Stendal. Man könnte Günter Brendels Bilder einfach nur so anschauen. Sie dann schön finden oder interessant oder eben auch nicht. In jedem Fall kann man sich auf Günter Brendels Bilder einlassen – was unweigerlich passiert, wenn der Künstler neben einem steht und sie zu erklären versucht.

" Musik und Mathematik " ist der Titel der am Montag eröffneten Ausstellung im Kunstkabinett der Volksbank. Dabei würde man kaum vermuten, dass es sich um Malerei und Grafik handelt, aber Brendel setzt die hochkomplexen Wissenschaften eben genau auf diese Weise um. " Meine Bilder sind Musik ", sagt der 67-jährige Leipziger Autodidakt. Das meint er im übertragenen Sinne, denn ein Synästhetiker – ein Mensch, der Töne sieht und Farben hört – sei er nicht, betont Brendel.

Im Mittelpunkt seiner überwiegend in Öl gestalteten Werke steht das Dreieck des Pythagoras. Daraus entstehen streng gegliederte, geometrische Kompositionen, die in ihrer Farbigkeit dennoch eine gewisse Heiterkeit ausstrahlen. Und, so Brendel : " Darin steckt mehr als nur ein geometrisches Gesetz. Es ist auch ein Hauch von Geheimnis und Entdeckungsreise darin. "

Der Zusammenhang zwischen Musik, Mathematik, Physik und ihrer malerischen Formgebung erschließt sich gewiss nicht jedem Betrachter auf den ersten Blick ; und die Sphären, in die der Künstler in seinen Erläuterungen eintaucht, übersteigen zuweilen das Vermögen des Laien, dies alles nachzuvollziehen. Aber ob man nun versteht, ob und wie das Dreieck des Pythagoras klingt oder wie musikalisch die Gesetze des Weltalls sind, ist letztlich unerheblich. Denn schließlich kann man Brendels Bilder ja auch einfach nur schön finden.