In den nächsten sechs Wochen reißt der Bagger mitten im Wohngebiet "Wasserrenne" in Oschersleben die alte Kaufhalle weg. Sie war den Anwohnern schon lange ein Dorn im Auge. Das alte Gebäude stand mehr als zehn Jahre leer, bis es die Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben" im vergangenen Jahr überraschend gekauft hat.

Oschersleben. "Dass heute die großen Massen bewegt werden können, darüber sind wir wirklich froh", sagte Jens Schneider Mitte der Woche zum Abrissbeginn an der alten Kaufhalle. Der Bagger war gerade angerückt. Anwohner blieben verwundert stehen und beobachteten, wie der seine Kralle am Gebäude ansetzte.

Viele haben diesen Tag herbeigesehnt. Schneider und seine Vorstandskollegin Birgit Tiebe von der Wohnungsgenossenschaft "Neues Leben" ging es ebenso, seit der Kauf der Ruine ziemlich genau vor einem Jahr perfekt war. Der Eintrag ins Grundbuch musste zunächst erfolgen. Weiter hat die Oschersleber Wohnungsgenossenschaft Fördermittel für die rund 150 000 Euro teuren Arbeiten beantragt. Das braucht Zeit. Noch warten sie auf den Fördermittelbescheid. "Damit wir trotzdem vor dem Sommer anfangen konnten, haben wir uns um Erlaubnis für einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn bemüht", schildert Schneider das Vorgehen. Dabei erhielten die Wohnungsverwalter Rückenwind aus dem Bauministerium.

Das Ergebnis: Der Bagger reißt schon seit dieser Woche alles nieder. In sechs Wochen ist von der einstigen Verkaufsstelle nur noch Schutt übrig. Der wird zusammen mit den Betonplatten auf dem insgesamt 15 000 Quadratmeter großen Grundstück abtransportiert.

"Immer wieder hatte die Kaufhalle für Stress und Ärger gesorgt"

Bald wird an der selben Stelle Rasen sprießen. "Es geht dann erst einmal darum, die Fläche wieder in das Wohngebiet einzugliedern", erklärt Schneider. In der zweiten Jahreshälfte will er mit seinen Kollegen die Pläne für künftige Neubauten konkretisieren. "Es wird etwas Attraktives für das Wohngebiet. Soviel kann ich schon verraten", sagte Schneider dazu. Nach dem Kauf im vergangenen Jahr war unterdessen ein Mehrgenerationenhaus im Gespräch. Es hieß, dass dazu noch Ideen gesammelt würden. Einen neuen Supermarkt hatte Aufsichtsratsvorsitzender Joachim Kunkel da bereits ausgeschlossen.

Insgesamt solle es in jedem Fall darum gehen, das Wohngebiet Wasserrenne weiter aufzuwerten, steckt Schneider das Ziel ab. "Immer wieder hat die Kaufhalle für Stress und Ärger im Wohngebiet gesorgt", blicken Schneider und Tiebe zurück. Das Gelände verwahrloste zusehends. Ein Einfallstor für Vandalen. Das soll nun der Vergangenheit angehören.

Bei Vorhaben wie diesen, so Schneider, arbeite "Neues Leben" stets eng mit der Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaft Bewos zusammen, die beide einen Großteil der Wohnungen in der Wasserrenne unterhalten. "Wir investieren gemeinsam viel in dieses Wohngebiet", macht Schneider klar. So werden in gemeinsamer Absprache auch Höfe neu gestaltet, zum Beispiel der Innenhof des Wohnblocks an der Breitscheid- und Schöninger Straße. Linden sind neu gepflanzt, Wege angelegt, Rasen ist gesät. Ein wenig müssen sich die Mieter hier noch gedulden, bis die letzten Arbeiten auf dem Hof fertig sind.

Geduld brauchen auch die Anwohner rund um die alte Kaufhalle. Die Bauarbeiten laufen nun werktags in der Zeit von 7 bis 17 Uhr. "Wir bitten um Verständnis, wenn es mal zu Belästigungen kommt", sagt Schneider.