Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Der Stendaler Internist Dr. Herbert Wollmann nimmt an einer europaweiten Studie teil, mit der die Behandlungsmethoden in 55 Ländern unter die Lupe genommen werden.

Stendal l Seit einem Vierteljahrhundert beschäftigt sich Dr. Herbert Wollmann mit dem Vorhofflimmern. Es ist die häufigste Herzrhythmusstörung, von der etwa ein Fünftel der über 80-Jährigen bestroffen sind. "Viele Patienten bemerken das am völlig unregelmäßigen Herzrhythmus oder anderen Symptomen wie Atemnot, Brustschmerzen oder Schwindel", erklärte Wollmann. Bei manchen Patienten werde das Vorhofflimmern erst auf dem EKG entdeckt.

Schlaganfall droht

Das Flimmern sorgt nicht nur für Unbehagen, sondern kann Blutgerinnsel im linken Herzvorhof auslösen, die sich loslösen und zu einem Schlaganfall oder einer anderen Gefäßverstopfung führen können. Um dies zu verhindern, wird bei den meisten Patienten eine Blutverdünnung vorgenommen.

Doch wie sehen die Behandlungsmethoden in den einzelnen Ländern aus? Dem will eine Registerstudie auf die Spur kommen, die vom Kompetenzzentrum Vorhofflimmern zusammen mit der Deutschen und der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie initiiert wurde. "Als Ergebnis großer Studien werden immer Leitlinien herausgegeben, doch an der Basis und in verschiedenen Ländern wird das auf unterschiedliche Weise umgesetzt", erläuterte der Berliner Arzt, der bereits seit 1992 in Stendal ist.

Werte von 30000 Patienten

Europaweit, 55 Länder gehören der Gesellschaft an, sollen 30000 Patienten unter die Lupe genommen werden. In Deutschland ist geplant, 3500 Patienten aus rund 160 Studienzentren zu untersuchen. Studienzentren sind Universitätskliniken und Krankenhäuser ebenso wie kardiologische, internistische und allgemeinmedizinische Praxen. Und dazu gehört auch die Wollmannsche Praxis in Stadtsee.

Dass auch Praxen in die Studie einbezogen sind, ist für ihn ein positives Zeichen. "Die Möglichkeiten im ambulanten medizinischen Sektor wissenschaftlich zu arbeiten, sind bisher nahezu unbeachtet geblieben", meint er. Er hofft, dass es zu einem Umbruch kommt, weil das auch die Attraktivität der ambulanten Tätigkeit in Arztpraxen steigern könnte.

Es sind vor allem zwei Präparate, die zur Blutverdünnung in Deutschland eingesetzt werden, Falithrom und Marcumar. In den vergangenen zwei Jahren sind laut Wollmann aber andere Blutverdünner auf den Markt gekommen, die in großen Studien nachgewiesen haben, nicht schlechter zu sein. Drei Jahre lang werden die etwa 30 von Wollmann ausgewählten Patienten beobachtet, die Daten anonymisiert und verschlüsselt übermittelt. Es ist die erste Studie dieser Größe seit zehn Jahren.