Güsten l "Wenn die Jungs halbnackt und verschwitzt vom Spielfeld kommen, sich duschen wollen und dann auf dem Flur Gästen einer Hochzeitsgesellschaft begegnen, ist das nicht schön", brachte Sven Kurde Dienstagabend im Bauausschuss der Stadt Güsten auf den Punkt, warum der ESV Lok Güsten unbedingt eigene Vereinsräume benötigt.

Obwohl man Pacht für die Nutzung einiger kleiner Räume des Vereinshauses am Kiesschacht bezahle, hätten die Fußballer oft den Eindruck, als würden sie dort stören.

Man habe ja nichts dagegen, dass dort auch Familienfeiern stattfinden. Aber es könne auch nicht sein, dass man sich nach dem Spiel auf dem blanken Beton neben dem Objekt niederlassen muss, wenn das Haus auch anderweitig vermietet ist, so der Trainer. Und deshalb der Antrag des Sportvereins für einen Anbau auf der erwähnten freien Fläche, die ursprünglich unter anderem auch für eine Kegelbahn geplant worden war.

"Wenn die Jungs halbnackt, verschwitzt vom Spielfeld kommen und Hochzeitsgästen begegnen, ist das nicht schön."

"Wir haben 220 Mitglieder. Die brauchen ein Vereinsheim", unterstrich Dirk Herrmann, Jugendkoordinator des Vereins, der gleich einen Projekt-Entwurf auf den Tisch legte. Das Vorhaben ist immerhin 94 000 Euro schwer, bei weiten allerdings kostengünstiger als ein 200 000-Euro-Projekt. Das habe die Stadt vor einem Jahr abgelehnt, bemerkte Jürgen Mietzsch, Stadtrat und Vizevereinsvorsitzender von Lok. Auch er machte nochmal deutlich: "Das Mehrzweckgebäude sieht zwar gut aus, wir können es aber nicht nutzen. Wenn der Saal vermietet ist, ist das gut für die Einnahmen der Stadt, aber es gibt Reibungspunkte bei Spielbetrieb und Training." Stadtrat Hans Schulz sieht als größtes Problem die Toilette: "Bei einem Spiel sind einschließlich der Zuschauer 120 Leute im Kiesschacht - und dann noch eine Familienfeier dazu ... Wenn ich das Objekt miete, möchte ich die Toilette, die ich hinterher ja auch sauber machen muss, für meine Gäste haben."

Ausschussvorsitzender Michael Dobritz betont die "Sportstätte" im Namen "Hans-Weniger-Sportstätte", was für ihn Vorrang für den Sportbetrieb bedeute. Genutzt werde das Haus aber zu fast 100 Prozent für Familienfeiern. "Das Haus trägt sich nichtmal durch die Einnahmen. Es sollte künftig mit bedacht werden, dass dabei mindestens Plus-Minus-Null rauskommt." Er sehe aber auch, dass die Vereine mehr in die Pflicht genommen werden müssten, schließlich wären das freiwillige Aufgaben, und die Stadt befinde sich in der Konsolidierung.

Gerade das sehen die Sportfreunde als Pfund. Denn sie wollen den Anbau größtenteils in Eigenleistung erbringen, bräuchten lediglich Unterstützung durch die Stadt beim Materialkauf. "Wir haben sehr viele Handwerker in unserem Verein, vom Maurer bis zum Fensterbauer, Elektriker und Sanitärfachleute", so Sven Kurde.

Bürgermeister Helmut Zander äußerte seine Bedenken: "Wir sind auf dem besten Wege, das Haus zu zerreden. Es wurde nicht nur als Sportobjekt gebaut." Er erinnerte noch daran, dass die Stadt bereits 2013 einen Fördermittelantrag gestellt habe, der abgelehnt wurde, den es aber zu aktivieren gelte. Der Projekt-Entwurf des Vereins helfe nun, den Antrag zu untersetzen, räumte Zander ein. Der ESV Lok will jedenfalls nicht locker lassen an seinem Vorhaben und weitere Wege der finanziellen Unterstützung bei Sportbund, Lotto oder anderen Sponsoren suchen.