Stendals Linke setzt auf Veränderungen in der Stadtpolitik. "In jedem Fall wollen wir erreichen, dass die CDU an der Rathaus-Spitze abgewählt wird", fasste Kreisvorsitzender Mario Blasche die Stoßrichtung nach einer zweitägigen Klausurtagung zusammen.

Stendal l "Wir prüfen derzeit mehrere Optionen und wollen noch einige Gespräche führen", so umschrieb der Kreisvorsitzende der zweitstärksten politischen Kraft im Landkreis den aktuellen Stand für die Stendaler Oberbürgermeisterwahl. "Wir verfolgen sowohl den Weg, einen eigenen Bewerber zu stellen, aber auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Kandidaten mit anderen Parteien", so Blasche weiter.

Nur die Stoßrichtung dabei ist klar: "Wir wollen auf jeden Fall den Wechsel." Nicht zuletzt der Umgang im Rathaus mit den Pannen bei der Briefwahl habe gezeigt, "dass sich da einiges verselbstständig hat", meinte Blasche. Beobachter der Stadtpolitik konnten zuletzt feststellen, dass Linke und das Mitte-Bündnis von SPD, FDP und Piraten mehr verbindet als in den Jahren zuvor.

Entscheidung fällt in zwei bis drei Wochen

Ein allzu großes Zeitfenster will die Linke bei ihren externen und internen Sondierungen nicht aufmachen. "In zwei bis drei Wochen sind wir da weiter", betonte der Kreischef und unterstrich: "Anders als der OB halten wir es für wichtig, unserer Wählerschaft rechtzeitig zu erklären, für wen die Linke steht."

Klar ist jedenfalls, dass Katrin Kunert nicht auf den Chefsessel im Rathaus will. Die Bundestagsabgeordnete hatte bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 mit weitem Abstand die meisten Stimmen aller Bewerber bekommen. Sie hat ihren Parteifreunden jedoch signalisiert, dass sie ihre Perspektive weiter in der Bundespolitik sieht.

In wenigen Tagen sollen auch die Entscheidungen darüber fallen, ob die Parteie bei den Bürgermeisterwahlen in Tangermünde, Havelberg und im Elb-Havel-Gebiet eigene Bewerber benennt oder andere unterstützt. "Wir werden nicht überall mit eigenen Kandidaten antreten", kündigte Blasche an. Dies liege jetzt in den Händen der Ortsverbände.

Eine Personalie ist dagegen seit dem Wochenende offiziell - und die betrifft Mario Blasche selbst. Der 47-jährige Wahlkreismitarbeiter der Abgeordneten Katrin Kunert (Bundestag) und Helga Paschke (Landtag) strebt selbst ein Mandat an. "Ich werde im Wahlkreis Stendal im März 2016 für den Landtag kandidieren", bestätigte er der Volksstimme. Dies hatte er bereits 2011 getan, verfehlte aber den Einzug.

Sicherer Listenplatz soll Landtagsmandat sichern

Der gelernte Verwaltungsfachwirt, der schon Erfahrungen in der Staatskanzlei sammeln konnte, dürfte nunmehr aber auch gute Karten haben, ins Landesparlament einzuziehen, falls es nicht klappt, den Wahlkreis direkt zu gewinnen: Blasche wird anstelle seiner bisherigen Chefin vom Kreisvorstand für einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste der Linken nominiert. Pasche hatte bereits vor Monaten erklärt, dass sie keine weitere Amtszeit mehr anstrebt.

Noch offen ist, wer im Wahlkreis Osterburg/Havelberg für die Partei antritt. "Zwei bis drei Leute" seien hier im Rennen, kündigte Blasche eine Entscheidung im März an. Für den Bereich Tangermünde/Tangerhütte/Genthin gilt der langjährige Abgeordnete Harry Czeke als gesetzt, zumal er im vorigen Jahr zum stellvertretenden Fraktionschef aufgestiegen ist.

Inhaltlich will sich die Linke im Landkreis in den nächsten Monaten insbesondere für eine bessere Integration der Flüchtlinge, die Sicherung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum und für die Bekämpfung der Kindarmut einsetzen und Initiativen starten.

Dazu Blasche: "Eine Sicherung des Schulnetzes, eine ausreichende Gesundheitsversorgung auf dem Land und lebenswerte Bedingungen für das Älterwerden in der Altmark werden mit unsere Schwerpunkte sein."

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