Der neue Fußboden des Kapitelsaals im Stendaler Domstift soll mit Fünf-Euro-Scheinen gepfl astert werden. Das, zumindest symbolisch, wünscht sich die Evangelische Stadtgemeinde. Am Mittwoch startete sie eine Spendenaktion unter dem Motto " Signatur auf festem Grund ".

Stendal. Die erste Palette mit handgefertigten ziegelroten Pflastersteinen, 20 mal 20 Zentimeter im Quadrat, steht im südlichen Seitenschiff des Doms bereit. Wer das Gotteshaus besucht, fünf Euro dabei hat und bereit ist, die Sanierung des Domstifts zu unterstützen, der kann sofort aktiv werden. Auf einem Tisch liegen mehrere Zimmermannsbleistifte neben einer der Fußbodenplatten. Man steckt fünf Euro in die Sammelbox und hinterlässt seinen Namen auf der gebrannten Tonplatte und, wenn man will, auch in der ebenfalls bereitliegenden Spenderliste. Die signierte Platte auf die Palette legen und eine frische auf den Tisch – schon ist man mit einem kleinen Baustein an der Stiftsanierung beteiligt.

Die ersten Spender waren am Mittwochabend – wie sich das gehört – diejenigen, die die Aktion vom Zaune gebrochen haben : Gemeindekirchenratsvorsitzender Detlef Frobel, Pfarrer Joachim Kähler und Pfarrer Matthias Schröder. Wer einen oder mehrere Steine signieren will, sollte das nicht auf die lange Bank schieben. " Die Aktion endet defi nitiv am 11. Oktober ", sagt Joachim Kähler. " Am 12. Oktober beginnt die Fußbodenverlegung. " Dann landen die Pfl astersteine – es sind 7500 für eine Fläche von 300 Quadratmetern – mit der Graphit-Signatur nach unten im Kapitelsaal und im Südflügel des Kreuzgangs.

Beide Räume – der Kreuzgangflügel dient vor allem als Entree vom künftigen Haupteingang an der Westseite in den großen, prächtig überwölbten Kapitelsaal – warten nur auf diesen Akt ihrer Vollendung. Der Estrich, der die neue Fußbodenheizung des Saals verbirgt, ist längst getrocknet. Das Lüftungssystem ist installiert. Die alten Fenster in den gotischen Bögen wurden restauriert und mit einer zweiten, dämmenden Scheibe versehen. Was noch fehlt, ist lediglich der stilgerechte Fußboden. " Die Steine wurden von einer Firma in Görtzke handgefertigt ", erklärt Pfarrer Kähler. " Keiner gleicht dem anderen – so wurden Dom und Domstift auch gebaut. "

Der Kapitelsaal soll den Cordatussaal als Winterkirche ablösen. Wie er einmal aussehen wird, zeigen zwei Computersimulationen auf einer Informationstafel im Dom gleich neben der Pfl astersteinpalette. Für Gottesdienste kann er halbkreisförmig bestuhlt und mit einem transportablen Altar ausgestattet werden. Mit gerade ausgerichteten Stuhlreihen für Tagungen wird der Saal rund 200 Leute fassen. Aus dem darüber gelegenen Cordatussaal zieht die Orgel in den ebenerdigen, barrierefrei zu erreichenden Kapitelsaal.

Die Sanierung der Altbauten des Domstifts, die neben den Sälen und den Kreuzgangresten sämtliche Räumlichkeiten wie das Lutherzimmer und das Archiv für die Dombibliothek im Dachgeschoss einschließt, wird nach Angaben von Joachim Kähler 570 000 Euro kosten. Der Pfarrer hofft, dass der Kapitelsaal Ende Januar nächsten Jahres, wenn die Stadtgemeinde ihren zehnten Gründungstag feiert, eingeweiht werden kann.

Danach wird der spektakuläre Teil der Dombaupläne von Architekt Jan Bodenstein in Angriff genommen : der Neubau des im 2. Weltkrieg zerstörten Kreuzgangwestfl ügels. Kähler : " Dort entstehen Räume, die wir für die Gemeindearbeit und als Anlaufpunkt für den gesamten Propsteibereich dringend brauchen. "