Der Tierschutzverein hat seine Jahreshauptversammlung abgehalten. Seine Mitglieder kritisieren den Umgang mit Fundtieren in der Stadt. Dagegen sagen Ordnungsamt und Kreisamtstierärztin, dass alles nach Recht und Gesetz laufe. Nun soll es eine Vermittlung geben.

Staßfurt l Die Anschuldigungen von Ursula Sittig, Vorsitzende des Tierschutzvereins Staßfurt und Umgebung, wiegen schwer. Sie kritisiert, dass ihre ehrenamtliche Gruppe mit der eigenen Katzennothilfestation langsam an ihre Grenzen stoße. "Wir sind finanziell und personell am Ende. Die Eröffnung der Tierpension in Staßfurt hat uns keine Entlastung gebracht." Gemeint ist die Pension eines privaten Betreibers, der nach einer ordnungsgemäßen Ausschreibung im Jahr 2013 im Auftrag des Ordnungsamtes der Stadt die Fundtiere in Staßfurt aufnimmt, versorgt und vermittelt.

Dass das mit rechten Dingen zugeht, bezweifeln die Tierschützer. Sie werfen der Stadt vor, dort Steuermittel einzusetzen, während der eigene Verein größtenteils durch Spenden und Mitgliedsbeiträge überlebt (grüner Kasten) und Aufgaben wahrnimmt, die eigentlich der Tierpension zufallen müssten. Doch dort spielten vor allem Katzen keine Rolle, so der Vorwurf. Die Kritik löst eine emotionale und kontrovers geführte Debatte bei der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins aus. Sie zeigt, dass die Gräben tief sind zwischen Tierschützern und Offiziellen.

Seitens der Verwaltung sind Dr. Marina Bradtke, Amtstierärztin und Leiterin des Fachdienstes Veterinärangelegenheiten und Gesundheitlicher Verbraucherschutz im Salzlandkreis, sowie Susanne Henschke, Leiterin des Fachdienstes für Sicherheit und Ordnung in der Stadt Staßfurt zu Gast während der Jahreshauptversammlung.

Susanne Henschke wehrt sich gegen die Vorwürfe. Sie sagt, dass die Stadt auch mit Beschluss des Stadtrates ihr finanzielles Engagement gegenüber dem Verein vergrößert habe.

Und sie räumt mit Vermutungen auf: Rechtlich und von Gesetzes wegen sei die Sachlage so, dass die Katzen, sobald sie der Verein in der Nothilfestation aufnehme, das Eigentum der Tierschützer sind. Deshalb kann die Stadt die Katzen nicht mehr zurückholen. "Das sind nicht meine Tiere", so Susanne Henschke. Der richtige Weg wäre, jedes vor der Tür des Hauses in der Rosmarienstraße abgegebene Tier dem Ordnungsamt zu melden. Damit beuge man nicht zuletzt auch Missbräuchen vor - Fundtier ist nicht gleich Fundtier - es gebe Besitzer, die sich ihrer Tiere so auf einfachem Wege entledigen könnten und sie kurzerhand aussetzten. "Wir holen sie dann ab und bringen die Fundtiere in die Tierpension", sagt die Resortchefin.

Gegen diesen Weg sträubt sich der Verein. Hier ist die Meinung, die Tiere würden nicht gut behandelt und in der Pension gebe es nicht genug Platz.

Kreisamtstierärztin Dr. Marina Bradtke hält dagegen, dass aus Behördensicht alles rechtmäßig laufe. "Die Pension wird planmäßig und auf Hinweis, auch unangemeldet kontrolliert, so wie bei jeder anderen Tierhaltung im Salzlandkreis auch. Es ist alles in Ordnung!" Die Expertin warb im Verein darum, das Misstrauen abzustellen, denn es spiegele auch einen Vertrauensverlust in die Behörden wider. Allen Beteiligten aber gehe es gleichermaßen um das Tierwohl. "Geben Sie der Stadt Staßfurt die Chance zu beweisen, dass die Fundtieraufnahme funktioniert." Wenn es dann zu gravierenden Problemen komme, sei der Kreis als Erster vor Ort.

Die Jahreshauptversammlung endete nicht versöhnlich. Im Verein stimmt nur eine Minderheit mit den Aussagen der Behörden überein. Einziger Lichtblick: Man hat sich geeinigt, über eine Vertrauensperson die Zusammenarbeit zu verbessern.