Stendal. " Das war noch einen Tick spannender als Feuerwehr !" Der 17-jährige Feuerwehrmann Mathias Schmid aus Döbbelin denkt nicht ohne Stolz an den Sonntag vor zweieinhalb Wochen zurück, als er an einer erfolgreichen Ganovenjagd teilnahm. Dafür dankte ihm und den anderen freiwilligen Helfern der Polizei gestern Revierleiter Olaf Wichmann. Die etwas verrückte Geschichte eines 22-jährigen Stendalers, der sich am Sonntag, 10. Januar, eine wilde Verfolgungsjagd mit der Stendaler Polizei lieferte, hatte in den Tagen von Sturmtief Daisy für Schlagzeilen gesorgt. Gerade aus dem Knast in Verden an der Aller entlassen, wo er wegen Fahrzeugdiebstahls saß, klaute er bei Minden einen leistungsstarken Traktor der Marke Fendt mit Schneeschiebeschild und tuckerte mit 55 Stundenkilometern 300 Kilometer ostwärts in seine Heimatstadt. Weil er vor einigen Jahren schon einmal Ähnliches veranstaltet hatte, war er bei der hiesigen Polizei schon avisiert.

Polizeiobermeister Heiko Fricke und Polizeimeister Edgar Daumann waren am Sonntag gegen 13. 15 Uhr mit ihrem Streifenwagen in der Arneburger Straße unterwegs, als ihnen der Trecker auffiel. " Als wir ihn kontrollieren wollten, gab er Gas ", berichtet Fricke. Mit Blaulicht und Martinshorn setzten sie zur Verfolgung an. Wie die Volksstimme berichtete, ging die Hetzjagd durch die Innenstadt über den Nachtigalplatz in die Tangermünder Chaussee, wo die Polizei eine Sperre aufgebaut hatte. Doch der tollkühne Traktorist wendete im Straßengraben, jagte zurück in die Stadt und über Bahnhof- und Röxer Straße und links herum durch den Kreisel hinaus in Richtung Möringen. Dort bog er auf einen tief verschneiten Acker ab, wohin ihm kein Streifenwagen folgen konnte.

Heiko Fricke nahm Kontakt zur Döbbeliner Feuerwehr auf. Die Feuerwehrmänner Steffen Klug und Mathias Schmid holten ihren Jeep beziehungsweise Traktor und fackelten nicht lange : Der Polizei muss geholfen werden. Der Möringer Landwirt Stephan Winkler, ebenfalls mit Traktor, stieß zufällig hinzu, schließlich noch Abschleppunternehmer Andreas Stolze mit seinem Tatra-Lkw. Der Treckerdieb wurde auf dem Feld eingekeilt.

" Um 16. 12 Uhr konnte ich ihn dort endlich festnehmen, jetzt ohne Gegenwehr ", schildert Heiko Fricke das Finale. Der Ausreißer sitzt seitdem in U-Haft.