Stendal (dly/tp) l In ein Kostüm zu schlüpfen und eine Rolle zu spielen, ist für Wolfgang Schröder nichts Neues. Denn seit Jahren gehört der Stendaler zu den Laiendarstellern am Theater der Altmark, auch als Sänger des Theaterchores steht er auf die Bühne. Als TdA-Intendant Alexander Netschajew ihn kürzlich ansprach, ob er zum Neujahrsempfang der Landesregierung nicht als Otto von Bismarck auftreten möchte, sagte der bühnenerfahrene Wolfgang Schröder gern zu.

Und so schüttelte er, von Maske und Kostümfundus des Theaters entsprechend ausstaffiert, am Mittwochabend im Landratsamt und in der Katharinenkirche viele prominente und weniger prominente Hände. Zu den prominenteren gehörte die von Innenminister Holger Stahlknecht. Dem 1,89-Meter-Mann fiel gleich auf, dass Darsteller Schröder in Körperumfang und auch in der Größe deutlich vom Original abweicht: Denn Otto von Bismarck war stattliche 1,90 Meter groß.

Und, Herr Schröder, wie sieht es mit dem Lampenfieber aus? Als er am Tag zuvor in der Volksstimme gelesen hatte, wer so alles auf der Gästeliste steht - darunter Minister und Botschafter -, "da war ich schon etwas aufgeregt", verrät der Stendaler. Am Auftrittsabend war das Lampenfieber aber schon wieder verflogen, da lag das Problem woanders: "Es ist etwas warm unter dem Kostüm." Das Kostüm führte anfangs den einen oder anderen sogar auf eine falsche Fährte. "Sie sind doch der Hauptmann von Köpenick", wurde er nicht nur einmal begrüßt.

Apropos Kostüm: Das hält der Vorsitzende des Stendaler Husaren-Traditionsvereins, Peter Krupp, gelinde gesagt für blamabel. "Es gibt doch nun wirklich genügend Fotos von Otto von Bismarck, auf denen man sieht, dass er so eine Uniform nie getragen hat", sagte er im Gespräch mit der Volksstimme, nachdem er die Berichterstattung über den Neujahrsempfang gelesen und vor allem die Fotos mit dem vermeintlichen Reichskanzler-Double gesehen hatte. Entweder eine Uniform in Preußisch-Blau oder die des Kürassier-Regimentes von Seydlitz, zu dessen Chef Generaloberst Otto von Bismarck 1894 ernannt wurde. Er blieb es bis zu seinem Tod 1898. Danach gibt es keinen Chef des Regimentes mehr.

Doch auch diese Uniform sah nicht so aus wie das, was Krupp ein Faschingskostüm nennt. "Das kann beim besten Willen keine Uniform sein", betonte er. Im Ursprungsland von Bismarck hätte er erwartet, dass man sich mehr Mühe macht und mit mehr Sorgfalt vorgeht, insbesondere wenn er auch ausländischen Diplomaten präsentiert wird. "Und wenn man gar nichts weiß, aber mit niemandem sprechen will, dann wäre auch das Bismarck-Museum in Schönhausen nicht weit gewesen", gab er noch einen Tipp. Krupp hofft, dass Auftritte wie diese in der Zukunft ausbleiben und diese "Faschingsfigur" nicht etwa bei der Bundesgartenschau wieder als Otto von Bismarck präsentiert wird.