Die Bevölkerungsstruktur befindet sich seit Jahren im Wandel. Der Anteil der über 60-Jährigen wird nach aktuellen Prognosen bis 2030 um acht Millionen Menschen steigen. Nicht nur in dieser Entwicklung, sondern bereits heute, sieht sie eine Chance für ein neues Ausbildungsprofil, die Seniorenassistenz. Die Tangerhütterin hat sich auf diesem Sektor qualifiziert und hat für den Landkreis Stendal ein Pilotprojekt initiiert.

Tangerhütte. "Dass ich mich mit 57 Jahren noch einmal selbständig machen würde, das hätte ich vor einigen Jahren nicht gedacht", sagt Christa Thonagel aus Tangerhütte. Doch mit der Erprobung einer neuen Dienstleistung kam alles anders. Der Startschuss dafür fiel vor einem Jahr.

Christa Thonagel bietet für Senioren eine neue Dienstleistung an, die "Senioren-Assistenz". "Sie richtet sich an ältere Menschen in der Häuslichkeit, die sich allein fühlen, mehr vom Leben wollen oder ergänzende Hilfe in ihrem Alltag wünschen", sagt die Tangerhütterin. Sie versteht sich deshalb als "Gesellschafterin für Senioren" und hat in dieser Funktion ein Pilotprojekt für den Landkreis Stendal initiiert. Dabei gibt es noch bis Juni 2011 finanzielle Unterstützung vom EU-Projekt Lokales Kapital.

Nach einjähriger Probe ist Christa Thonagel vom steigenden Bedarf ihrer Dienstleistung überzeugt. "Es ist das fehlende Glied zwischen der Pflege und grober Hausarbeit", sagt die 57-Jährige. Ihre Arbeit also vielmehr eine individuelle Lebensbegleitung, als eine schlichte Betreuung. "Sie gehen allein nicht mehr ins Restaurant oder ins Kino, doch wenn sie jemand begleitet, gehen sie wieder raus und erfreuen sich am Leben", so die Unternehmerin.

In die Rolle der Begleitung musste sie jedoch erst hineinwachsen. "Ich hatte in meinem Verwandtenkreis ein lieben Onkel. Ich habe versucht ihm wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben", sagt die Gesellschafterin. So fuhr sie mit ihm nach Kopenhagen, besorgte ihm eine Elektromobil und hat ihm selbst am Silvesterabend noch etwas Zeit geschenkt.

Umgang mit älteren Menschen hatte Christa Thonagel nicht nur durch ihren Verwandten, sondern auch als ehrenamtlicher Hospizhelfer und sie begleitet landkreisweit Menschen in der Sterbe- oder Trauerphase.

Die Wünsche der Senioren stehen bei diesem Angebot im Vordergrund. "Ich will nicht die Angehörigen ersetzen, aber ich kann ihnen neue Freiräume schaffen, wenn Verwandte nicht in der Nähe wohnen oder auch sonst wenig Zeit haben", sagt Thonagel.

Die Kosten müssen in der Regel vom Auftraggeber getragen werden. Handelt es sich jedoch um Betreuungsleistungen beispielsweise für Demenzkranke oder die so genannte Ersatzpflege, dann gibt es Geld von der Pflegekasse.

Erstmalig wurden im Jahr 2006 im Kreis Plön (Schleswig Holstein) engagierte Menschen in der qualifizierten Senioren-Assistenz ausgebildet. Dieses Modellprojekt wurde mit europäischen Geldern gefördert und hat sich inzwischen auf ganz Deutschland ausgebreitet. Etwa 160 Personen aus vierzehn Bundesländern haben sich mittlerweile die Teilnahmen an Kursen von Ute Brühmann qualifiziert. Bislang wird die Qualifizierung zur "Senioren-Assistenz" nur im Raum Kiel und Hamburg angeboten. Um das Berufsbild weiter zu stärken, soll noch in diesem Jahr ein Landesverband in Hamburg entstehen.

Christa Thonagel will die Dienstleistung weiter am Markt etablieren und sich dafür einsetzen, das Berufsbild "gesellschaftsfähig" zu machen. Deshalb soll auch auf Landesebene mit Bildungsträgern ein Ausbildungskonzept zur Qualifizierung von Seniorenassistenten konzipiert werden. Zudem will sich die Unternehmerin an der Gründung des Bundesverbandes "Berufsverband Senioren-Assistenz" beteiligen.

Darüber hinaus ist Thonagel im bundesweiten Netzwerk aktiv, das derzeit die etwa 160 qualifizierten Senioren-Assistenten koordiniert. Wer mehr über Christa Thonagel erfahren erreicht sie telefonisch unter (0 39 35) 21 12 43.

www.die-senioren-assistenten.de