In allen Stadt- und Ortsteilen Schönebecks läuteten am vergangenen Sonnabend Traditionsfeuer das Osterfest ein. Vereine, aber vor allem die Freiwilligen Feuerwehren waren die Organisatoren. Hunderte Bürger folgten den Einladungen bei herrlichstem Wetter.

Schönebeck. Fluss und Flammen. Das Osterfeuer in Frohse auf den Elbwiesen hat seinen ganz eignen Charme. Dementsprechend selbstbewusst geben sich die Organisatoren von der Feuerwehr des Ortsteils und der Frohser Bürgergilde als Veranstalter. Sie haben das Osterfeuer als das älteste und größte der Stadt angekündigt. Florian Schmidt, zweiter Vorsitzender, lächelt, auf diese Einladung angesprochen. Er sagt: "Immerhin sind wir der älteste Stadtteil, die Feuer am Fluss haben eine lange Tradition." So einfach ist das! Frohses Wehrleiter Ralf Zimmermann erinnert sich selbst an frühere Osterbräuche. Der 59-Jährige berichtet von Osterfeuern am Sportlerheim, an der Mühle, bei Hermania - immer organisiert von Nachbarschaftsgruppen. Mit den "Osternachtsgrüßern" gegenüber vom Apfelwerder habe man im spaßigen Wettstreit gestanden, welche Feuer denn am längsten brennen würden, so der Wehrleiter. "Da gab es Scheinfeuer und allerhand anderen Spaß."

Heutzutage nimmt man es in Frohse da gelassener. Gemeinschaft und Spaß stehen im Vordergrund. "Wir möchten die Menschen hier zusammenführen und ihnen etwas bieten", erklärt Florian Schmidt die gemeinsame Initiative der tatkräftigen Organisationsgruppen. Die Elbwiesen böten dafür das perfekte Ambiente, denn der Fluss gehöre zur Stadt und verbinde ihre Ortsteile.

Wenn dann wie mit Thomas Linke als Bürgergildenmitglied und Feuerwehrfreund ein Privatmann gefunden werde, der sein Grundstück zur Verfügung stelle, mache das die Sache noch runder, bedanken sich Feuerwehr und Gilde.

In den vergangenen zwei Jahren machte die Elbe den Osterfeuerplänen in Frohse einen Strich durch die Rechnung. Wegen des lang anhaltenden Hochwassers musste man auf den Reuterplatz ausweichen. Dieses Jahr war alles gut, der Fluss in seinem Bett, die Leute waren auf den Wiesen. Ein Ärgernis beschreibt Ralf Zimmermann dennoch. Auf dem Feuerberg lag am Morgen Müll. Seit Jahren schichte man den Haufen erst am Sonnabend auf, um die wilde Verkippung zu vermeiden. Propangasflaschen oder Metallzaunteile lagen schon zwischen dem Grüngut. Doch es gibt immer wieder Unverbesserliche, die damit - wahrscheinlich unbedacht - die Feier gefährden. Wie jetzt mit einer großen Plastikfolie. "Wenn wir den Müll liegen lassen, kann uns das Ordnungsamt das Feuer untersagen." Egal, welcher Aufwand, welche Mühe oder welcher Anspruch hinter allem stehen würde.

Eine Ambition der Feuerwehr ist, junge Leute auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Deshalb dürfen auch immer Kinder unter Feuerwehrbegleitung das Feuer entfachen. Die Frohser teilen sich diesen Ehrgeiz mit den Felgelebern. Auch hier ist die Feuerwehr Initiator des Osterfeuers und fährt den Sonn- abend vor Ostern ganz groß auf.

"Wenn man sieht, dass der Hof voll ist, weiß man, wofür das alles gut ist!"

Seit acht Jahren lodert das Osterfeuer auf dem Hof der ehemaligen Schule. Das Programm beginnt bereits am Nachmittag. "Wir bieten Kindern und Erwachsenen gleichermaßen etwas", erklärt Christian Fügner, Stadtjugendfeuerwehrwart und stellvertretender Jugendwart in Felgeleben. Mit Jugendwart Torsten Weber organisiert er deshalb ein Kinderprogramm. Hüpfburg oder Laufski gehören an den Stationen genauso dazu wie die Kübelspritzen-Zielvorrichtung oder das Schlauchkegeln. Alle Stationen werden von den sechs Kameraden der Jugendfeuerwehr betreut. "Wir wollen die Kleinen spielerisch mit der Feuerwehrarbeit vertraut machen, ihre Neugier wecken." Unterstützt werden die Blauröcke dabei vom Jugendclub "Piranha" und von der "Malzmühle". Christian Fügner: "Anders funktioniert Jugendarbeit nicht mehr. Wir unterstützen uns gegenseitig."

Wenn die Kleinen nachmittags auf ihre Kosten kommen, wird es am Abend für die Felgeleber älteren Semesters gemütlich. 1000 Portionen Essen, das sind 700 Würstchen und 300 Bouletten, hatte die Feuerwehr vorbereitet. Dass das Feuer auf dem Schulhof stattfindet, ist wie die Elbwiese in Frohse Prinzip. "Man rückt zusammen", sagt Christian Fügner. Außerdem sei die ehemalige Schule samt Hof Ausbildungsstätte der Stadtfeuerwehr. Löschangriffe, Retten von Personen und Schützen von Gegenständen würden hier von den Kameraden innerhalb der Ausbildung und nach theoretischen Lehrgängen praktisch geübt. Echtes Heimspiel für die Feuerwehrleute, das Gerätehaus gleich nebenan.

Das Programm mit Nachmittag und Abend sei dabei ein echter Marathon, sagt Christian Fügner. Bereits am frühen Morgen beginnen die Vorbereitungen. "Aber wenn man sieht, dass der Hof voll ist und die Kinder auf der Wiese gegenüber herumtollen, dann weiß man Jahr für Jahr, wofür das alles gut ist!"

Mehr Fotos finden Sie ab heute Nachmittag im Internet:

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