Im Egelner Breiteweg tragen die leerstehenden Häuser nicht zur Verbesserung des Stadtbildes bei. Langsam verfallen Gebäude im Stadtzentrum. Viele Möglichkeiten hat die Kommune nicht, den Verfall zu stoppen.

Egeln l Die Fenster sind mit Sperrholz abgedeckt oder zugemauert. Die Fallrohre der Regenrinnen verschwinden im Innern des mehrstöckigen Gebäudes. Langsam vergammelt am Breiteweg in Egeln ein größeres Geschäftshaus. Die ehemalige Gaststätte und die darüber liegenden Wohnungen sind dem Verfall preisgegeben. Der Eigentümer hatte zwar mit dem Haus etwas vor, sagt Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE). Der Denkmalschutz habe seines Wissens immer wieder einen Strich durch die Planungen gemacht. Mehrfach hat sich der Stadtrat bereits mit der Immobilie befasst, erinnert er sich. Es ist nicht das einzige Gebäude, welches langsam zerfällt in der Kleinstadt.

Verlassene Immobilien sind mehrfach in Egeln zu sehen. In früher begehrten Wohnlagen stehen heute Gebäude leer. Das Interesse an der Bausubstanz ist gering. Die Bevölkerungsentwicklung trägt außerdem dazu bei, dass sich kaum Interessenten für die einstigen Toplagen finden.

Und so sorgen die verlassenen Gebäude dafür, dass das Bild der Stadt leidet, die Nachbargrundstücke augenscheinlich an Wert verlieren. Dabei pulsierte früher das Leben in der kleinen Innenstadt. Längst hat der Umbau der Innenstädte begonnen. Zunehmend sieht sich der lokale Handel in den Städten einer unsichtbaren Konkurrenz ausgesetzt. Das rund um die Uhr verfügbare Internet mit seinen Shops ist zu einem ernsten Gegner des lokalen Handels geworden.

Die bunte Vielfalt der Paketdienste an den Wochentagen zeigt dies eindrucksvoll. Immer mehr Menschen lassen sich aus Zeitgründen und vor allem weil es praktisch ist, die Sachen mit der Post nach Hause schicken. Was nicht gefällt, nimmt der Paketbote am nächsten Tag wieder mit. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Konsumverhalten der Bürger maßgeblich verändert. Nun verändern das Konsumverhalten und die rückläufige Bevölkerungsentwicklung das Aussehen der Innenstädte.

Wie die Kommune dem Phänomen begegnen soll, dafür haben die Stadträte kein Patentrezept. Sie müssten dafür zunächst die Kleinstadt in einen Ort verwandeln, der junge Familien anzieht. Zwar sind die Kinderzahlen in den drei Grundschulen der Verbandsgemeinde in den kommenden Jahren stabil, bestätigte Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr (parteilos). Allerdings fehlt der Zuwachs in den Kommunen, beklagte er jüngst zudem.

Ein Ende der Talfahrt ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: Aus finanzieller Sicht müsste Egeln in diesem Jahr die Grund- und Gewerbesteuern deutlich erhöhen. Bislang haben Bürgermeister Reinhard Luckner und der Stadtrat dies abgelehnt. Für die Lokalpolitiker gibt es ganz pragmatische Gründe für eine Ablehnung der Forderung nach höheren Steuern aus dem Finanzministerium. Solange höhere Steuern nur dazu dienen, Umlagen zu bezahlen, von denen der Bürger nichts hat, wollen sie ihre Zustimmung zu höheren Abgaben verweigern.

Denn mit höheren Steuern machen sie den Standort Egeln noch unattraktiver. Dabei könnte sich Egeln als Alternative für Bürger der nahen Landeshauptstadt anbieten, die des Lebens in der Metropole überdrüssig sind. Ländlicher Charakter mit Kleinstadtflair so könnte sich Egeln beschreiben. Nicht wenige Einwohner arbeiten in der Landeshauptstadt und genießen nach Feierabend die Kleinstadtatmosphäre, wo sich noch fast jeder kennt. Luckner gehört selbst dazu. Es gibt aber auch Hoffnungszeichen, sagt er. Einige Häuser im Breiteweg wurde erst in jüngerer Zeit aufwendig saniert und frisch gestaltet. Die Lücken seien nicht mehr so groß, freut er sich. "Ich finde es gut, wenn die Menschen sich für die Häuser in der Stadt interessieren und sie wieder restaurieren und pflegen", sagt er. Noch gebe es aber einige Objekte, die einen tatkräftigen Eigentümer gut gebrauchen könnten, schiebt er nach. Dem Stadtrat seien in dieser Frage leider die Hände gebunden, bedauert er mit Blick auf zuständige Eigentümer. Das Gremium könne wie die anderen Bürger dem Verfall nur zuschauen, bedauert der Bürgermeister. Mehr Befugnisse würde er nicht ganz so schlecht finden, meint er.