Ein Konzert, das berührt und bewegt, hat die ost-ukrainische Musikgruppe "Kowtscheg" am Dienstagabend in Schönebeck gegeben. Mit ihren Stimmen beeindrucken sie das Publikum im Schalom-Haus und mit ihren Schicksalen ergreifen sie die Herzen der Zuhörer.

Schönebeck l Traurig gestimmt und zugleich vom Mut gepackt sind die Schönebecker, die am Dienstagabend Gast des Konzertes im Schalom-Haus sind. Traurig wegen der Schicksale, von denen sie hören. Mutig wegen der Lebensfreude der Betroffenen. Es ist einfach beeindruckend. Und zwar für jeden Einzelnen. Denn eigentlich ist die Ukraine so fern - am Dienstag war sie den Schönebeckern so nah. Das letztlich dank einer Musikergruppe. Sechs Sänger und Instrumentalisten sind es, die den Osten Europas in die Elbestadt gebracht haben.

"Wir reisen nun zwei Wochen lang durch Deutschland", erzählt Andreas Ziepert, der die Musiker von deutscher Seite aus begleitet. Er moderiert das Konzert. Denn es soll kein Konzert im klassischen Sinn sein. "Das, was derzeit in der Ukraine passiert, daran wollen wir die Zuhörer teilhaben lassen", erklärt der gebürtige Schönebecker, der heute in Thüringen lebt. Mehrfach schon seien die Musiker in Deutschland aufgetreten, am Dienstagabend haben sie ein Experiment in Schönebeck gestartet.

Denn es wird nicht nur gesungen. Sondern die Sänger, die aus Donezk stammen, erzählen vom Leben vor Ort. Ungeschönt. Wahrhaftig. Anatoli beispielsweise, der Leiter und Gründer der Gruppe, berichtet von seinem Haus, das in dem herrschenden Krieg zerstört wurde. Und er berichtet von den zahlreichen Menschen, die ihre Heimatstadt verlassen mussten - des Überlebens wegen.

Das macht betroffen. Doch die Musiker lassen sich nicht entmutigen. Ihre Kraft, so sagen sie, schöpfen sie in der Liebe Gottes.

"Da haben die Soldaten von mir abgelassen."

Und genau diese Stärke, die sie offensichtlich aus ihrem Glauben schöpfen, lassen sie durch ihre Musik sprechen und damit den Zuhörern zu Teil werden. So stimmen die Lieder, die von Gitarre, Geige oder Melodika begleitet werden, nicht nur fröhlich, sondern geben Frohmut. Es sind Stücke, bei denen man einfach mit dem Fuß mitwippen muss.

Gleichwohl lassen die Musiker auch die bekanntermaßen melancholische Stimme ihrer Heimat erklingen. Melancholie bedeutet aber nicht gleich Trauer. Diese Lieder stimmen eher nachdenklich und beweisen, dass das da oben auf der kleinen Schalom-Bühne nicht irgendwer ist. Es sind Ukrainer. Menschen, die gern Musik machen und die derzeit in einem Kriegsgebiet leben.

Das macht Juri deutlich. Er reist mit der Gruppe mit, hat früher auch mitgesungen. Am Dienstag spricht er und erzählt von einer unvorstellbaren Begebenheit. Nämlich wie er von Soldaten in seinem Auto angehalten wurde, wie ihm die Hände gefesselt wurden, wie er beschimpft wurde, wie er mit Gewehren bedroht wurde. Wie er letztlich nur knapp dem Tod entgangen ist. "Woanders ging plötzlich eine Schießerei los", sagt er. Und: "Da haben die Soldaten von mir abgelassen."

Es gleicht einem Martyrium, wovon der Mann erzählt. Die Gäste im Publikum sind ergriffen, sicher ist der ein oder andere auch den Tränen nah. Denn bisher war die Ukraine und damit der Krieg so weit weg.

Die Gruppe "Kowtscheg" gestaltet das Konzert einfühlsam. Textpassagen wechseln sich mit den eindrucksvollen Gesangseinlagen ab. Ob mit der instrumentalen Begleitung oder a-capella, die Männer beweisen Stimmgewalt, die unter die Haut geht. Und dabei ist eines immer im Fokus: Die Lebensfreude und die Hoffnung auf Frieden. Frieden in der Ukraine und überall auf dieser Welt.