Bei einem Herzinfarkt entscheidet das Handeln innerhalb von wenigen Sekunden über Leben und Tod. So war es auch bei einer Zugfahrt Richtung Harz vor einigen Tagen, als die Schönebeckerin Erika Polontes dank des schnellen Reagierens eines Schaffners einen Herzinfarkt nahezu unbeschadet überstand.

Schönebeck / Halberstadt.

Die Schmerzen in der Brust. Atemnot, das Röcheln nach Luft, Hitze. Erika Pontoles kommen die Tränen, als sie sich an den 7. Juli erinnert. Voller Vorfreude war die 72-Jährige vor drei Wochen am Magdeburger Bahnhof in den Harz-Elbe-Express gestiegen. Ziel : Harzgerode. Dort wollte die Schönebeckerin Freunde besuchen, um sich von langwierigen Herzproblemen und ärztlichen Behandlungen zu erholen.

Von den Anstrengungen, die Treppe zum Gleis zu bewältigen, erzählt sie. Dann der erste Druck in der Brust am Magdeburger Bahnhof. Nachdem der Zug in Richtung Harz unterwegs ist, geht es ihr zunächst besser. Doch nach einigen Minuten kämpft Erika Pontoles um ihr Leben und verliert auf dem Zugsitz das Bewusstsein : Herzinfarkt !

Was dann passierte, erfuhr sie später aus den Erzählungen der Ärzte. Als sie im Waggon kollabierte, verständigte ein anderer Fahrgast sofort den Schaffner. Zugbegleiter René Hellriegel reagierte schnell. Er stoppte den Zug auf freier Strecke in der Nähe von Oschersleben, verständigte den Notarzt. Der kam über einen Feldweg zu den Gleisen gefahren. Die schwerkranke Frau wurde mit Blaulicht ins Bördekrankenhaus Neindorf gebracht.

Nachdem sie auf der Intensivstation erwachte, erklärte ihr ein Arzt : " Sie hatten einen echten Schutzengel !" Gemeint war die schnelle Reaktion von Schaffner René Hellriegel, der die Eisenbahn gestoppt hatte. " Die Ärzte sagten mir, dass ich es vermutlich nicht überlebt hätte, wäre der Zug bis Oschersleben weitergefahren ", erzählt die Frau sichtlich erschüttert. Vor einigen Tagen ist die 72-J ährige aus dem Krankenhaus entlassen worden und erholt sich nun in ihrer Schönebecker Wohnung.

Für den Halberstädter Schaffner war seine spontane Hilfe eine Selbstverständlichkeit. Was ihn allerdings besonders freut, ist die zahlreiche Unterstützung, die er von Fahrgästen erhalten hat. " Durch Zufall hatte ich bei der Fahrscheinkontrolle zuvor erfahren, dass eine Krankenschwester im Zug war. Gemeinsam haben wir die Dame in eine stabile Lage gebracht ", erinnert sich Hellriegel.

Dann habe er sich in Rücksprache mit dem Zugführer für den außerplanmäßigen Halt entschieden. " Nach wenigen Minuten war der Notarzt vor Ort ", so der 40-jährige Halberstädter weiter. Ein paar starke Männer aus dem Zug hätten mit angepackt und die 72-J ährige in den Rettungswagen transportiert. " Alle waren sehr hilfsbereit und auch für die fast einstündige Verspätung hatten alle Fahrgäste vollstes Verständnis ", so Hellriegel.

Noch ist Erika Pontoles nicht wieder auf dem Damm. Sie leidet unter Kurzatmigkeit, Zittern. Erst Anfang April 2009 war die Barbyerin nach Schönebeck gezogen, um eine Tochter in der Nähe zu haben.

Wichtig ist ihr jetzt, dem engagierten Zugbegleiter Dank zu sagen. Bislang hat sie den Mitarbeiter, der für die Veolia Halberstadt arbeitet, nicht erreichen können – René Hellriegel ist meist im Dienst unterwegs zwischen Quedlinburg und der Elbestadt. In den nächsten Tagen will Erika Pontoles ihm einen Blumenstrauß zukommen lassen – ihrem Schutzengel im Harz-Elbe-Express.