Wernigerode l Im Finanzausschuss ist am Donnerstag die Debatte über den Haushalt 2014 eröffnet worden. Dabei wurde auch der Stellenplan der Wernigeröder Stadtverwaltung beraten, die besonders jungen, gut ausgebildeten Leuten eine Chance geben will.

Die Wernigeröder Stadtverwaltung möchte in diesem Jahr ihr Personal aufstocken. "Wir haben 2014 einen leichten Stellenzuwachs", erklärte Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff am Donnerstagabend in der Sitzung des Finanzausschusses.

Dafür verantwortlich ist vor allem das neue Kinderförderungsgesetz (Kifög). Exakt 13,63 neue Stellen für Erzieher werden geschaffen, die Stadt muss dafür rund 400000Euro mehr pro Jahr aufwenden. Die Finanzen dafür werden der Verwaltung im Nachgang erstattet, erklärte Amtsleiter Dorff und fügte hinzu: "Das Geld wird vernünftig ausgegeben." Dem stimmte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) zu. Allerdings seien die Mehrausgaben, die die Stadt aufgrund des neuen Gesetzes vorschießen muss, beträchtlich. "Das stellt für die Kommune eine große Herausforderung dar", so Gaffert.

Mehr Personal soll künftig auch im Rathaus arbeiten. Zusätzlich werden laut Plan drei Teilzeitstellen mit je 32Wochenstunden für Springer geschaffen. Die Arbeitsplätze sollen ausgelernte Auszubildende besetzen, die einen überdurchschnittlichen Abschluss vorweisen können.

Sie sollen je nach Bedarf für kranke Kollegen einspringen oder Elternzeitvertretungen übernehmen. Das sei unkomplizierter, als Stellen extern auszuschreiben, und verhindere, dass gesunde Kollegen überlastet werden. Zudem will die Stadtverwaltung so fähige, junge Mitarbeiter im Haus und somit auch in Wernigerode halten. "Wir möchten den ehemaligen Azubis unbefristete Verträge anbieten", erläuterte Dorff. In der Vergangenheit habe die Stadtverwaltung häufig qualifizierte Leute verloren, weil diesen im Anschluss an die Ausbildung nur Jahresverträge angeboten wurden.

Altersdurchschnitt: 50 Jahre

Dabei könnte die Stadtverwaltung mehr frischen Wind vertragen. Der Altersdurchschnitt der städtischen Bediensteten liegt um die 50 Jahre - und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. "Das ist extrem", so der Oberbürgermeister. "Die Überalterung ist ein ernstzunehmendes Problem." Fähigen Nachwuchs für die Arbeit in den Amtsstuben zu begeistern, werde schwieriger, weiß Rüdiger Dorff. "Im Moment melden sich noch recht viele Bewerber auf neue Stellen", sagt er. Nach Spezialisten wie Ingenieuren müsse er dennoch manchmal länger suchen.

Die Qualität der Bewerbungen gerade bei Auszubildenden lasse ihm zufolge spürbar nach. So hat die Stadt im vergangenen Jahr nur zwei von drei Lehrstellen für Gärtner besetzt. Auch im Verwaltungsbereich sei es schon vorgekommen, dass sich zu wenig geeignete Bewerber meldeten.

Ein weiteres Beispiel dafür sei, dass von den knapp 530 Stellen, über die die Stadtverwaltung Mitte 2013 verfügte, nur rund 503 Stellen besetzt waren. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Stellen bei der Kommune stetig gesunken, berichtet Dorff. "Der Anspruch ist, weiter abzusenken." Allerdings gebe es nach unten Grenzen, wenn nicht der Standard sinken solle.

Rund 26,2 Millionen Euro sind im Haushalt 2014 für Personalkosten veranschlagt. Eine weitere neue Stelle wurde für zwei Jahre in der Finanzbuchhaltung geschaffen, um die Umstellung auf die betriebswirtschaftliche Haushaltsführung (Doppik) zu bewältigen. Zwei Mitarbeiterinnen wurden für die Vorbereitung des Sachsen-Anhalt-Tages eingestellt, ihre Verträge laufen Ende Juli aus.

Die Beratung über den Haushalt im Finanzausschuss wird am 30. Januar fortgesetzt. Dann geht es um den Verwaltungshaushalt. Am 20. Februar folgt die Beratung über Investitionen. Die Entscheidung über den Etat der Kommune soll am 27. März der Stadtrat fällen.

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