Landesregierung Sachsen-Anhalts als "eines der ersten Bundesländer Maßnahmen zu freiwilligen Gewässerschutzleistungen umgesetzt" worden. Dies geht aus einer Antwort des zuständigen Umweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen hervor. "Die Maßnahmen zur Nitratreduzierung dienen auch dem Schutz der Oberflächengewässer", heißt es dort weiter.

Probleme beim Trinkwasser gibt es aber in keinem Fall, so der Tenor, denn es komme für den Raum Magdeburg und somit auch Schönebeck aus der Colbitz Letzlinger Heide. "Und dieses ist eines der besten Trinkwässer in Deutschland", unterstrich Kreissprecherin Ingrid Schildhauer.