Barby. "Das muss die Kinder doch freuen", sagt Horst Schäfer und hebt einen imposanten Pokal in die Höhe. Was ein bisschen klingt wie: Wenn man den Nachwuchs damit nicht begeistern kann, womit denn sonst?!

Der Chef des Kleinmühlinger Friedensfahrtmuseums hat in Barby extra vier Pokale anfertigen lassen, die ihm Sponsoren bezahlen: Für die Kleinen Friedensfahrten in den Städten Barby, Bernburg, Calbe und Schönebeck. Den Deckel des "Potts" ziert ein Radrennfahrer.

Natürlich!

"Es sind Wanderpokale für die kommenden Jahre", erklärt Schäfer.

Das Besondere: Nicht der schnellste Radler wird ihn am Ende des Rennens stolz in die Kameras von Eltern und Presseleuten halten. "Die Schule oder der Kindergarten, der die meisten Teilnehmer stellt, erhält am Ende der Friedensfahrten den Wanderpokal", verspricht Horst Schäfer.

Motivation zum Mitmachen, sozusagen.

In der Spittelbreite wird am Mittwoch, dem 13. April, die Kleine Friedensfahrt gestartet. Los geht es um 15 Uhr. Wie der Veranstalter mitteilt, bestehe Helmpflicht. Der Kopfschutz kann aber auch gestellt werden.

Für alle Teilnehmer gibt es kleine Preise, für die Schnellsten Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. Die Erstplatzierten der drei Altersklassen nehmen am Kreisausscheid in Bernburg teil.

Am kommenden Mittwoch werden die Radrennen von Bürgermeister Strube eröffnet. Auch Vertreter eines Buchverlages wollen dabei sein, die eine Veröffentlichung über die Friedensfahrt planen. Und die Presse sowieso.

Um möglichst viele junge Menschen für Bewegung und Sport zu erwärmen, ackert Horst Schäfer im Vorfeld solcher Veranstaltungen fast bis zur Erschöpfung. Er geht in Schulen und Kindergärten, um für die Teilnahme zu werben. "Findet man dort aufgeschlossene und engagierte Erzieher und Lehrer, klappt es auch meistens", spricht er aus Erfahrung. Die persönliche An- und Absprache sei wichtig.

Die Kleinen Friedensfahrten wurden vor 13 Jahren in Kleinmühlingen vom dortigen Verein für Radfreizeit reaktiviert. Schäfer ist dort Mitglied und übernahm irgendwann die Regie.

Gleich nach der Kreisfusion auch in Bernburg. Weil dort bekanntermaßen die Uhren anders ticken, musste Horst Schäfer "viel Überzeugungsarbeit" leisten, um den Ur-Anhaltern "so was Neues aus Schönebeck" schmackhaft zu machen. Ein Sportverantwortlicher der Stadt sei aber gleich "Feuer und Flamme" gewesen. Während die Leute an die Friedensfahrt zögerlich heran gegangen seien, wurde das "Bergrennen" ohne Altersbeschränkung jedoch ein Erfolg.

"Bergrennen"?

Damit meint Horst Schäfer jene Strecke, die ihn an die legendäre Steile Wand von Meerane erinnert. Damit ist eine 340 Meter lange Straße mit 12 Prozent extremer Steigung gemeint, die in den 1950er Jahren während der Friedensfahrten berühmt wurde.

In Bernburg ist es die Wilhelmsstraße, die zwar keine 12 Prozent hat, aber für Sonntagsradler ebenfalls nicht von Pappe ist. "Wir saßen da im Straßencafé, als mir die Idee kam", erinnert sich der Kleinmühlinger. (Für sein Engagement bezeichnend ist, wie seine Ehefrau Gudrun reagierte: "Horst, man kann mit dir sein wo man will - du bringst alles mit Radrennen in Verbindung.")

In Bernburg gingen 2008 dann 130 Leute an den Start!