Der siebente Harbker Orgelsommer ist eröffnet. Den Auftakt zur diesjährigen Reihe gestaltete am Sonntag Rüdiger Wilhelm aus Braunschweig. Bis Mitte September folgen vier weitere Konzerte.

Harbke l "Es ist fast unglaublich, dass nun schon der siebente Harbker Orgelsommer angebrochen ist", war einleitend von Pfarrer Peter Mücksch zu hören. "Begrüßen Sie mit mir einen alten Bekannten, der auch bei der Restaurierung unserer Orgel als Sachverständiger tatkräftig mit angepackt hat. Er weiß genau, was er aus der Orgel alles herausholen kann", hieß der Hausherr den Organisten Rüdiger Wilhelm willkommen.

Der eröffnete den neuer- lichen Konzertreigen zu Sankt Levin mit dem Präludium in g-Moll von Dietrich Buxtehude und gab den Konzertbesuchern danach eine kurze Einführung in sein Programm. Passend zur Entstehungszeit der Orgel hatte Wilhelm für Sonntagnachmittag Werke von Buxtehude, Franz Tunder und Johann Sebastian Bach ausgewählt. Tunder, dessen 400. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, habe "ausdrucksstarke Orgelwerke und Kantaten hinterlassen". Vieles davon spiegele musikalisch den Dreißigjährigen Krieg und die Nöte dieser Zeit wider.

Tunders Nachfolger an der finanziell sehr lukrativen Stelle als Organist der Lübecker Marienkirche war Dietrich Buxtehude. "Er wurde nicht nur sein Schwiegersohn, sondern hinterließ Choräle mit kunstvollen Verzierungen", schwärmte Wilhelm und erzählte augenzwinkernd weiter: "Auch Bach hatte wohl später mit der Stelle an St. Marien geliebäugelt. Ob es aber an der Bedingung scheiterte, die Tochter seines Vorgängers Buxtehude zu heiraten oder andere Gründe hatte, ist nicht überliefert."

Für das Konzert in Harbke hatte Rüdiger Wilhelm einige Stücke aus Bachs "Orgelbüchlein", einem Lehrbuch für die Studenten des Meisters, ausgewählt. Der Organist erklärte, dass er die Werke von Bach für das Spiel an der Fritzsche-Treutmann-Orgel bearbeiten musste: "Ganz in der Magdeburger Tradition gebaut, hat die Orgel hier ein etwas geringeres Tastenwerk als Bach es ursprünglich vorgesehen hatte."

Abgerundet wurde das Konzert durch "Wie schön leuchtet der Morgenstern", dem Werk eines unbekannten Komponisten aus dem 18. Jahrhundert.

Mit seiner breit angelegten Musikauswahl verstand es der Braunschweiger Virtuose, den Klangumfang der Königin der Instrumente voll auszuschöpfen. Zu den Höhepunkten gehörte sicher die Arie "Mein gläubig Herz" von Bach, bei der man auch ohne Gesang meinte, die Gesangsstimme zu hören.

Für seine Darbietung, der man die Freude an der Musik und dem Harbker Instrument anmerkte, hatte sich der Wilhelm den begeisterten Applaus des Publikum redlich verdient. Als Dankeschön gab es von Peter Mücksch, wie in Harbke üblich, "den Blumenstrauß aus Pastors Garten". Damit lud der Pfarrer zugleich alle Musikfreunde für den 13. Juli wieder in die Schlosskirche ein: "Dann ist Rhonda Eddington aus den Vereinigten Staaten zu Gast - und versprochen, zum Endspiel der Fußball-WM sind alle wieder pünktlich zu Hause ..."

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