Wird die Altmärkische Wische zum Landschaftsschutzgebiet? Gegenwärtig läuft ein Verfahren dazu. Zahlreiche Landwirte melden Protest an.

Stendal l "Seit kurzem sehe ich mich mit der Frage konfrontiert, ob unsere lokale Politik überhaupt noch will, dass junge Menschen sich hier (wieder) ansiedeln." Unter anderem mit diesem provokanten Satz wandte sich André Stallbaum in der vergangenen Woche über einen Leserbrief in der Volksstimme an die Öffentlichkeit. Der junge Landwirt, der nach einem Studium ins heimische Iden zurückgekehrt ist, sieht seine berufliche Existenz und die seiner Berufskollegen bedroht. Durch die geplante Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes "Altmärkische Wische".

Debattiert wird darüber bereits seit Jahren. 2009 erfolgte eine sogenannte einstweilige Sicherung von 144 Quadratkilometern, die eine Art Testphase für die Unterschutzstellung darstellte und über drei Jahre lief. 2012 wurde sie um zwei Jahre verlängert. Im November dieses Jahres nun läuft sie aus. Eine weitere Verlängerung ist nicht möglich. Landrat Carsten Wulfänger (CDU) muss vielmehr entscheiden, ob die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet erfolgt oder nicht. Und zwar auf einem Areal von 212 Quadratkilometern, das im Osten und Norden durch die Elbe, im Westen durch die Bahntrasse Stendal-Wittenberge und im Süden durch die Landestraße Osterburg-Schwarzholz begrenzt wird.

Gemeinden können ihre Meinung kundtun

Die Debatte ist neu entfacht, zumal bis Ende September die Gemeinden als Träger öffentlicher Belange ihre Meinung kundtun können und vom 4. September bis zum 8. Oktober der Entwurf der Verordnung in den Verbandsgemeinden Arneburg-Goldbeck und Seehausen sowie in der Einheitsgemeinde Osterburg öffentlich ausgelegt wird.

Derweil machen Bauernverband und Landwirte wie André Stallbaum Front gegen ein Landschaftsschutzgebiet. Das belegt der Leserbrief, das verdeutlichte eine Informationsveranstaltung des Kreisbauernverbandes in Iden, das spricht aus einer "Medieninformation" des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. Darin heißt es unter anderem: "Zu erwarten seien lediglich wesentlich strengere Restriktionen zugunsten des Naturschutzes". Zwar seien im Entwurf der Schutzgebietsausweisung keine Nutzungsbeschränkungen verankert, doch werde befürchtet, dass diese nachträglich auferlegt werden. Kerstin Ramminger wird da deutlicher. "Wir glauben, dass das Landschaftsschutzgebiet noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Ganz schnell könnte daraus ein Naturschutzgebiet werden. Dann wäre eine landwirtschaftliche Produktion nicht mehr gegeben", schätzt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes ein. Aber auch schon das vorgesehene Landschaftschutzgebiet würde den Landwirten Entwicklungschancen nehmen, kritisieren die Gegner. Sie befürchten unter anderem Einschränkungen bei Bauvorhaben wie Stallerweiterungen und eine Vernässung der Wische.

"Landwirtschaftliche Betriebe sollen keinesfalls in ihrer Entwicklung begrenzt werden", erklärte Denis Gruber (SPD) auf Volksstimme-Anfrage. Der 1. Beigeordnete des Landrates verweist auf den Verordnungsentwurf mit seinen zehn Paragraphen. So sei beispielsweise die Umwandlung von Grünland in Ackerland möglich sowie der Neubau und die Erweiterung von Entwässerungsanlagen - wenn auch erst mit vorheriger Erlaubnis. Zudem würden Dörfer, Siedlungen und Einzelgehöfte aus dem Schutzgebiet herausgehalten, damit die Entwicklung der Orte nicht behindert wird. Auch Neubauten im Rahmen der bestehenden Flächennutzungspläne seien möglich, geht Gruber ins Detail.

Verlust von Arbeitsplätzen wird befürchtet

Ziel des Schutzgebietes sei es vielmehr die Kulturlandschaft Altmärkische Wische zu erhalten, machte der 1. Beigeordnete deutlich. Es sei ein Instrument, um unter anderem eine unangepasste Bebauung mit Windkraftanlagen und einen Wildwuchs von industriell-gewerblichen Anlagen, also beispielsweise Großmastanlagen, zu verhindern. Gruber: "Die landwirtschaftlichen Betriebe werden nicht begrenzt."

Aber gerade der Glaube daran fehlt vielen Landwirten in der Region. André Stallbaum jedenfalls prophezeit für den Fall, dass das Landschaftsschutzgebiet "Altmärkische Wische" verordnet wird: "Unternehmen, die direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen, werden mit all ihren wertvollen Arbeitsplätzen abwandern."