Völpkes WM-Angler Helmut Rein (Volksstimme berichtete) ist wohlbehalten zurück in der Heimat. Das Abenteuer an den Stränden der portugiesischen Algarve war aus sportlicher Sicht ein "Reinfall". Doch missen möchte der 55-Jährige das Erlebnis nicht. Im Interview mit Ronny Schoof schildert er seine Impressionen von Weltmeisterschaft im Brandungsangeln.

Volksstimme: Herr Rein, mit der Mannschaft Sachsen-Anhalts hat es nur zu einem 15. Platz unter 17 Teams gelangt. Ist zwei Wochen nach der WM die sportliche Enttäuschung verdaut?

Helmut Rein: Ja. Die Freude, überhaupt in den Genuss der Teilnahme gekommen zu sein, überwiegt inzwischen. Klar hatten wir uns viel mehr vorgenommen und die Platzierung war am Ende nicht so doll, aber es war ein unvergessliches Erlebnis. Einfach herrlich!

Volksstimme: Erklären Sie doch kurz, woran es gehapert hat. Falsche Köder?

Helmut Rein: Ach, vor allem machten uns die äußeren Bedingungen einen Strich durch die Rechnung. Wir waren ja extra ein paar Tage früher angereist, um vor Ort noch etwas trainieren zu können und uns auf die Gegebenheiten einzustellen. Es lief auch alles ganz gut, beim offiziellen Training vor dem Wettkampf waren wir noch Dritter. Dann aber kam der Wetterumschwung. Plötzlich hatten wir nur noch ablandigen Wind – damit sind wir gar nicht mehr klargekommen und haben den ersten Wettkampftag völlig in den Sand gesetzt.

Volksstimme: Und die anderen Teams?

Helmut Rein: Denen ging es ähnlich, auch den hochgehandelten Spaniern. Die Mecklenburger zum Beispiel sind ja auch nur zwei Plätze vor uns gelandet. Einzig die Einheimischen wussten genau, wie sie die Voraussetzungen nutzen müssen, wo und wie die Fische in den Wellen schwimmen und welche Ausrüstungsteile von Vorteil sind.

Volksstimme: Das klingt etwas unfair, wenn allein die Gastgeber die dicksten Brocken angeln können …

Helmut Rein: Das muss man so hinnehmen. Nein, die Portugiesen haben verdient gewonnen. Sie haben uns klar vorgeführt. Bei der WM im letzten Jahr an der Ostsee war es genau andersherum. Da schneite und stürmte es, und die Südländer waren damit total überfordert. Insofern gibt es also immer auch einen Ausgleich. Außerdem waren die Portugiesen vortreffliche Gastgeber. Als Titelverteidiger wurden wir mit Kapelle und Umzug empfangen. Sogar die Hymne wurde gespielt. Das war ergreifend.

Volksstimme: Wie lief denn so ein Wettkampf ab?

Helmut Rein: Anstrengend! Sehr, sehr anstrengend. Von morgens um sechs bis abends um sieben oder acht waren wir in Gange und am Ende richtig kaputt.

Volksstimme: Wie sind die Strände an der Algarve?

Helmut Rein: Wunderschön. Nur leider konnten wir das nicht in vollen Zügen genießen. Und die Dünen: Da lagen die schönsten Frauen, was man als Mann ja gern mal sieht. Doch ich musste Blick und Konzentration auf das Angeln richten.

Volksstimme: Wie haben Sie denn teamintern abgeschnitten?

Helmut Rein: Von den fünf Mannschaftsmitgliedern bin ich Dritter geworden. Damit bin ich zufrieden. Letzter will im Team ja eigentlich keiner werden – ich auch nicht. Von daher freue ich mich über meine Leistung.

Volksstimme: Konnten Sie Kontakte zu anderen Petrijüngern knüpfen?

Helmut Rein: Ja, wir sind wirklich allesamt wie eine große Familie. Mit der Sprache hat es zwar oft nicht ganz so gut funktioniert, aber rein menschlich haben wir uns mit den Engländern, Portugiesen, Spaniern, Belgiern, Italienern und Niederländern bestens verstanden. Gut angefreundet haben wir uns auch mit den Brasilianern. Und mit den Mecklenburgern stehe ich noch immer in Kontakt, werde sie demnächst auch besuchen.

Volksstimme: Dann war die WM-Reise doch ein Erfolg?

Helmut Rein: Absolut! An dieser Stelle möchte ich auch dem Kreisanglerverein und unserem Landesverband danken, die uns kräftig unterstützt haben. Mir hat es ein Erlebnis voller Eindrücke und mit bleibender Erinnerungen beschert. Ich glaube, sowas erlebt man nur einmal.

Volksstimme: Dann war das für Sie die erste und letzte WM?

Helmut Rein: Das wird man sehen. Noch einmal so eine Fahrt mit dem Auto über 3000 Kilometer werde ich wohl nicht mitmachen. Das hat doch ziemlich geschlaucht. Aber ich will noch nichts ausschließen. Jetzt versuche ich erst einmal über die offene Einzelqualifizierung in der Nähe von Kiel zur Deutschen Meisterschaft zu kommen.