Eine Serie von Laubeneinbrüchen in der Kleingartenanlage am Neundorfer Weg fand in Hecklingen am Wochenende ihren traurigen Höhepunkt. Laut Polizei hatte es bereits in der letzten Woche drei Einbrüche gegeben. Am Wochenende setzten die Täter ihren Streifzug der Zerstörung auf 15 weiteren Grundstücken fort. Eine Laube brannte komplett nieder.

Hecklingen. Lutz Berger versteht die Welt nicht mehr. Warum machen Leute so etwas? Was geht in ihren Köpfen vor? Warum zerstören sie das, was andere sich über Jahre liebevoll aufgebaut und gestaltet haben? Fragen wie diese gehen dem Familienvater seit Sonntagvormittag nicht mehr aus dem Sinn. Denn von seinem kleinen Gartenidyll, dem Häuschen auf der Parzelle am Neundorfer Weg, die er seit vier Jahren zusammen mit seiner Frau und dem Sohn bewirtschaftet, ist nur noch Schutt und Asche übrig.

Die Datscha samt Geräteschuppen und das gesamte Inventar fielen den Flammen zum Opfer. Möbel, Gartengeräte, Bergers gute Karre und die vielen persönlichen Dinge der Einrichtung gibt es nicht mehr, sie sind abgebrannt. Auch die unzähligen Stunden, in denen die Familie ihre Freizeit hier verbrachte, sind futsch. Nur ein Haufen der Verwüstung ist übrig geblieben. Der Gartenfreund ist darüber wütend und traurig zugleich. "Es ist so, als ob mir ein Stück von meinem Leben weggenommen wurde", macht er seinem Ärger Luft.

Für ihn steht fest, dass das Feuer mutwillig gelegt wurde. Möglicherweise von denselben Tätern, die sich von Sonnabend zum Sonntag an vielen weiteren Lauben zu schaffen machten. "Die Täter waren überall", berichtet er davon, dass viele befreundete Laubenpieper ihr Grundstück am Sonntag nicht so vorfanden, wie sie es verlassen hatten. Spuren von Gewalt, Vandalismus, Zerstörung seien nach und nach für immer mehr Kleingärtner traurige Wirklichkeit geworden. "Bei meiner Mutter haben sie die Laube aufgebrochen und das Waschbecken abgeschlagen."

"Es ist so, als ob mir ein Stück von meinem Leben weggenommen wurde"

Beim Schwager seien die Fenster zu Bruch gegangen, berichtet der Hecklinger. Er spricht von verbogenen Blechtüren und einem Pool, dessen Plane mutwillig mit Messern zerschnitten wurde.

Die Polizei ermittelt bei der Einbruchsserie am Neundorfer Weg in insgesamt 15 Fällen. So viele Lauben wurden am Wochenende aufgebrochen. Der genaue Zeitpunkt der Tat kann mit Sicherheit noch nicht bestimmt werden. Laut Polizei muss es zwischen Sonnabend (12 Uhr am Mittag), als der letzte Pächter die Anlage verließ, und Sonntagmorgen 9.30 Uhr, als der Schaden erkannt wurde, gewesen sein.

Zum Motiv der Täter konnte Reinhard Glage vom Revierkommissariat Staßfurt gestern noch keine Angaben machen. Ob es sich um reine Zerstörungswut gehandelt hat, Alkohol oder Drogen im Spiel waren und ob die Täter möglicherweise auf der Suche nach Wertgegenständen waren, könne erst gesagt werden, wenn die Spurensuche abgeschlossen sei. Gestern wurden die Ermittlungen fortgesetzt. Mitarbeiter der Kriminalpolizei waren im Neundorfer Weg vor Ort, um nach Fingerabdrücken zu suchen.

Für Lutz Berger steht derweil fest, dass sein Gartentraum kein zweites Mal in Rauch aufgehen soll. Eine Laube möchte er sich auf seiner Parzelle nicht noch einmal einrichten, um sich und seiner Familie eine mögliche Enttäuschung dieser Art zu ersparen. Ein Mitglied verliert der Kleingartenverein aber deshalb nicht. Berger möchte der Sparte auch künftig die Treue halten und seine Parzelle bewirtschaften.

Er lässt es sich nicht nehmen, Obst und Gemüse auch in diesem Jahr wieder anzubauen. Es ist sein Hobby, den Sohn habe er ebenfalls dafür motivieren können. Er hofft, dass sein Junge nach dem schrecklichen Vorfall trotzdem weiter macht. Immerhin bringe die Gartenarbeit auch einen Ausgleich. "Vielleicht stellen wir im Sommer einen kleinen Pavillon auf", meint der Hecklinger nüchtern: "Eine Alternative, aber kein Laubenersatz."

   

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