Elbingerode (bfa) l Mit schöner Regelmäßigkeit gehen liebe Worte zwischen Elbingerode und Husum hin und her. Gerade wurden Ostergrüße ausgetauscht. Das wäre eigentlich normal, doch dieser Kontakt geht über Grenzen hinweg. Und er besteht schon 40 Jahre und begann mit einer ganz und gar nicht alltäglichen Begebenheit.

1974 war es, tief in DDR-Zeiten, als Hans Breuer aus Husum sich aufgemacht hatte, um seinen Bruder in Elbingerode zu besuchen. Mit allen Formalitäten, Ängsten und Freuden, die ein Besuch hinter dem eisernen Vorhang für "Westler" damals so mit sich brachte. Nur mit einem hatte Hans Breuer nicht gerechnet: Dass sein schönes Auto Marke Audi im bergigen Elbingerode streikt. Was nun? Wer repariert mitten im Trabant- und Wartburg-Land schnell einen "Westwagen"? Ratgeber kamen schließlich auf Werner Puse zu sprechen. Der gelernte Kfz-Elektriker war als Autoexperte und Freizeitmechaniker weit bekannt. Fahrzeuge aller Art waren seine Leidenschaft. Aber einen Audi hatte Puse auch noch nicht repariert.

"Unmöglich war das jedoch nicht, wie sich herausstellte, die Kopfdichtung war defekt", erinnert sich der Harzer. Puse ließ sich damals etwas einfallen, schraubte hier, feilte da und brachte Breuers Wagen wieder zum Laufen. Wenigstens bis hinter den Grenzübergang Marienborn sollte er es schaffen. Und natürlich sollte sich der Audifahrer dann gleich melden, ob er es denn auch bis über die Grenze geschafft hat. Und Hans Breuer schaffte es. Er fuhr mit der Dichtung, Marke "Eigenbau Elbingerode", nicht nur bis Marienborn, sondern gleich durch bis nach Hause, nach Husum. Erst dort fuhr er in eine Werkstatt.

Die Husumer Autofachleute hätten so über die merkwürdige Dichtung gestaunt, dass sie gleich zusammenliefen, berichtete Breuer damals. "Sie hatten sowas noch nie gesehen, reagierten aber mit Respekt", sagt der heute 74-jährige Werner Puse nicht ohne Stolz.

Er habe natürlich nach der Wende Husum besucht. Hans Breuer sei auch wieder in den Harz gekommen. Er ist inzwischen 92 Jahre alt. Sein Schwiegersohn kennt Elbingerode auch schon. Er kam mit einer ganzen Motorradfahrergruppe aus Husum nach Elbingerode. So weitete sich der Kontakt auf die Familien aus.

Ein "großes Ding", so sagt Werner Puse "war der ungewöhnliche Reparatureinsatz eigentlich nicht. Man hat damals viel geholfen, es ging nicht anders. Materialmangel und Autoknappheit zwangen zum Improvisieren." Dass daraus ein 40 Jahre anhaltender Kontakt wurde, sei sehr schön.

Fahrzeuge sind für den leidenschaftlichen Autoschlosser auch heute noch Hobby Nummer 1. Werner Puse ist bei den Oldtimerfreunden sehr aktiv. Und wenn Ehefrau Christa ihren Mann einmal länger nicht sieht, werkelt er garantiert in der eigenen Werkstatt.